Logitech Logi ZeroTouch

„Intelligente“ Smartphone-Halterung im Praxistest

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Der Schweizer Anbieter Logitech möchte mit Logi ZeroTouch die Gefahren der Handy-Nutzung beim Autofahren aus der Welt schaffen. Wir haben die Smartphone-Halterung plus Android-App auf Herz und Nieren getestet - und mit der kostenlosen Lösung Google Now („OK, Google“) verglichen.
Aktiviert wird Logitech Logi ZeroTouch berührungslos über eine High-Five-Geste.
Aktiviert wird Logitech Logi ZeroTouch berührungslos über eine High-Five-Geste.
Foto: Logitech

Trotz rigoroser Strafen sind Smartphone und Handy auch beim Autofahren des Deutschen liebstes Kind: In einer aktuellen Bitkom-Umfrage unter 1010 Autofahrern erklärten 42 Prozent, sie würden beim Fahren mit dem Handy am Ohr ohne Freisprecheinrichtung telefonieren. 44 Prozent gaben an, SMS oder andere Kurznachrichten auf ihrem Mobiltelefon zu lesen. Und fast jeder Vierte (23 Prozent) bekannte, dass er/sie sogar während der Fahrt selbst SMS/Kurznachrichten über die Tastatur des Telefons schreibt. Dass unter diesen - verbotenen - Aktivitäten die Konzentration leidet und die Unfallgefahr steigt, dürfte klar sein.

Logitech versucht, diese Gefahren nun mit der Lösung Logi ZeroTouch zu adressieren. Dahinter versteckt sich eine Autohalterung in zwei Ausführungen (zum Einklemmen in die Lüftung bzw. zum Befestigen an der Windschutzscheibe) mit integriertem Bluetooth-Dongle, die nach dem Andocken eines Android-Smartphones (eine iOS-Version ist geplant) automatisch eine sprachgesteuerte App von Logitech startet. Im Anschluss, so der Schweizer Hersteller, "können Autofahrer während der Fahrt Textnachrichten abhören und verfassen sowie ausgewählte Navigations- und Musik-Apps steuern, ohne mit dem Smartphone in Berührung zu kommen. Nutzer erfahren so die Vorzüge eines Connected Car - ohne sich gleich ein neues Auto kaufen zu müssen."

Soweit die Theorie, wie ein Test in der Redaktion und natürlich im Auto zeigte, weist die Lösung in der Praxis jedoch einige Schwächen auf. Doch immer der Reihe nach. Um das Android-Smartphone an der magnetischen Halterung zu befestigen, hat Logitech seinem Produkt Plättchen zum Aufkleben beigelegt, die ZeroTouch-App findet sich im Google Playstore zum kostenlosen Download. Voraussetzung ist lediglich Android 4.4 oder höher.

"Sorry, Icannotfind"

Nach der simplen Einrichtung wird die Anwendung automatisch im Hintergrund gestartet, sobald das Smartphone auf die Halterung gelegt wird und via Bluetooth verbunden wurde. Zur Bedienung genügt dann eine einfache "High-Five"-Geste vor dem Infrarot-Sensor des Smartphone-Displays und los geht's! Mehr oder weniger zumindest: Während sich SMS und WhatsApp-Nachrichten im Praxistest erfolgreich per Sprache diktieren und Anrufe an bestehende Kontakte tätigen ließen, zickte die Navigation. In den ersten Tagen nach Erhalt des Geräts antwortete Logi ZeroTouch auf Navigationsbefehle mit einem mürrischen "Sorry, Icannotfind xxx Straße", steuerte aber immerhin zuverlässig via Google Maps zu in der App eingespeicherten Adressen.

Ein paar Tage später wurde dieser Bug dann via Update behoben und ZeroTouch unterstützte auch wie versprochen die Navigation mit Here Maps - nicht immer, aber immer öfter. Die meiste Zeit wurde der Befehl zwar erkannt, jedoch stürzte die Here-App ab und musste neu gestartet werden. Ähnliches konnte auch bei der Nutzung von Spotify beobachtet werden.

Zugegeben: Möglicherweise ist auch das verwendete Smartphone schuld, im Test war es ein nicht mehr ganz so aktuelles und leistungsstarkes Nexus 5 mit aktuellem Android 6.0.1. Eine Entschuldigung ist dies jedoch nicht. Da Logitech bewusst keine Hardware-Anforderungen an das Smartphone gestellt hat, muss der Hersteller auch dafür Sorge tragen, dass das System funktioniert.

Vor- und Nachteile gegenüber Google Now

Es gibt natürlich auch Positives über Logi ZeroTouch zu berichten - besonders, wenn man das kostenlose Google Now zum Vergleich heranzieht: Während die beiden Lösungen bei Anrufen und SMS in etwa gleichauf liegen und Google Now darüber hinaus auch Mails versendet, punktet ZeroTouch bei der Steuerung von Apps, die nicht aus dem Hause Google kommen, also etwa Spotify, Here Maps oder WhatsApp). Die Google-Anwendung öffnet die Anwendungen zwar, anschließend muss bzw. müsste man jedoch den Bildschirm kurz bedienen. Dies gilt auch, wenn der Nutzer seine Passwort-Sperre aktiviert hat. Im Gegensatz läuft ZeroTouch bereits im Hintergrund und gibt etwa auf Befehl einzelne Songs, Interpreten oder Playlists auf Spotify wider. Als zusätzlichen Komfort liest die Logitech-Lösung außerdem Mitteilungen vor dem Versenden auf Wunsch noch einmal vor.

Fazit: Aller Anfang ist schwer

Auch wenn Logitech im Zusammenhang mit Logi ZeroTouch vom Connected Car spricht - eine intelligente Sprachsteuerung für Smartphones hat mit dem vernetzten Auto wenig zu tun, auch wenn sie besonders beim Autofahren nützlich ist. Dennoch verfolgt Logitech mit seiner Lösung einen wichtigen Ansatz, um gerade bei jüngeren Nutzern die Unfallgefahr zu mindern. Die Sprachsteuerung von Nuance funktioniert dabei überraschend gut, jedoch ist eine gewisse Ablenkung vom Fahren nicht von der Hand zu weisen. Zynisch könnte man sogar sagen, dass ein kurzer Griff zum Smartphone manchmal sicherer wäre, als sich während des Fahrens intensiv mit der Bedienung via Sprache zu beschäftigen.

Schwer vermittelbar: Der ZeroTouch-Halter für die Lüftung kostet knapp 60 Euro.
Schwer vermittelbar: Der ZeroTouch-Halter für die Lüftung kostet knapp 60 Euro.
Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt - Foto: ArtFamily - shutterstock.com

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt

Hinzu kommt, dass der Preis von knapp 60 (Lüftung) beziehungsweise 80 Euro (Windschutzscheibe), den Logitech für die ZeroTouch-Hardware aufruft(, während die App kostenlos zu beziehen ist), gerade für die jüngere Zielgruppe mit Fahrzeugen ohne Infotainment-System ziemlich viel Holz darstellt - gerade, wenn man an die Unmengen an Handy-Halterungen für unter zehn Euro denkt. Hier wäre ein anderes Bezahlmodell wünschenswert, da man ja eigentlich für einen "lebenslangen" Service zahlt und nicht für das Stück Plastik.

Was den Vergleich mit Google Now anbelangt: Es gibt Anwendungsfälle, wo die kostenlose Google-Lösung vollkommen ausreicht, etwa bei Anrufen, SMS, Google Maps oder Google Music. Wer darüber hinaus jedoch noch andere Apps handsfree am Steuer nutzen möchte, ist mit Logi ZeroTouch längerfristig besser bedient. Denn wenngleich die Logitech-Lösung sicher nicht das mit Abstand innovativste Produkt des MWC oder gar eines der wichtigsten Produkte dieses Jahres ist, hat die Handy-Halterung durchaus Potenzial. Der Umstand, dass die Intelligenz in der App, beziehungsweise dem Backend in der Cloud steckt, gibt dem Anbieter nämlich die Möglichkeit, sein Produkt kontinuierlich weiterzuentwickeln und die aktuellen Fehler auszubügeln.

Preise und Verfügbarkeit

Logi ZeroTouch Lüftung und Logi ZeroTouch Windschutzscheibe sind bei der Telekom Deutschland GmbH unter https://shop.telekom.de/ und Vodafone GmbH sowie auf http://www.logitech.com/de-de/ für einen UVP von 59,99 Euro und 79,99 Euro erhältlich.