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Potenzial erschließen

Intelligente Daten: Die neue Goldgrube für Vorstände

Dr. Carsten Linz ist Business Development Officer und globaler Leiter des Center for Digital Leadership bei SAP SE.
Daten werden für Unternehmen immer mehr zu einer wahren Goldgrube. Das bedeutet für Vorstände, dass sie ihre technologische Strategie vorausschauend planen müssen, um ihren Unternehmen einen Vorsprung zu verschaffen.

So gut wie jedes Unternehmen hat heutzutage mit Technologie zu tun. Digitale Daten sind überall und oft in so großen Mengen vorhanden, dass sich uns ihr Potenzial nicht erschließt oder es zu komplex wäre, sie auszuwerten. Zum Glück verfügen Vorstände über Instrumente, mit denen sich neue Wege für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit eröffnen lassen. Sie nutzen Cloud Computing, Hyperkonnektivität, In-Memory-Technologie sowie intelligente Sensoren und konzentrieren sich darauf, Informationen zu gewinnen, diese zu analysieren und daraus Maßnahmen abzuleiten.

Daten werden für Unternehmen immer mehr zu einer wahren Goldgrube. Das bedeutet für Vorstände, dass sie ihre technologische Strategie vorausschauend planen müssen, um ihren Unternehmen einen Vorsprung zu verschaffen. Wenn IT zum wesentlichen Bestandteil des Wertschöpfungsprozesses einer Firma wird, setzt das viele Vorstände unter Druck. Denn woher sollen sie auch die Kompetenzen und Erfahrungen in diesen neuen Verantwortungsbereichen erworben haben?

Heutzutage ist es sehr wichtig, dass sie den größten Mehrwert aus ihren Daten ziehen und Informationen für neue Kundenangebote und Einkommensquellen sammeln. Mit den richtigen Führungskompetenzen können Vorstände sich darauf vorbereiten und Informationstechnologie zu einem Pfeiler ihres geschäftlichen Erfolges machen.

Visionäre Datenalchemisten verwandeln rohe in intelligente Daten

Zusätzlich zu den vier traditionellen Rollen eines Vorstandes - Technologie-Berater, IT-Dienstleister, Geschäftspartner und Sicherheitsbeauftragter - kommen für jedes Unternehmen aus Sicht des SAP Center for Digital Leadership noch folgende dazu: Visionär, Unternehmer, Datenalchemist und digitaler Revolutionär.

Insbesondere die Rolle eines Datenalchemisten ist für einen Vorstand nun wichtig. Sie oder er muss im Unternehmen Fähigkeiten aufbauen, um aus riesigen rohe Datenmengen intelligente Daten und Prozesse herauszufiltern. So werden neues Wissen und verwertbare Informationen für das Geschäft gewonnen.

Überlegen Sie sich einmal wie es wäre, wenn Ihr Unternehmen Terabytes an exakten Geo-Wetterdaten zur Verfügung hätte. Auch eine elastische Cloud-Plattform stünde bereit, mit der man detaillierte Echtzeit-Ergebnisse im Hinblick auf tatsächliche Wetterrisiken, historische Klimainformationen und die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen Wetterrisiken abrufen könnte. Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen, der öffentliche Sektor oder die Agrarindustrie könnten auf viele Arten davon profitieren, diese Daten überlegt zu nutzen, beispielsweise durch:

  • Beobachtung. Mithilfe der Analyse von Satellitendaten können Klimaveränderungen des Planeten Erde vorhergesagt werden. Der Index zu Biomasse und Vegetation unterstützt die Ernteprognose und trägt deshalb bedeutend zur Nahrungssicherheit in einer Welt bei, deren Bevölkerung rasant wächst. Durch diese Informationen erhalten wir dann ein tieferes Verständnis von Wettermustern und unserem Klima, wodurch die Energiegewinnung von Wind- und Solaranlagen optimiert werden kann. Wir können sehen, wie sich der Wasserkonsum in den vergangenen Jahren verändert hat, oder wie sich die Luftfahrt- und Hafenindustrie künftig entwickeln könnte.

  • Diagnosen. Damit ist die Interpretation von Daten und Begleitumständen möglich. Eine Analyse des schmelzenden Eises in Grönland oder in der Antarktis belegt, dass der Meeresspiegel pro Jahr um vier Millimeter ansteigt, und unterstützt damit die Forderungen nach notwendigen Langzeitinvestitionen in tiefer liegende Gebiete auf der ganzen Welt. Beispielsweise wird der Bedarf an höheren Deichen entlang von Küstenlinien deutlich. Im Verbund mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und auf Grundlage von Daten und Informationen aus dem europäischen Copernicus-Programm haben wir vor, solche Daten mit unserer SAP HANA Cloud Platform zu diagnostizieren.

Interpretation von Daten: Eine Analyse des schmelzenden Eises in Grönland oder in der Antarktis belegt, dass der Meeresspiegel pro Jahr um vier Millimeter ansteigt
Interpretation von Daten: Eine Analyse des schmelzenden Eises in Grönland oder in der Antarktis belegt, dass der Meeresspiegel pro Jahr um vier Millimeter ansteigt
Foto: SAP SE
  • Prognosen. Damit können wir begründete oder sogar stichhaltige Annahmen auf Basis von Daten treffen und alle Risiken anhand von historischen oder aktuellen Informationen beurteilen. Wir sind in der Lage, zukünftige Szenarien und deren Wahrscheinlichkeit besser vorherzusagen und Maßnahmen zu planen. Für Bauern heißt das nicht nur, über bevorstehende Stürme Bescheid zu wissen. Sie können auch den Einsatz von Wasser und Dünger auf ihren Feldern mit Hilfe von Satelliteninformationen optimieren. Und was sogar noch besser ist: Der Landwirt erkennt, wenn der Ausbruch einer bekannten Pflanzenkrankheit bevorsteht und kann sofort präventiv mit der Behandlung der Pflanzen beginnen.

  • Entscheidungsunterstützung. Unternehmenssysteme können auf Grundlage von Datenanalysen Empfehlungen für Geschäftsentscheidungen abgeben. Das heißt, dass Informationssysteme autonom reagieren, sich selbst optimieren und ein Wandel zu echtem "Management-by-Exception" stattfindet. Ein Beispiel: Rettungsteams werden im Fall einer Katastrophe automatisch benachrichtigt. Auch erreichen Vorräte die evakuierten Menschen rechtzeitig und sind in ausreichenden Mengen vorhanden.

Datenmanagement ist entscheidend

Die Voraussetzung dafür ist, dass die Basisdaten des Unternehmens über alle Systeme hinweg bereinigt, semantisch korrekt, aktuell, verlässlich und konsistent sind. So hat das Unternehmen jedes Mal Zugriff auf schnelle und exakte Ergebnisse. Diese hohen Datenanforderungen sollen durch einfache Prozesse erfüllt werden. Durch ein hohes Maß an Automatisierung ist es möglich, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit zu skalieren und sicherzustellen.

Vorstände müssen darüber nachdenken, wie mandantenfähige Big-Data-Umgebungen verwaltet, Datensätze aus verschiedenen Quellen gesammelt und die Datenherkunft und das Dateneigentum festgestellt werden können. Damit entsteht mit Datenmanagement eine neue Geschäftsfähigkeit. Dies geht einher mit konsistenten Stammdatenerstellungs- und Pflegeprozessen, verbesserten Tools und Systemen und Best Practices für Datenorganisation und -steuerung. Im eigenen internen Enterprise Data Management von SAP werden im Verlauf mehrerer Jahre vier Funktionen entwickelt:

  • Einrichtung von Organisation und Steuerung

  • Kontinuierliche Datenpflege, um den Stammdaten-Lebenszyklus zu verwalten und dem normalen "Datenverfall" entgegenzuwirken

  • Vorbeugende, vorausschauende Datenprozesse

  • Tools und Systeme

Um das Projekt voranzubringen, wurde ein Lenkungsausschuss zum Thema Daten auf Vorstandsebene aufgesetzt. Auch entstand ein internationaler Datenrat, der aus den Datenexperten jedes SAP-Vorstandsbereichs besteht. Sobald diese Funktionen entwickelt sind, wird das Programm eine kontinuierliche Pflege und Überprüfung der Datenqualität, gemeinsam genutzte Datenservices und eine Compliance-Kontrolle umfassen. Für diesen Wandel ist ein umfassender, betriebswirtschaftlicher Ansatz notwendig. Das heißt, es müssen Geschäftsprozesse, Arbeitsabläufe und IT-Systeme grundlegend verändert werden. Dies geht nicht ohne verantwortliche Rollen und eine starke Steuerung.

Daten und der Vorstand

Daten alleine sind noch kein Wissen. Jedoch werden aufgrund neuer bahnbrechender Technologien immer mehr Unternehmen in zunehmendem Maße Datenanalysen als Dienstleistung anbieten. Ein erstes Beispiel ist SAP Digital Consumer Insight. Mit diesem Datenservice können entscheidende Informationen für Einzelhändler und andere standortbezogene Unternehmen bereitgestellt werden. Dazu gehören beispielsweise die Anzahl der Menschen, die sich an einem Standort oder in dessen Umgebung befinden, gesammelte geografische Daten und der Herkunftsort. So erhalten Nutzer die Möglichkeit, Fragen sofort zu beantworten. Zuvor wären damit wochenlange Recherchen und eine enorme Kosten verbunden gewesen. Wir gehen davon aus, dass sich diese Art von Angebot in verschiedenen Branchen, Rollen und Geschäftszweigen rasch ausbreiten wird.

In der Regel ergeben sich für Unternehmen durch Initiativen rund um intelligente Daten viele Möglichkeiten, ein tieferes und besseres Verständnis für ihr Geschäft zu erlangen. Dadurch werden die Produktivität gesteigert, Prozesse effizienter gestaltet, die Wettbewerbsposition gestärkt und Innovationen vereinfacht. Dies alles kann einen großen Einfluss auf die Bilanz und die gesamte Datenstrategie haben.

Dem Vorstand fällt dabei eine entscheidende Rolle zu und es ist wichtig, verstärkt mit Entscheidungsträgern aus der Führungsetage zusammenzuarbeiten. Um digitale Initiativen voranzubringen und geschäftliche Anforderungen zu identifizieren, betrifft dies konkret die Leiter verschiedener Geschäftsbereiche, sowie den Chief Digital Officer, den Chief Data Officer und den Chief Marketing Officer. Mit starken internen und externen Partnerschaften können Vorstände eine digitale Strategie für die gesamte Firma entwickeln, mit der sie Wettbewerbern einen Schritt voraus sind. Dabei sind datengestützte Analysen und daraus abgeleitete Maßnahmen ein wahrer Vorteil.

Weitere Informationen

Artikel zum Thema Führung und digitaler Wandel: "Next Generation CIOs: Effective Leadership for Digital Transformation"