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Intel vergibt ABM-Stellen an russische Explosivexperten

25.02.1999
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sie sollen nicht auf dumme Gedanken kommen und ihr Wissen - oder gleich die Hardware - an für den Westen politisch nicht korrekte Mächte verhökern: Deshalb vergibt Prozessorkönig Intel an russische Atomwissenschaftler Jobs. Die Nuklearspezialisten sollen Software für 3D-Videospiele entwickeln.

Intel nutzt für seine Aktion ein Programm, das das US-amerikanische Energieministerium (Department of Energy) aufgesetzt hat. Die Initiative Proliferation Prevention (IPP), das Engagement zur Nichtverbreitung von Atomwaffen also, und deren Abkömmling Closed Cities Initiative (CCI) will 35 000 bis 50 000 russischen Nuklearwissenschaftlern neue Jobs vermitteln. So sollen wenigstens einige aus dem Millionenheer von Explosivexperten der ehemaligen UdSSR für die Angebote wenig wohlmeinender Staaten immun gemacht werden.

Intels Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gilt Leuten aus der Stadt Sarov. Hierbei handelt es sich um eine geschlossene Stadt ("Zakrytij Gorod"). Solche Gebiete existieren auf offiziellen Karten nicht, im Gegensatz zu potemkinschen Dörfern sind sie aber leider nur zu real. Die ehemalige Sowjetrepublik entwickelte in diesen Kommunen unter anderem ihre hochgeheimen Waffenprojekte.

Das Programm des Energieministeriums ist allerdings in einem Kongreßbericht bereits schwer unter Beschuß geraten. Das dem Kongreß angegliederte General Accounting Office (GAO) monierte, einige der Gelder würden an russische Wissenschaftler verteilt, die entgegen der eigentlichen Intention der Amerikaner munter an Waffen für Moskau weiterforschen. Senator Jesse Helms etwa spuckt in dem Report Gift und Galle: "Es ist für die Clinton-Administration absolut nicht akzeptabel, daß Steuergelder der US-Bürger an russische Spezialisten vergeben werden, die nichts Besseres zu tun haben, als Giftgas, biologische Waffen und Nuklearsprengsätze für die russische Regierung zu entwickeln. Das muß ein Ende haben."