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Intel und AMD spielen Beihilfe-Poker

03.04.2007
Intel verlegt eine Produktionsstätte nach China. Angeblich streicht der Konzern eine Milliarde Dollar an Subventionen ein.

Ohne staatliche Beihilfen wäre der Halbleiterstandort Dresden - gerne auch als "Silicon Saxony" bezeichnet - heute vermutlich eine industrielle Brache. Berichten zufolge sollen rund zehn Milliarden Euro in die Region geflossen sein, um internationale Konzerne wie AMD anzulocken. Aufgrund einer veränderten EU-Beihilferegelung könne das Land nun im Poker um eine neue Fab nicht mehr mitziehen, klagte unlängst der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) in Richtung Berlin und Brüssel. Angeblich bietet der US-Bundesstaat New York etwa eine Milliarde Dollar für das AMD-Werk.

Wettbewerber Intel meldete vergangene Woche, dass eine neue Chip-Fab in China errichtet wird. Das Land lässt sich den Deal einiges kosten: Gartner-Analyst Bob Johnson bezifferte die Beihilfen gegenüber dem "IDG News Service" auf bis zu eine Milliarde Dollar. Intel will nicht nur von den niedrigen Lohnkosten in China profitieren, sondern auch noch die Produktionsanlagen einer älteren Fab nach China verschiffen, um sie dort zu verwenden. Dadurch seien die Gesamtinvestitionen für den Konzern unerheblich, so Johnson. Dies würde auch erklären, wieso Intel von der bisherigen Strategie abweicht, nur die neusten Technologien in einer Chip-Fab einzusetzen. Der Konzern bekommt folglich eine bestehende Produktion an einem neuen Standort für wenig Geld.

CEO Paul Otellini hatte keine konkreten Zahlen genannt, aber den Beitrag der chinesischen Regierung als wichtig für die Entscheidung bezeichnet, das Werk in Dalian zu errichten. "Finanzielle Anreize sind ein normaler Bestandteil der kapitalintensiven Halbleiterindustrie", sagte Nick Jacobs, Intel-Sprecher in Singapur. Auch er wollte keine genauen Zahlen veröffentlichen. Allerdings kann sich Dresden darauf einstellen, dass es aussichtslos ist, sich mit weniger als einer Milliarde Dollar an den internationalen Pokertisch zu setzen. (ajf)