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Intel stellt sich auf dauerhaft niedrigere Profitabilität ein

17.01.2007
Der weltgrößte Halbleiterkonzern Intel stellt sich wegen des hohen Wettbewerbdrucks in der Branche auf eine dauerhaft niedrigere Profitabilität ein. Außerdem beteiligt er sich laut Presseberichten am E-Geldinstitut Click and Buy.

Die Bruttomarge im laufenden Jahr werde um die 50 Prozent liegen und damit auf dem zu 2005 deutlich niedrigeren Niveau von 2006 verharren, teilte das im Dow Jones Industrial Average notierte Unternehmen am Dienstag in Santa Clara mit. Im vergangenen Jahr schnitt das Unternehmen trotz eines Gewinn- und Umsatzrückgangs besser ab als von Experten erwartet.

Die Aktie fiel nachbörslich um mehr als drei Prozent, nachdem sie kurz nach der Bekanntgabe der Zahlen noch auf den höchsten Stand seit rund einem Jahr geklettert war. Bis 23.30 Uhr sank der Aktienkurs um 3,32 Prozent auf 21,58 Dollar. Händler führten dies vor allem auf den Margenausblick zurück. Den regulären Handel hatte das Papier mit einem Aufschlag von 0,77 Prozent bei 22,30 Dollar beendet. Damit legte der Marktwert des zu den weltweit wichtigsten Technologiewerten gehörenden Unternehmens seit Anfang 2007 um zehn Prozent auf rund 127,6 Milliarden Dollar zu.

Quartalszahlen besser als erwartet

Zwischen Oktober und Dezember steigerte Intel Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorquartal stärker als erwartet. Der Überschuss sei im Vergleich zum Vorquartal um 15 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar geklettert. Je Aktie seien dies 26 (Vorquartal: 27) Cent gewesen. Vor Sonderposten sei der Gewinn je Aktie um elf Prozent auf 30 Cent geklettert. Von Thomson First Call befragte Experten hatten mit einem Gewinn je Aktie von 25 Cent gerechnet.

Der Umsatz legte im letzten Jahresabschnitt im Vergleich zum Vorquartal um elf Prozent auf 9,7 (Prognose: 9,45) Milliarden Dollar zu. Wegen der stark schwankenden Chippreise ist in der Halbleiterindustrie der Vergleich zum Vorquartal sinnvoller als derjenige zum Vorjahr. In der Halbleiterbranche tobt zurzeit ein starker Preiskampf. Anders als der Konkurrent AMD konnte Intel im vierten Quartal jedoch nicht nur die Auslieferungen steigern, sondern nach eigenen Angaben auch das durchschnittliche Preisniveau halten.

Quartalsausblick und Jahreszahlen

In den drei Monaten bis Ende März rechnet der Halbleiterhersteller mit einem im Vergleich zum vierten Quartal niedrigeren Umsatz sowie einer gleich bleibenden Marge. Der Umsatz werde im ersten Quartal zwischen 8,7 Milliarden Dollar und 9,3 Milliarden Dollar erwartet. Die Analysten erwarten derzeit im Durchschnitt einen Umsatz von 8,93 Milliarden Dollar. Bei der Bruttomarge erwartet Intel wie im vierten Quartal einen Wert um die Marke von 49 Prozent.

Im vergangenen Jahr fiel der Umsatz um neun Prozent auf 35,38 Milliarden Dollar, während der Gewinn um 42 Prozent auf 5,04 Milliarden Dollar einbrach. Bei beiden Werten hatten von Thomson Financial befragte Experten jedoch mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Die Bruttomarge sei von 59,4 Prozent in 2005 auf 51,5 Prozent gesunken. Intel will 2007 sowohl die Kosten für Forschung und Entwicklung als auch die Marketingkaufwendungen zurückfahren. Die Steuerquote dürfte in etwa weiter bei 30 Prozent liegen.

Intel-Konzernchef Paul Otellini konterte auf frühere Marktanteil-Verluste an AMD und den schlechteren Geschäftsgang mit der beschleunigten Einführung von Hochleistungschips sowie mit kräftigen Kostensenkungen und Personaleinsparungen. Intel hatte zum Jahresende nur noch 94.100 Beschäftigte gegenüber 102.500 im zweiten Quartal 2006. Intel will unter Ausklammerung von Restrukturierungskosten im laufenden Jahr Ausgaben- und Betriebskosten-Ersparnis von zwei Milliarden Dollar verbuchen.

Beteiligung an Click and Buy

Der US-Chiphersteller Intel steigt ferner bei der Firstgate Holding und deren Online-Bezahldienst Click and Buy ein. Das berichtet das Nachrichtenportal "Welt.de" am Mittwoch unter Berufung auf das Umfeld des Unternehmens. Intel tritt über seine Investmenttochter Intel Capital als Minderheitsaktionär neben dem T-Online Venture Fond und der Beteiligungsgesellschaft 3i auf. Hauptanteilseigner von Click and Buy bleiben zwei Schweizer Familien sowie Unternehmensgründer und Geschäftsführer Norbert Stangl.

Beide Unternehmen sehen den Schritt vor allem als strategische Partnerschaft. So ist Intel Capital weltweit an mehr als 100 Firmen im Hard- und Softwarebereich beteiligt. Dort will Click and Buy jetzt als Internet-Bezahlsystem zum Zuge kommen. Zudem plant Click and Buy, weltweit zu expandieren. Bislang ist das Unternehmen hauptsächlich in Europa und den USA aktiv. In diesem Jahr will der Bezahldienst auf den lateinamerikanischen und den asiatischen Markt vorstoßen.

Intel wiederum möchte mit dem Einstieg bei Click and Buy seinen Vertrieb stärken. So bietet der Chiphersteller über seine PC-Plattform "Viiv" seit einigen Monaten Filme und Musik von Partnerfirmen an. Um in diesem Segment stärker zu wachsen, benötigt der US-Konzern ein zuverlässiges Abrechnungssystem. "Click and Buy ist ein vertrauenswürdiges, sicheres und bequemes Bezahlsystem. Und es wird bald weltweit führend sein", heißt es bei Intel Capital.

In Deutschland konkurriert Click and Buy vor allem mit dem Ebay-Tochterunternehmen Paypal. Paypal habe weltweit mehr als 70 Millionen Kunden, in Deutschland seien es mehr als drei Millionen, schreibt "Welt.de". (dpa/tc)