Nächste Mobilfunk-Generation

Intel entwickelt 5G-Infrastruktur

Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
Zusammen mit Partnern will Intel die Entwicklung von 5G-Netzen maßgeblich vorantreiben. Im Zeitalter der "Internet der Dinge" braucht es neue Ansätze und Lösungen, wie Intel auf seinem Entwicklerforum erläutert.

Soll man im Kontext von Mobilfunk und Smartphones über Intel sprechen, so fallen spontane Äußerungen oft schwer. Zwar bietet Intel inzwischen durchaus konkurrenzfähige Chips für Smartphones an, primär ist hier aber von Qualcomm & Co. die Rede.

Für die Kommunikation der geschätzten 20 Milliarden Smart Devices im Jahr 2020 braucht es laut Intel eine intelligente 5G-Infrastruktur.
Für die Kommunikation der geschätzten 20 Milliarden Smart Devices im Jahr 2020 braucht es laut Intel eine intelligente 5G-Infrastruktur.
Foto: Intel

Genauso hat Intel längst 3G- und LTE-Modems im Angebot. Dennoch, als "großer Mobilfunk-Experte" wird Intel zumindest in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Allerdings ist der Hersteller in den Rechenzentren der großen Telekommunikationsunternehmen bereits gut im Geschäft. Unter anderem arbeiten Alcatel-Lucent, Ericsson, Huawei oder SK Telecom für ihre Cloud- und Netzwerk-Services eng mit Intel zusammen, um die Compute-Power der Xeon-Plattformen für die eigenen Cloud-, Netzwerk- und anderen Services zu optimieren.

Intel treibt 5G-Infrastruktur voran

Auf dem Intel Developer Forum diskutiert Intel mit Experten, wie mit 5G die nächste Generation der Mobilfunknetze neue Anwendungen ermöglicht und besser nutzbar macht. Das 5G-Netzwerk wird als wichtiger Grundstein für die reibungslose Kommunikation des Internets der Dinge gesehen. Für die Vernetzung von 50 Milliarden sogenannter Smart Devices bis 2020 müssen 5G-Netze sehr zuverlässig, mit hohen Transferraten und geringen Latenzzeiten arbeiten können. Beispielsweise würden Ausfälle bei der Steuerung von Robotern oder eine fehlende Konnektivität bei wichtigen Sensoren, die eine Krankheit überwachen, fatale Folgen haben. Auch bei Connected Cars und autonom fahrenden Automobilen sind die Latenzzeiten der 4G-Netze von rund 5 bis 20 ms deutlich zu hoch. Bei 5G soll diese auf unter 1 ms gedrückt werden, wie auf dem Entwicklerforum zu hören war.

Für die Beschleunigung der 5G-Entwicklung und dem Lösen von technischen Schlüsselherausforderungen arbeitet Intel unter anderem mit Telekommunikationsunternehmen, Service Providern und Universitäten zusammen. Die Expertise von Intel bei Rechenleistung, Netzwerk und Mobilfunk soll in Kombination mit den Partnern 5G-Lösungen mit Intelligenz über die komplette Infrastruktur ermöglichen.

Die Anforderungen an 5G werden im Jahr 2020 gewaltig.
Die Anforderungen an 5G werden im Jahr 2020 gewaltig.
Foto: Nokia

Eine intelligente Kommunikation muss dabei auch zwischen den Endgeräten gewährleistet sein, mit Priorisierung und Teilen von Ressourcen - je nach Wichtigkeit. Wie Intel angibt, sollen Netzwerke und Geräte ihre Verbindung künftig intelligenter managen, wenn Benutzer unterwegs sind und sich durch verschiedene Funkzellen bewegen.

5G-Allianzen sollen Vorsprung sichern

Die künftigen 5G-Netze werden Intel zufolge intelligent genug sein, um Technologien wie WiGig - der nächsten Generation von WLANs - für die eigenen Bedürfnisse einzubinden. Bei der gemeinsamen Entwicklung hebt Intel auf dem Entwicklerforum die Zusammenarbeit mit Nokia, NTT Docomo und SK Telecom hervor.

5G wird ein sehr großes Frequenzspektrum von 300 MHz bis hin zu 300 GHz flexibel nutzen dürfen.
5G wird ein sehr großes Frequenzspektrum von 300 MHz bis hin zu 300 GHz flexibel nutzen dürfen.
Foto: Huawei

So will Intel beispielsweise bei Nokias AirFrame Data Center Solution durch seine High-Performance-Prozessoren für eine flexiblere und leistungsfähigere Cloud-Architektur sorgen, die für das Management von 5G-Netzen notwendig ist. Mit NTT Docomo arbeitet Intel an der Entwicklung von 5G-Chipsätzen für tragbare Geräte zusammen. Und mit SK Telecom führt Intel beispielsweise die Entwicklung der "Anchor-Booster Cell" fort, einer Kerntechnologie von 5G. Hier lassen sich Mobilfunk und WLAN bei Bedarf in Kombination nutzen. Um die Entwicklung im Netzwerk-Segment generell voranzutreiben, hat Intel auf seinem Entwicklerforum auch das Programm "Intel Network Builders Accelerator" vorgestellt. Hier will Intel Innovationen durch die Zusammenarbeit und durch Investments in Netzwerk-Firmen fördern.

5G-Rennen längst eröffnet

Derzeit bilden sich verschiedene Allianzen bei der Entwicklung der 5G-Netze. Die sich engagierenden Unternehmen erhoffen sich damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei den ab 2020 erwarteten 5G-Netzen. Neben der Allianz von Intel mit den erwähnten Unternehmen gibt es beispielsweise das Horizon2020 Project, dem 18 Unternehmen und akademische Institute angehören - auch hier ist Intel tätig. Zu diesem Projekt zählt auch die 5G Public Private Partnership (5G-PPP), eine Initiative der EU und Industrievertretern. In Europa hat sich das 5G-NORMA-Projekt gebildet. In dem Konsortium aus 13 Partnern sind beispielsweise die Deutsche Telekom, Telefonica, Orange, Alcatel-Lucent und auch Nokia Networks vertreten.

Dass das Rennen um die 5G-Vorherrschaft längst eröffnet ist, zeigen auch bereits gemeldete Geschwindigkeitsrekorde aus frühen Testphasen. Nach den 5 Gbit/s von Ericsson ließ Samsung mit 7,5 Gbit/s aufhorchen. Unter Laborbedingungen wurden auch schon Rekordwerte von 1 Tbit/s gemeldet. Bei den aktuellen 4G-Netzen (LTE) ist meist bei 100 Mbit/s Schluss. Mit 5G sollen mindestens die 100-fachen Geschwindigkeiten möglich werden, allerdings kann sich während der Entwicklung noch einiges ändern - in beide Richtungen. (cvi)