Prognose bleibt

Infineon spürt im ersten Quartal Gegenwind

01.02.2012
Der Halbleiterhersteller Infineon hat im ersten Geschäftsquartal angesichts einer schwächeren Nachfrage vor allem im Industriegeschäft weniger Geld verdient. Dennoch sieht Konzernchef Peter Bauer den Dax-Konzern weiter auf einem guten Weg.
Infineon-Chef Peter Bauer
Infineon-Chef Peter Bauer
Foto: Infineon

"Infineon ist trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds weiterhin sehr profitabel", teilte Bauer am Mittwoch in München mit. Seine Prognose für das gesamte Jahr veränderte der Konzernchef nicht - zu unsicher seien nach wir vor die Aussichten für die Weltwirtschaft. Am Morgen legte die Aktie mehr als drei Prozent zu. Händler werteten die Zahlen als gemischt, wandten aber ein, dass der Umsatzrückgang bereits erwartet worden sei. Analysten von Cheuvreux sehen für das laufende zweite Quartal Chancen auf einen Wendepunkt.

Der Umsatz des Münchner Unternehmens sank in den drei Monaten seit Beginn des neuen Geschäftsjahres 2011/2012 im Oktober von 1,038 Milliarden Euro im Vorquartal leicht auf 946 Millionen Euro. Bei Halbleiterherstellern ist wegen der schwankenden Preise der Vergleich mit dem Vorquartal üblich. Das wichtige Segmentergebnis, das die betriebliche Entwicklung widerspiegeln soll, brach um 28 Prozent auf 141 Millionen Euro ein. Während Umsatz und das Segmentergebnis als operative Kenngröße weniger stark zurückgingen, als Analysten befürchtet hatten, blieb unter dem Strich weniger übrig als erhofft: Der Überschuss sank von 125 Millionen auf 96 Millionen Euro. Allerdings schlug hier auch ein Steuereffekt zu Buche und drückte den Gewinn.

Für das seit Januar laufende zweite Quartal erwartet Bauer ebenfalls einen gleichbleibenden oder leicht rückläufigen Umsatz. Infineon hatte nach dem vergangenen Rekordjahr bereits die Erwartungen gedämpft und mit Blick auf die trüberen Konjunkturaussichten und der ungelösten Eurokrise tiefgestapelt. Für das gesamte Jahr rechnet der Konzern seit November mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich und einer Marge im niedrigen bis mittleren Zehnerprozentbereich.

Infineon-Firmengelände ("Campeon") in Neubiberg bei München
Infineon-Firmengelände ("Campeon") in Neubiberg bei München
Foto: Infineon

Langfristig kalkuliert Infineon aber mit einem stark wachsenden Halbleitermarkt, für den der Konzern nach dem Umbau der vergangenen Jahre gut gerüstet sei. Vor allem die weiter guten Geschäfte mit der Autoindustrie machen Bauer froh. Hier bleibe die Zuversicht der Kunden groß. Allerdings sieht der Infineon-Chef auch in der Unterhaltungsbranche erste Tendenzen für eine Stabilisierung. Für die Chipkarten, wie sie etwa in Ausweisen stecken, rechnet Bauer mit einem unveränderten Umsatz. Im Industriegeschäft dürften die Erlöse weiter schmilzen. Große Hoffnung setzt der Konzern auf die langfristige Entwicklung. "In unseren Märkten für Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit will Infineon auch künftig profitabel wachsen", sagte Bauer.

Gerade die Halbleiterbranche spürt als Zulieferer für viele Industrien das wirtschaftliche Auf und Ab besonders früh und gilt deswegen auch als Gradmesser für die Wirtschaftsentwicklung. Bauer hatte den jahrelang kriselnden Konzern grundlegend umgebaut und kleiner gemacht, um Infineon von den branchentypischen starken Schwankungen unabhängiger zu machen.

Infineon hatte nach einer jahrelangen Durststrecke im Geschäftsjahr 2009/2010 erstmals wieder Gewinne geschrieben und das zweite Mal in seiner Geschichte überhaupt eine Dividende gezahlt. Der Konzern war 1999 aus dem Siemens-Konzern ausgegliedert worden. 2009 war das Unternehmen von der Pleite der Speicherchiptochter Qimonda beinahe mit in den Abgrund gerissen worden. Seither geht es bergauf. (dpa/tc)