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Infineon prüft bei Speicherchip-Abspaltung Alternativen zum Börsengang

28.11.2005
Der Chiphersteller Infineon prüft neben dem Börsengang weitere Optionen für die Ausgliederung seiner Speichersparte.

Zwar sei der Börsengang die bevorzugte Variante. Aber auch Kooperationen oder ein Aktiensplit kämen in Frage, sagte Vorstandschef Wolfgang Ziebart im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Ähnliches hatte er bereits der "Börsen-Zeitung" gesagt. In dem Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" kündigte er zudem an, mit dem Erlös aus der Abspaltung der Speicherchip-Sparte vor allem die verbleibenden Bereiche mit Zukäufen zu stärken. Dabei sei vor allem an einen Kauf im wichtigen japanischen Markt gedacht. Ziebart bevorzuge dabei Hersteller von so genannten Logikchips für die Automobil- und Industrielektronik.

Der Münchener Konzern hatte vor kurzem bekannt gegeben, sich von der stark von Marktschwankungen abhängigen Speicherchip-Produktion trennen zu wollen. Dabei strebt Ziebart einen Börsengang der Sparte an, wobei Infineon anfangs die Mehrheit an dem neuen Unternehmen halten wolle. Es sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen. Man rechnet mit etwa drei Monaten Vorlauf für einen Börsengang der Sparte.

Das Speichersegment erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 2004/05 (30. September) bei einem Umsatz von 2,83 (Vorjahr: 2,93) Milliarden Euro einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 122 (169) Millionen Euro. Damit steuerte die Speicherchipsarte knapp 42 Prozent zum Konzernumsatz bei. Gemessen am als operatives Ergebnis eingestuften EBIT war das Segment hinter der Sparte Automobil-, Industrieelektronik und Multimarket der zweitwichtigste Konzernbereich.

Der "SZ" sagte Ziebart, dass der Druck, die Fertigung aus Kostengründen auf Asien zu konzentrieren, anhalte. "Einige Produkte können wir nicht mehr an deutschen Standorten produzieren", sagte der Infineon-Chef. Der Korruptionsfall um Ex-Manager habe dem Konzern stark geschadet, kritisierte Ziebart. Einigen Führungskräften seien die Grenzen des eigenen Handelns verloren gegangen.

In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kündigte Ziebart zudem an, dass die zwei Verlustbringer im Geschäft mit seinen so genannten Logikchips in absehbarer Zeit wieder profitabel werden. "Bei den mobilen Plattformen für Handys wird es fünf bis sieben Quartale bis zum Break-even dauern", sagte er der "FAZ". Im Chipkartengeschäft werde hingegen schon im Schlussquartal des Kalenderjahres 2006 mit dem Erreichen der Gewinnzone gerechnet.

Bei den mobilen Plattformen leidet Infineon unter den Marktanteilsverlusten des wichtigen Kunden Siemens, sagte er der "FAZ". "Wir haben zwar von einer Reihe neuer Kunden Entwicklungsaufträge, erzielen deshalb aber natürlich noch keine nennenswerten Umsätze", so Ziebart.

Die so genannten Logikchips, die außer in der Kommunikation und den Chipkarten auch in der Automobil- und Industrieelektronik eingesetzt werden, sind nach der für 2006 vorgesehenen Ausgliederung der Speicherchipsparte das einzige Geschäftsfeld von Infineon. Im Bereich Kommunikation rutschte der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr operativ tiefer in die roten Zahlen, die den Chipkonzern in die Verlustzone drückten. (dpa/tc)