Montagsgerücht

Iliad sucht Investoren für höheres T-Mobile-US-Gebot

01.09.2014
Ins Ringen um die Zukunft der amerikanischen Telekom-Mobilfunktochter könnte Insidern zufolge bald erneut Bewegung kommen.

Der französische Internet- und Mobilfunkanbieter Iliad suche derzeit bei Investoren nach Hilfe für ein höheres Gebot für T-Mobile US, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am späten Sonntagabend unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Das von dem Milliardär Xavier Niel geführte Unternehmen habe sich dabei vor allem an auf Übernahmen spezialisierte Finanzinvestoren gewandt. Iliad wollte sich zu dem Bericht am Montagmorgen nicht äußern.

Ladengeschäft von T-Mobile US
Ladengeschäft von T-Mobile US
Foto: T-Mobile US

Die Gespräche könnten Fahrt aufnehmen, nachdem vergangene Woche durchgesickert war, dass die Telekom bei einer höheren Offerte verhandlungsbereit sein könnte. Dabei müsste Iliad aber mindestens 35 bis 40 Dollar je T-Mobile-US-Aktie auf den Tisch legen. Ende Juli hatte Iliad 15 Milliarden Dollar für 56,6 Prozent der Telekom-Tochter oder 33 Dollar je Aktie geboten. Telekom-Chef Tim Höttges hatte aber kurz darauf klargemacht, dass die Offerte für den viertgrößten landesweiten US-Mobilfunker zu niedrig sei. Die Bonner halten noch rund zwei Drittel an ihrer US-Mobilfunksparte.

Die Telekom sucht schon seit einiger Zeit nach einer Lösung für das US-Mobilfunkgeschäft. Der deutsche Konzern hatte zum Höhepunkt der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends den US-Mobilfunker Voicestream übernommen. Unter anderem wegen der daraus entstandenen hohen Schulden wollte die Telekom die US-Tochter 2011 an AT&T verkaufen. Dies scheiterte jedoch am Widerstand der Wettbewerbshüter in den USA.

Timotheus Höttges (auf der Telekom-Hauptversammlung 2014)
Timotheus Höttges (auf der Telekom-Hauptversammlung 2014)
Foto: Telekom

In der Folge fusionierte die Deutsche Telekom die inzwischen in T-Mobile US umbenannte Tochter mit MetroPCS und brachte einen Teil des Geschäfts an die Börse. Bevor Iliad Ende Juli überraschend in das Rennen um T-Mobile US eingestiegen war, galt der US-Mobilfunker Sprint als heißester Interessent für die Telekom-Tochter. Der seit einem Jahr mehrheitlich zum japanischen Softbank-Konzern gehörende Anbieter ist aber nach Bloomberg-Informationen wegen der hohen regulatorischen Hürden nicht mehr interessiert.

Telekom-Chef Höttges hatte Anfang August bei der Vorlage der Halbjahreszahlen nichts Konkretes zu Sprint und der Offerte gesagt, sich aber indirekt über das Vorgehen der Aufseher beschwert. Wenn die Regulierungsbehörden weiter vier Spieler auf dem Markt haben wollten, dann müssten die kleineren Anbieter eben anderweitig Vergünstigungen erhalten. Konkret forderte er Vorteile bei anstehenden Frequenzauktionen im kommenden Jahr.

Die Iliad-Offerte hatte er als zu niedrig zurückgewiesen. Der deutsche Konzern sei immer offen für wertsteigernde Offerten für die US-Sparte. "Aktuell liegt uns ein solches Angebot nicht vor", sagte Höttges. Dies könnte sich dem aktuellen Bloomberg-Bericht zufolge jetzt ändern - sofern Iliad Geld für eine höhere Offerte auftreibt. Zuletzt wurde auch immer wieder spekuliert, dass sich die Franzosen mit dem US-Satelliten-TV-Anbieter Dish zusammentun. Dessen Chef Charlie Ergen hat ein Auge auf die Mobilfunkbranche geworfen.

Bei der Suche nach einer Lösung für die lange Zeit ungeliebte US-Tochter steht Höttges nicht unter Zeitdruck. Das US-Geschäft läuft derzeit wie geschmiert und die Braut T-Mobile putzt sich immer feiner raus. Inzwischen trägt die radikale Neuaufstellung erste Früchte. So hielt im zweiten Quartal dank günstigerer Tarife der starke Kundenzustrom an, der Umsatz stieg und am Ende verdiente das Unternehmen auch wieder Geld. Allein im vergangenen Quartal kamen 1,5 Millionen Kunden hinzu. Damit erhöhte das Unternehmen seinen Bestand auf insgesamt 50,5 Millionen Kunden. (dpa/tc)