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Ungelöste Codec-Fragen

HTML 5 wird vorerst kein "Killer" für Flash und Silverlight

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Mit seinen Media-Tags für <video> und <audio> hätte das kommende HTML 5 theoretisch das Zeug dazu, proprietäre Multimedia-Software abzulösen.

Solche Plug-ins und Player liefern derzeit unter anderem Adobe ("Flash") und Microsoft ("Silverlight"). Diese sind insbesondere beliebt, um Video-Streams in Webseiten einzubetten, so wie dies beispielsweise die Google-Tochter YouTube praktiziert. HTML 5 soll es zukünftig ermöglichen, Audio- und Videoinhalte ohne Plug-in wiederzugeben; einige moderne Browser wie Firefox 3.5 beherrschen dies bereits mit dem quelloffenen Codec Ogg Theora.

Dummerweise konnten sich nun aber führende Browser-Anbieter - darunter Apple, Mozilla, Opera, Microsoft und auch Google - nicht auf einen gemeinsamen Satz von Codecs einigen, um diesen in die vorgeschlagene Spezifikation für HTML 5 festzuschreiben, wie der britische Branchendienst "The Register" berichtet. Ein einheitliches Medienerlebnis bleibt damit vorerst weiter Zukunftsmusik.

Bei dem Herstellerzwist standen dem Bericht zufolge Ogg Theora sowie H.264 im Mittelpunkt der Diskussionen. Theora ist quelloffen, aber möglicherweise dennoch von Patentklagen bedroht, und wird als noch nicht ausreichend stabil und performant erachtet, um beispielsweise das von YouTube ausgelieferte Volumen stemmen zu können. Für H.264 wiederum muss jeder Anbieter teure Lizenzen an die MPEG LA entrichten (was Apple für QuickTime und Microsoft bereits getan haben; der Redmonder Konzern implementiert H.264 erstmals in "Silverlight 3", das am kommenden Freitag veröffentlicht wird).

Unter dem Strich bleibt für die weltweite Internetgemeinde ein wenig Hoffnung, dass sich die Hersteller doch noch einigen können und die andernfalls trübe Aussicht, sich möglicherweise auch unter HTML 5 weiter mit proprietären Browser-Plug-ins und deren Problemen (Security, Abstürze, Plattformunterstützung etc.) herumschlagen zu müssen.

Unterdessen hat das für wichtige Standards im Web zuständige World Wide Web Consortium (W3C) entschieden, die Weiterentwicklung von XHTML 2 zu Ende dieses Jahres einzustellen und alle Ressourcen auf HTML 5 zu konzentrieren. Eine Serialisierung von XML wird allerdings in HTML 5 einfließen und auch XML-Namespaces unterstützen. Interessierte Entwickler sollten unbedingt einen Blick auf die neuen W3C-FAQ zur Zukunft von XHMTL werfen.