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HPs e3000-Kunden wollen für ihre Plattform kämpfen

06.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Anwender von Hewlett-Packards "e3000"-Servern fordern eine Entscheidung, was mit dem Betriebssystem MPE geschehen soll. Die HP-Verantwortlichen hatten im November 2001 das Ende der seit 1972 existierenden Plattform beschlossen. Bis 2003 wurde die Hardware weiterentwickelt und verkauft. Das Betriebssystem soll bis Ende 2006 unterstützt werden. Ab 2007 sind die Anwender jedoch auf sich allein gestellt.

Viele Nutzer, die auf die Stabilität und Zuverlässigkeit der Systeme pochen, wollen sich damit jedoch nicht abfinden. Bereits kurz nachdem HP das Ende der proprietären Mini-Computer angekündigt hatte, formierte sich mit OpenMPE Inc. eine Anwendergruppe mit dem Ziel, HP dazu zu bringen, den Code des Betriebssystems unter einer Open-Source-Lizenz frei zugänglich zu machen. Damit sollte Support sowie die Verfügbarkeit von Patches über das Jahr 2006 hinaus sichergestellt werden.

Derzeit steckt diese Initiative jedoch in einer Sackgasse. Die HP-Verantwortlichen haben sich bislang nicht entschieden, was mit dem MPE-Code geschehen soll. Die von OpenMPE angestrebte Lösung sei nicht die einzige Option, ließ David Wilde, e3000-Business-Manager von HP, durchblicken. Es sei genauso vorstellbar, den Code anderen Gruppen oder Organisationen zur Verfügung zu stellen. Wann eine endgültige Entscheidung fallen wird, steht nicht fest. HP hat lediglich zugesagt, noch im Laufe dieses Jahres Klarheit zu schaffen.

Bis dahin tun sich die OpenMPE-Betreiber jedoch schwer, Unterstützer für ihr Projekt zu gewinnen. Die Gruppe rechnet für das erste Jahr mit Kosten von rund 1,5 Millionen Dollar, um den Support für das System aufrecht zu erhalten. In den Folgejahren soll sich der Aufwand auf jeweils eine Million Dollar pro Jahr belaufen. Solange HP jedoch die Entscheidung zu MPE hinauszögere, könne man schwerlich zu den Nutzern gehen und Supportgebühren einfordern, klagen die OpenMPE-Verantwortlichen.

Birket Foster, President von OpenMPE, geht davon aus, dass rund 2000 Unternehmen die Plattform auch nach 2006 nutzen werden. Die Gründe dafür seien vielfältig. Teilweise steckten die Anwender noch in der Migrationsphase, die sich über mehrere Jahre hinweg ziehen könne. Andere Firmen seien nicht in der Lage, alle Daten von den e3000-Systemen auf eine neue Plattform zu migieren, müssten diese aber aufgrund gesetzlicher Vorgaben weiter vorhalten können.

HP betreibe eine Hinhaltetaktik, um die e3000-Nutzer zum Umstieg auf eine moderne HP-Plattform wie die HP-9000-Systeme unter dem Unix-Derivat HP-UX zu bewegen, monieren zahlreiche Anwender. Teilweise mit Erfolg. Man könne nicht ewig warten, bis sich HP zu einer Entscheidung durchringe, beschreibt Rex Dickey, IT-Leiter von Columbia Steels, seine Situation. Er habe den Eindruck, dass die HP-Verantwortlichen Zeit schinden wollten, bis sich möglichst viele Nutzer von ihren e3000-Maschinen verabschiedet hätten. Das hat Terry Simpkins, IT-Manager des Sensorspezialisten Measurement Spezialist Inc., vorerst nicht geplant. Er will sein e3000-System noch mindestens fünf weitere Jahre nutzen. Das Unternehmen betreibt damit eine speziell für die Plattform geschriebene ERP-Anwendung von SSA Global Technologies.

Währenddessen schließt HP allmählich die Türen hinter seiner altgedienten Server-Plattform. Vom Hersteller zertifizierte MPE-Systemadministratoren bekamen mitgeteilt, ihr Zertifikat werde nicht länger anerkannt. Support-Seiten im Netz, auf denen Informationen und Material zur e3000-Plattform hinterlegt sind, wurden für deren Zugriff gesperrt. Dieses Vorgehen sorgte für Ärger unter den MPE-Experten. Paul Edwards, Berater aus Texas, über diese Praxis: "Das ist, als ob eine Universität ihren Absolventen mitteilt, deren Abschlüsse seien mit einem Mal nicht mehr gültig." (ba)