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HP kann die Erwartungen nicht erfüllen

20.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Computerkonzern Hewlett-Packard schrieb im dritten Geschäftsquartal 2003 (Ende: 31. Juli) zwar schwarze Zahlen, erfüllte jedoch nicht die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Analysten. Als Resultat sank der Kurs der HP-Aktie am Dienstag im nachbörslichen Handel um fast zehn Prozent. Das Unternehmen will nun die Kosten weiter senken . Finanzchef Bob Wayman kündigte weitere Stellenstreichungen an.

HP erzielte in den Monate Mai, Juni und Juli einen Nettogewinn von 297 Millionen oder zehn Cent pro Aktie. Im Vorjahreszeitraum hatten umfangreiche Sonderbelastungen durch die Fusion mit Compaq noch zu einem Verlust in Höhe von 2,03 Milliarden Dollar oder 67 Cent je Anteil geführt. Ohne die im aktuellen Berichtsquartal aufgetretenen Einmaleffekte von 403 Millionen Dollar hätte das im kalifornischen Palo Alto ansässige Unternehmen einen (Pro-forma-) Profit von 858 Millionen Dollar oder 23 Cent pro Aktie geschrieben. Die Analysten hatten jedoch laut Umfrage von Thomson First Call im Schnitt mit einem Pro-forma-Gewinn von 26 Cent je Anteil gerechnet.

HPs Einnahmen kletterten im Jahresvergleich um knapp fünf Prozent von 16,54 Milliarden auf 17,35 Milliarden Dollar. Die Finanzexperten der Wallstreet hatten sich auch hier mehr versprochen, nämlich im Mittel einen Umsatz von 17,46 Milliarden Dollar. Gegenüber dem vorangegangenen zweiten Fiskalquartal gingen die Erlöse um vier Prozent zurück.

Das dritte Geschäftsquartal sei generell schwierig, aber man hätte einiges besser machen können, räumte Konzernchefin Carly Fiorina ein. Im Detail verwies sie dabei auf die PC-Sparte Personal Systems, wo wieder ein Betriebsverlust auftrat. Ursache waren die schwachen US-Absatzzahlen bei Desktop-PCs, zudem hatte HP "übertrieben aggressive" Preissenkungen vorgenommen, um dem Konkurrenten Dell Paroli zu bieten. HP konnte das Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar von 140 Millionen auf 56 Millionen Dollar senken, im zweiten Quartal hatte der Konzern jedoch noch einen operativen Profit von 21 Millionen Dollar erzielt. Der Umsatz des Bereichs kletterte im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 4,97 Milliarden Dollar, das entspricht einem sequenziellen Rückgang um drei Prozent.

HPs Sparte Enterprise-Computing, die Server, Software und Speichersysteme anbietet, weitete den Betriebsverlust gegenüber dem vorangegangenen Quartal von sieben Millionen auf 70 Millionen Dollar aus. Im Vorjahreszeitraum hatte das Defizit allerdings noch 322 Millionen Dollar betragen. Der Umsatz lag hier mit 3,71 Milliarden Dollar in etwa auf Vorjahresniveau, gab aber gegenüber dem zweiten Quartal 2003 um vier Prozent nach. Ein Lichtblick war dabei jedoch die relativ starke Nachfrage nach HPs Unix-Serverlinie Superdome, während die Verkaufszahlen der Midrange- und Low-end-Unix-Systeme enttäuschten.

Zufrieden äußerte sich das Management dagegen mit dem Abschneiden der Servicesparte. Dabei legten die Erlöse aus Managed-Services im Jahresvergleich um 21 Prozent zu, im Beratungsgeschäft wurde allerdings laut CFO Wayman kein Geld verdient. Die von der Compaq-Fusion nicht betroffene Druckersparte steigerte ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 5,24 Milliarden Dollar. Dabei sank die operative Marge von 17,9 auf 14,1 Prozent, der Betriebsgewinn ging von 981 Millionen auf 739 Millionen Dollar zurück.

Für das laufenden vierte Geschäftsquartal versprach Fiorina, dass alle Konzernsparten wieder schwarze Zahlen schreiben werden. Wayman erwartet einen Umsatz zwischen 18,8 Milliarden und 19,1 Milliarden Dollar, bei einem operativen Gewinn zwischen 34 Cent und 36 Cent pro Aktie. Gleichzeitig kündigte der Finanzchef an, statt der ursprünglich geplanten 3500 nun 4800 Stellen zu streichen. Zusätzlich plane der Konzern die Auslagerung weiterer Aktivitäten in Billiglohnländer wie Indien, China, Polen, Costa Rica oder die Philippinen zu verlagern. Seit der Fusion mit Compaq im Mai vergangenen Jahres hat HP inzwischen über 16.000 Arbeitsplätze gestrichen. (mb)