Standortschließung Rüsselsheim

HP-Geschäftsführung erhält "Goldene Zitrone"

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Die gewerkschaftsnahe "Kollegen-Community HPler.de" weist darauf hin, dass den deutschen Geschäftsführern von Hewlett-Packard - Volker Smid, Michael Eberhardt und Ernst Reichart - die "Goldene Zitrone" für "besonders schlechte Managementleistungen" im Zuge der Standortschließung Rüsselsheim verliehen worden ist.
Ob sich Volker Smid diese Urkunde wohl im Büro aufhängt?
Ob sich Volker Smid diese Urkunde wohl im Büro aufhängt?
Foto: HPler.de

Trotz der prekären Lage der HP-Mitarbeiter in Rüsselsheim hat Jürgen Werner, Betriebsrat des befreundeten Stuttgarter Autobauers Daimler, den Humor nicht verloren: Er stellte den drei deutschen Geschäftsführern jeweils eine Urkunde über eine "Goldene Zitrone" aus. Er kritisiert damit auf ironische Weise die Schließung des HP-Standorts Rüsselsheim. Angesichts der wirtschaftlich nicht bestehenden Notwendigkeit der Schließung und dem dadurch drohenden Arbeitsplatzverlust von rund 1100 teils hoch qualifizierter IT-Spezialisten, habe sich das Management diese "Auszeichnung" verdient, begründet Werner die Wahl. Er sammelte im Rahmen der letzten IG-Metall-Delegiertenversammlung Unterschriften, stellte Anschreiben, Urkunden und Unterzeichnerliste aus und sandte diese nach Rüsselsheim. Die erfreuten HP-Mitarbeiter stellten die Aktion sogleich in ihre Online-Community ein.

"Unabhängig von einer juristischen Bewertung halte ich es moralisch für höchst verwerflich, die ganze Belegschaft eines Standortes, der keine roten Zahlen schreibt, auf Kosten der Steuerzahler zu entsorgen. Bedenkt man zudem, dass HP diese Mitarbeiter ja erst 2008 übernommen hat, so zeigt sich hier eine ganz besonders schlechte Managementleistung, die nach meiner Meinung klar benannt werden muss", schreibt Werner auf "HPler.de". Auch die Art und Weise, wie die Schließung verkündet wurde, sorgt für Unmut: Diese erfolgte demnach mitten hinein in Forderungen des HP-Managements an den Betriebsrat, eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit" zwischen Arbeitgeber und -nehmervertretern anzustreben.

Dass außer den Mitarbeitern auch die Preisträger selbst die Auszeichnung zu würdigen wissen, darf bezweifelt werden. Zumindest die Aufforderung dazu ergeht seitens Werner aber unmissverständlich: "Für diese besonders schlechte Managementleistung verleihen Ihnen die Unterzeichner beiliegender Urkunde die "goldene Zitrone". Eine Liste mit Namen prominenter Unterzeichner füge ich bei. Das Original geht Ihnen in den nächsten Tagen per Post zu. Bitte hängen Sie es in Ihrem Büro auf."