"High-Tech-Fonds" für Firmengründer

29.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Junge Technologiefirmen können sich wieder Hoffnung auf dringend benötigte Kapitalspritzen machen. Bundesregierung, führende Industrieunternehmen und die staatliche KfW Bankengruppe haben heute den "High-Tech-Gründerfonds" gestartet. 262 Millionen Euro - überwiegend aus der Staatskasse - sollen in den nächsten fünf Jahren fließen, um bis zu 300 Technologiefirmen in der Startphase zu helfen und lohnenden Erfindungen zur Marktreife zu verhelfen. Nach jahrelanger Flaute steht innovativen Unternehmen damit künftig mehr Wagniskapital zur Verfügung, um fit für den Markt zu werden.

Die Zeiten der Internet-Euphorie, als sich nahezu jede Neugründung mit einem ".com" im Firmennamen die Geldgeber aussuchen konnte, sindlängst vorbei. Viele Wagniskapitalgeber hatten sich in den Boomjahren der "New Economy" die Finger verbrannt. Seither ist Risikokapital Mangelware in Deutschland, das im Gegensatz zu angelsächsischen Märkten in diesem Segment ohnehin als "Schwellenland" gilt.

Vor allem bei der Finanzierung von Gründungsfirmen oder noch nicht etablierten Geschäftsmodellen fehlt es an frischem Geld. Der Markt dafür ist ausgetrocknet, auch wenn es zuletzt Lichtblicke gab. Nach Angaben des Bundesverbandes der Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) erreichte das Volumen von Frühphasenfinanzierungen im ersten Halbjahr 2005 immerhin 79,8 Millionen Euro. Ein "zartes Pflänzchen", wie selbst der BVK meinte.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) kritisierte beim Start des neuen Fonds, dass sich Banken und Risikokapitalgeber aus diesem Segment fast komplett zurückgezogen hätten. Bei der Finanzierung von Ideen noch vor der Firmengründung (Seed-Kapital) wurden im ersten Halbjahr 2005 laut BVK nur sechs angehende Unternehmen mit 2,55 Millionen Euro versorgt. Die Wagniskapitalbranche hat den neuen Fonds Clement zufolge daher begrüßt. Schon jetzt lägen 100 Anträge vor.

Fonds-Zielgruppe sind Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen und Hochschulen oder junge, forschungsorientierte Firmen, die nicht älter als ein Jahr sein dürfen. Sie können in der ersten Runde jeweils bis zu 500.000 Euro erhalten, bei einer Anschlussfinanzierung weitere 500.000 Euro. Hinzu kommt die Betreuung der Neu-Manager. Die Gelder werden aus Eigenkapital und Nachrangdarlehen zu günstigen Konditionen bereitgestellt. Gründer westdeutscher Firmen müssen 20 Prozent als Eigenkapital beisteuern, Start-up-Firmen in Ostdeutschland und Berlin zehn Prozent. Clement: "Wir erwarten, dass sie mit diesen Mitteln die ersten ein bis zwei Jahre ihrer Existenz bestreiten."

240 Millionen Euro steuert der Bund zu dem Gründerfonds bei, der im April von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) als Kernstück seiner Innovationsoffensive angekündigt worden war. Elf Millionen Euro kommen von der KfW, die sich nach den Worten von Vorstandssprecher Hans Reich nicht auf die Rolle des reinen Investors beschränkt. Weitere Investoren sind BASF, Deutsche Telekom und Siemens, die sich zusammen mit elf Millionen Euro beteiligen. Die Bundesregierung hofft immer noch auf mehr Privatinvestoren. Die drei Konzerne allerdings verwiesen auch auf die eigenen Aktivitäten in diesem Bereich. (dpa/tc)

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