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Heute kommt Nokias Antwort auf das iPhone

29.08.2007
Von Olli-Pekka Kallasvuo, CEO des finnischen Handyherstellers Nokia, wird heute erwartet, dass er auf einer Veranstaltung in London Details über einen weltweiten Musikservice á la iTunes und über das neue Multimedia-Handy N81 verrät.

Für Nokia ist das Angebot von Services ein schwieriges Geschäft (siehe: Nokia startet Musikshop). Der weltgrößte Handyhersteller wildert mit solchen Maßnahmen im Revier der Mobilfunk-Carrier, auf deren Gunst die Finnen eigentlich angewiesen sind. Doch Nokia sucht neue Geschäftsfelder und hatte im Juni angekündigt, den Servicebereich zu einer von drei tragenden Säulen auszubauen. Schon 1998 war das Unternehmen mit der Gründung des "Club Nokia" in diese Richtung gegangen und hatte begonnen, Spiele, Klingeltöne und andere Dienste zu offerieren. Weil aber die großen Mobilfunk-Provider wie Vodafone selbst an Musik- und Unterhaltungsdiensten verdienen wollten, musste Nokia sein Angebot auf Sparflamme kochen.

Im Internet kursieren nicht offizielle und schlecht aufgelöste Bilder wie dieses vom neuen "iPhone-Killer" N81
Im Internet kursieren nicht offizielle und schlecht aufgelöste Bilder wie dieses vom neuen "iPhone-Killer" N81

Sollten die TK-Gesellschaften auch das vermutlich heute als Alternative zu Apples "iPhone" angekündigte Handset "N81" meiden, könnten die Bemühungen des Handybauers, mit Services zum Erfolg zu kommen, schon im Keim erstickt werden (siehe auch N81: Musikalisches Schwergewicht mit viel Speicher). Nokia behauptet allerdings laut einem Bericht der britischen "Financial Times", man habe bereits viel versprechende Gespräche mit den Mobilfunkern geführt. Das Nokia-Management sei zuversichtlich, sich mit ihnen zu einigen. Außerdem hatte ja das Beispiel Apple gezeigt, dass die Netzbetreiber an der Vermarktung attraktiver Endgeräte ausgesprochen interessiert sind und deren Hersteller sogar am Umsatz beteiligen. Immerhin kann die Nachfrage nach solchen Verkaufsschlagern im großen Stil zu neuen Mobilfunkverträgen mit Endkunden führen.

Erste Marktbeobachter erkennen bereits Indizien dafür, dass Online-Services grundsätzlich vom Netzbetreiber zu den Geräteherstellern wandern könnten. "Es ist deutlich geworden, dass Mobilfunkanbieter nicht die besten Ideen für Services haben", stellt Richard Windsor, TK-Analyst bei Nomura, im Gespräch mit dem englischen Wirtschaftsblatt fest. "Sie haben keine loyalen Kunden und keine Marken-Power. Deshalb mussten sie so große Zugeständnisse an Apple machen", sagt Windsor.

Nokias Musik-Site soll auf Loudeye basieren, dem Dienst einer amerikanischen Musikfirma, die Nokia im letzten Jahr für 60 Millionen Dollar übernommen hatte. Loudeye verfügt über eine Musikbibliothek mit mehr als 1,6 Millionen Stücken. Apples-iTunes-Dienst kann dagegen mit knapp fünf Millionen und Napster mit mehr als drei Millionen Songs aufwarten. Seit vergangenem Herbst experimentiert Nokia bereits auf kleiner Flamme mit mobilen Musik-Services. Damals hatten die Finnen eine Site mit dem Namen "Music Recommenders" eröffnet.

Nokia dürfte neben seinem Musikdienst in Kürze auch weitere Services herausbringen. Vergangenen Monat hatten die Skandinavier mit Twango eine Social-Networking-Site für eine nicht bekannte Summe gekauft. Mit "Mosh" eröffnete das Unternehmen außerdem vor wenigen Wochen eine Content-Sharing-Site für Handynutzer. Ferner wurde eine Reihe von Deals angekündigt, um neue Games für den mobilen Spiele-Service N-Gage herauszubringen.

Nokia steht mit seiner heutigen Ankündigung keineswegs allein da. Rivale Sony-Ericsson, der im letzten Jahr immerhin 60 Millionen Musik-fähige Handys verkauft hat, kündigte schon im vergangenen Jahr M-Buzz an – einen Dienst, der junge Künstler vom Label Sony-BMG protegiert. CEO Miles Flint hatte bereits angedeutet, dass von Sony-Ericsson noch einiges an Diensten zu erwarten sei.

Analysten halten den Weg der Handybauer in den Servicemarkt für unausweichlich. Der Hardwaremarkt nähere sich der Sättigungsgrenze, die Umsätze begännen zu fallen. Ein Einstieg in das neue Segment könne sich auf Dauer auszahlen – wenngleich es schwierig werde, im Revier der etablierten Internet-Companies zu wildern. (hv)