OneDashboard

Henkel migriert 60 BI-Systeme auf ein Framework

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Der Konsumgüterkonzern hat 60 Business-Intelligence-Anwendungen auf eine Plattform gebracht. Darüber lassen sich auch Projekte organisieren.
"Wir waren uns nicht sicher, ob das Projekt ein Erfolg wird oder ein Rohrkrepierer", gesteht Henkels BI-Stratege Thomas Zeutschler.
"Wir waren uns nicht sicher, ob das Projekt ein Erfolg wird oder ein Rohrkrepierer", gesteht Henkels BI-Stratege Thomas Zeutschler.
Foto: Henkel

Mut und emotionale Ansprache können zum Erfolg eines IT-Projektes beitragen. Davon zu berichten weiß Thomas Zeutschler, zuständig für die Business-Intelligence-Strategie und -Architektur bei Henkel. Der Konzern aus Düsseldorf hat im April 2015 nach anderthalb Jahren ein zentrales Projekt abgeschlossen. 60 Business-Intelligence-Anwendungen (BI) wurden in dieser Zeitspanne auf einen BI-Framework migriert, der aus gutem Grund den Namen OneDashboard erhalten hat. Als One Stop Shop verbindet der in einer Sharepoint-Umgebung entstandene Framework BI und geschäftlichen Content und wird von mehr als 7000 Mitarbeitern genutzt.

Fliegende Kacheln kommen cool

Diese haben die neue Lösung auch wegen ihres Oberflächen-Designs gut angenommen. "Die Kacheln fliegen, das finden alle cool", sagt Zeutschler. Jetzt profitiere man als Anwender-Unternehmen auch davon, Risiken nicht gescheut zu haben. "Wir waren uns nicht sicher, ob das Projekt ein Erfolg wird oder ein Rohrkrepierer", so Zeutschler. "OneDashboard ist viel schneller ein durchschlagender Erfolg geworden als wir uns das je vorgestellt haben."

Office 365 und Sharepoint

Ziel des Projekts war ein höherer Standardisierungsgrad im Reporting, die Basis sollte webbasiert sein. Da man bei Henkel die Collaboration-Baustelle sowieso gerade mit Office 365 und einer Sharepoint-Lösung in der Cloud zugemacht hatte, sollte auch die einheitliche BI-Plattform mit Microsoft Sharepoint 2013 arbeiten. Die Berichte unterhalb der Oberfläche werden mit dem Tool cMORE von pmOne erstellt. Dieses Werkzeug sei technologisch sehr nahe an der Microsoft-Plattform, in notwendigem Maße flexibel und füge sich wunderbar in SharePoint ein, so Zeutschler.

Als IT-Dienstleister war pmOne neben der Henkel-IT auch verantwortlich für die Entwicklung der neuen Lösung. Ein Projektteam aus drei Henkel-Mitarbeitern und drei pmOne-Experten erstellte binnen eines Monats den Prototypen und brachte die Lösung anschließend zum gewünschten Reifegrad.

"Für die Endanwender ist alles viel performanter und schneller, weil mit der Webtechnologie nur noch HTML übertragen wird und keine Datenbankinhalte", führt Zeutschler weiter aus. Gleichzeitig sei das Reporting harmonisiert worden: "Auch das hat dazu beigetragen, dass alles lesbarer wird." Ein entscheidender Unterschied zur Vergangenheit, die von diversen BI-Anwendungen für spezielle Fragestellungen und mangelhafter Performance des Reportings geprägt war.

Excel-Leidenszeit beendet

"Wenn der Anwender sich bei einem sehr großen Cube anmeldete, und wir haben bei Henkel nur sehr große Cubes, wurden erst alle Dimensionen und Attribute auf den PC des Anwenders geschaufelt", erinnert sich Zeutschler. "Was in Düsseldorf in zehn Sekunden erledigt war, dauerte in Australien drei oder fünf Minuten. Das war einfach zu lange." Frust und Unzufriedenheit herrschten sowohl bei den Usern als auch in der Firmenzentrale, zumal man ebenfalls unter einer fragilen Excel-Umgebung litt.

Diese unschönen Gefühlslagen sind längst passé - zumal OneDashboard nicht nur die zentrale Plattform für BI ist. Es lassen sich damit Projekte organisieren, es können Dokumente geteilt oder Listen gepflegt werden. Daher hat sich die Abgrenzung von Business-Intelligence-Inhalten zu weiteren Informationen, die zur Unternehmens- oder Projektsteuerung benötigt werden, beim Kosmetik- und Waschmittelhersteller allmählich verflüchtigt.

Drei Faktoren machen den Erfolg des Projektes aus Sicht des Anwenders aus. "Erster Punkt ist der hohe Integrationsgrad, also die Anwendung einer einzigen Technologie für alle Anwendungsfälle, zweitens das einheitliches Look and Feel und drittens für den User der eine Zugriffspunkt, wo er alles findet, was für ihn relevant ist", sagt Zeutschler. "Es gibt einen Sales Report und ein Protokoll des letzten Meetings in der gleichen Anwendung."

Fachbereiche verwalten Applikationen selbst

Ein Großteil der Applikationen wird von den Fachbereichen selber verwaltet. Diese können sowohl mit cMORE Berichte erzeugen als auch in Sharepoint Kacheln anlegen. Es gibt so gut wie keine Beteiligung der IT mehr, was laut Zeutschler zur Agilität beigetragen hat. Jedoch sind es bei Henkel jetzt Governance-Prozesse zur Weiterentwicklung von OneDashboard vorhanden - unter anderem durch ein wöchentliches Meeting mit Key Usern aus allen Unternehmensbereichen, die sich über die Nutzung der Plattform austauschen sowie Neuerungen und etwaige Änderungsbedarfe diskutieren.

Der Prozess für die Erstellung neuer Business-Intelligence-Applikationen ist inzwischen automatisiert. Ein Großteil der Berichte wird mittlerweile im SharedService Center erstellt. Dorthin wurde das Know-how aus der Zentrale transferiert, so dass im Schnitt die Erstellung eines Reports einen Tag dauert. Auch an diesem "Shared Service Center Enablement" war pmOne maßgeblich beteiligt.

Henkel | Business Intelligence
Branche: Chemie
Zeitrahmen: anderthalb Jahre bis April 2015
Mitarbeiter: 3 Henkel-Mitarbeiter, 3 pmOne-Mitarbeiter
Produkt: OneDashboard
Dienstleister: pmOne
Internet: www.henkel.com