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Hedge Funds: Unternehmen häufig ausgeliefert

22.02.2008
Von pte pte
"Börsennotierte Aktiengesellschaften müssen stets darauf vorbereitet sein, dass aus passiven Aktionären plötzlich aktive Verwalter werden, die sich untereinander austauschen und mit aller Macht versuchen, die strategische Ausrichtung des Unternehmens zu verändern." Zu diesem Fazit gelangte Alexander Engelhardt, Managing Director der Beratungsgesellschaft Citigate Dewe Rogerson Frankfurt http://www.citigatedr.de , im Rahmen einer Veranstaltung des Cercle Investor Relations Austria http://www.cira.at . Der Experte weist im Gespräch mit pressetext darauf hin, dass sogenannte "Activist Investors" zumeist in Gestalt von Hedge Funds, Investmentbanken oder Family Offices streng opportunistisch handeln. Dabei werden Effizienzlücken aufgestöbert und geschickt Allianzen unter den Aktionären geschmiedet, um mit einer kritischen Masse das Management zu maximalem Profit zu zwingen.

"Solche aggressiv agierenden Aktivisten streben in erster Linie nach einer Strategieänderung. Dazu gehört oft, dass das Management dazu gebracht werden soll, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und nicht primär relevante Geschäftsfelder abzustoßen. Die daraus entstehen Veräußerungserlöse sollen vielmehr an die Anleger ausbezahlt werden", sagt der Insider. Auch sei die erzwungene Erhöhung des Verschuldungsgrades ein übliches Mittel, für die Anleger höhere Dividendenausschüttungen zu erwirken. Um diese Macht über Vorstand und Aufsichtsrat zu besitzen, bedarf es zuerst jedoch des Aufbaus einer kritischen Masse. Dazu bedienen sich "Heuschrecken" anfänglich der Strategie des sogenannten "Wake-up Letters", in dem der Führungsstil des Managements auf ganzer Linie abgelehnt wird.

"Vor diesem Hintergrund ist es für ein börsennotiertes Unternehmen von Beginn an wichtig, sich generell proaktiv mit Hedge Fonds oder unzufriedenen Aktionären auseinanderzusetzen, um gar nicht erst eine Schockstarre entstehen zu lassen. Ist diese einmal eingetreten, gibt es gegen den Angreifer fast keine reelle Chance mehr", unterstreicht Dominic Koefner, Leiter Unternehmenskommunikation der Metis Group Wien, auf Nachfrage von pressetext. Laut dem ehemaligen Berater seien Activist Investors international hochgradig kampferprobt und "machen unerfahrene Unternehmen platt". So sei es auch gang und gäbe, wenn Heuschrecken internationale Wirtschaftsdetekteien mit Bespitzelungen von Vorständen in Aufzügen, bei Conference Calls oder mit psychologischen Gutachten über Entscheidungsträger beauftragen.

Um zu verhindern, dass Hedge Fonds auf diese Weise innerhalb von nur wenigen Wochen einen Kursanstieg bewirken, worauf Aktionäre ihre Aktien verkaufen und die Heuschrecken ihren Einfluss auf bis zu 50 Prozent im Aktionariat ausbauen, dürfen im Vorhinein keine Effizienzlücken eröffnet werden, unterstreicht Engelhardt. Das heißt, dass hohe Barmittel ohne risikoadäquaten Verwendungszweck nicht angehäuft werden sollten. Ebenfalls raten die Finanzexperten dazu, dass keine wertvernichtenden oder nicht erklärbaren Akquisitionen durchgeführt werden. Auch sei ein Aktienrückkauf nur dann sinnvoll, wenn dieser nicht zum Nachteil der bestehenden Aktionäre erfolge. Vor diesem Hintergrund sollten die Forderungen der Aktionäre ernst genommen, begründete Wünsche zeitnah erfüllt sowie unbegründete Bitten vom Management abgelehnt werden. "In einem volatilen Marktumfeld wie diesem sind die Kriegskassen der Hedge Funds prall gefüllt, Unternehmen sollten daher vorbereitet sein", so Koefner abschließend. (pte)