Innenstadt gegen Internet

Handel: Was tun gegen Amazon & Co.?

16.02.2016
Der Siegeszug des Online-Handels wird zur Bedrohung für immer mehr traditionelle Geschäfte - insbesondere in kleineren Städten. Viele Gemeinden wollen dem drohenden Ladensterben nicht mehr tatenlos zusehen und ergreifen eigene Maßnahmen.

Der Online-Handel boomt und die Einkaufsstraßen - vor allem in kleinen und mittleren Städten - leiden darunter. Denn immer weniger Kunden machen sich noch auf den Weg in die Innenstädte. Bei einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Textilwirtschaft (BTE) im mittelständische Modefachhandel bezeichneten 69 Prozent der befragten Händler die rückläufige Kundenfrequenz als ihre größte Sorge. Die Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" warnt vor dem "Horrorszenario Geisterstadt" und nach einer Schätzung des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln droht rund 45.000 Sportartikelhändlern, Spielwarenläden, Boutiquen und Elektronikgeschäften in Deutschland bis zum Jahr 2020 das Aus.

Gehören Bilder wie dieses bald der Vergangenheit an? Kommunen versuchen sich mit eigenen Online-Konzepten gegen Amazon & Co. zu stemmen.
Gehören Bilder wie dieses bald der Vergangenheit an? Kommunen versuchen sich mit eigenen Online-Konzepten gegen Amazon & Co. zu stemmen.
Foto: Beketoff Photography - shutterstock.com

Online-Konzepte im Kampf gegen Online-Händler

Doch immer mehr Kommunen versuchen, sich gegen das allmähliche Sterben ihrer Innenstädte zu wehren und das Internet "mit seinen eigenen Waffen zu schlagen". Vorreiter war Wuppertal, das den lokalen Händlern mit dem Projekt "onlineCity Wuppertal" (OCW) schon seit 2014 die Möglichkeit bietet, mit einem gemeinsamen Internetauftritt um Kunden zu werben. Es ist eine Art lokale Einkaufsstraße im World Wide Web, die Amazon und Co. die Stirn bieten soll. Und Wuppertal ist nicht allein. Das niedersächsische Wolfenbüttel, das nordrhein-westfälische Attendorn und das baden-württembergische Göppingen sind inzwischen dem Beispiel gefolgt. Und auch Dortmund und Heilbronn werden in Kürze eine virtuelle Einkaufsstraße für lokale Händler eröffnen, wie Roman Heimbold vom Start-up Atalanda berichtet, das die Marktplätze im Hintergrund managt.

Die Erfolgschancen der Online-Marktplätze sind allerdings umstritten. Der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist skeptisch: "Der Versuch, durch lokale Online-Marktplätze die Innenstädte zu beleben, wird nicht funktionieren. Stadtväter, die das glauben, haben eine rosarote Brille auf und ignorieren die Realität." Zu klein und zu unattraktiv sei das Angebot auf den lokalen Seiten, meint er. "Es wird eine Handvoll Idealisten geben, die lokal im Internet nach Angeboten suchen, um die Händler in der eigenen Stadt zu unterstützen, aber für die überwiegende Mehrheit ist das kein Thema."

Ziel von Online-Projekten müsse es in erster Linie sein, die lokalen Händler an das Internet heranzuführen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, ein Stück vom Online-Kuchen abzubekommen. Dabei sei es egal, ob die Bestellungen aus der Heimatstadt oder aus dem Ausland kämen, meint Heinemann. Vielversprechender als ein Alleingang wie in Wuppertal oder Attendorn sei deshalb eine Zusammenarbeit mit einem der etablierten Online-Riesen.

Der klassische Handel kämpft um Sichtbarkeit

Mit seinem Institut eWeb Research Center ist Heinemann maßgeblich am Pilotprojekt "Mönchengladbach bei Ebay" beteiligt, das im Oktober 2015 startete. Bereits in den ersten 100 Tage hätten die 70 teilnehmenden Händler mehr als 32.000 Artikel verkauft und damit einen Umsatz von mehr als einer Million Euro erzielt, berichtet er. Das ist eine ganz andere Dimension als in Wuppertal. Dort gingen bei den 60 beteiligten Händlern im vergangenen Dezember - trotz Weihnachtsgeschäft - gerade einmal 39 Online-Bestellungen ein, wie OCW-Projektleiterin Christiane ten Eicken einräumt. Doch für die Wuppertalerin ist die Zahl der Bestellungen nicht entscheidend. "Es geht nicht nur um die Online-Bestellungen. Es geht darum, den Kunden klarzumachen, dass in der eigenen Stadt ein breites Angebot vorhanden ist, das mit Amazon konkurrieren kann."

Auch Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH), sieht das ähnlich. "Ein lokaler Online-Marktplatz ist kein Selbstläufer", meint der Experte. "Aber er kann den Läden vor Ort helfen, mit Informationen zur Warenverfügbarkeit und Reservierungsmöglichkeiten ihre Sichtbarkeit und ihre Attraktivität zu steigern und zusätzliche Kunden in die Läden zu locken." Allerdings seien die Hürden hoch, betont er. Denn vor Ort müsse dann auch ein richtig gutes Einkaufserlebnis geboten werden. "Jedes Konzept, das nicht brutal an den Bedürfnissen des Kunden orientiert ist, wird nicht funktionieren." (dpa/fm)

 

CAD-Robert

Dieses Thema wird noch zum größten Thema aller Städte: es wächst eine Generation heran, die selbstverständlich (!) erst mal auf dem Smartphone googelt und dann bei Amazon auf "Gehe zur Kasse!" drückt. Diese Generation wird ganz klar die aktuelle Käufergeneration in den nächsten Jahren ablösen.

Damit einher werden die Einnnahmen der Städte wegfallen. Parallel dazu das Steueraufkommen und die so liebgewonnen Einnahmen aus den Parkhäusern! Amaconen-Versand GmbH & Co. werden weiter wie bisher ihre "Steuern" schadlos via Luxemburg (hier noch ein Dank an Kommisionspräsident Jean-Clude Junker aus Luxemburg!) auf irgendwelche Inseln transferieren. Nicht einmal der US-Bürger soll von den Steuereinnahmen profitieren: das US-Finanzamt will "bescheidene" 40% Steuer auf Unternehmensgewinne - das ist heftig!

Ich kenne einen Bürgermeister, der läßt sich seine eMails von seiner Sekretärin vorlesen und er hat gute Chancen wiedergewählt zu werden. Angesichts dessen, hoffe ich, dass so Leuchttum-Projekte wie hier in Wuppertal den erhofften Erfolg bringen! Man darf sich nicht ausmalen, wie es in den Steuerkassen aussehen wird, wenn der Staat und die Kommunen dieser Stadt-Entwicklung einfach nur weiter zuschauen. In unserer Innenstadt findet man übrigens nur noch einen Spielwarenladen.

Womit wir zum nächsten Problem kommen: würde man z.B. eine "Onlinekauf- Steuer" einführen, dann wäre da ja noch in 1-2 Jahren das TTIP-Abkommen, in dem ganz klar geregelt ist, daß jegliche Einschränkung eines US-Handelskonzern rechtlich mit dem Angriff auf Pearl-Habour im II.Welkkrieg gleichgesetzt wird: Der Gegenschlag ist programmiert und er wird heftig ausfallen.

Na dann: viel Spaß beim täglichen Büroschlaf in unseren Regierungs- und Amtsstuben!

Mein Vorschlag: wer einen Einkauf in einer Innenstadt tätigt, bekommt auf den Kassenbeleg einen QR-Code gedruckt. Damit gehe ich in das Parkhaus und je nach Kaufhöhe bekomme ich einen Rabatt auf das Parken von 5-100%.

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