Neuer Chef ab Sommer

Halbleiterausrüster ASML leidet mit der PC-Branche

17.04.2013
Europas größter Chipzulieferer ASML hat wie auch andere wichtige Spieler der Halbleiterbranche die Flaute im PC-Markt zu spüren bekommen.
Zentrale von AMSL in Veldhoven, Niederlande
Zentrale von AMSL in Veldhoven, Niederlande

Im ersten Quartal schrumpften Umsatz und Gewinn teils kräftig, wie die Niederländer am Mittwoch mitteilten. Da weniger Speicherchips für PCs benötigt werden, halten sich die Kunden von ASML zurück und bestellen kaum neue Produktionsanlagen. Überraschend kommt das nicht, der Vorstand hatte bereits vor einem schwachen Jahresstart gewarnt und will im Laufe des Jahres den verlorenen Umsatz wieder gut machen. Die im Eurostoxx50 notierte Aktie gewann am Morgen 6,65 Prozent auf 54,67 Euro.

Nach fast neun Jahren an der Konzernspitze zieht sich der bisherige Vorstandschef und Präsident Eric Meurice zurück und überlässt zum 1. Juli dem amtierenden Finanzchef Peter Wennink das Feld. Er wolle den Kurs des bisherigen Managements fortsetzen, sagte Wennink, der seit 1999 im Unternehmen ist. Neben dem Wechsel an der Spitze kündigte ASML zudem ein Verwöhnprogramm für seine Anteilseigner an: In diesem und dem kommenden Jahr sollen für bis zu eine Milliarde Euro eigene Aktien zurückgekauft werden.

Im operativen Geschäft lief es zu Jahresbeginn wie erwartet verhalten. Der Umsatz brach zwischen Januar und März zum Vorquartal um zehn Prozent auf 892 Millionen Euro ein. Der Überschuss sackte um zwei Drittel auf 96 Millionen Euro weg. Wegen der schwankenden Preise ist in der Halbleiterbranche der Vergleich mit dem Vorquartal üblich. Die Zahl der neuen Anlagen, die ASML verkaufen konnte stagnierte bei 25. Hinter den starkem Gewinnrückgang stecken neben dem Minus beim Umsatz vor allem höhere Investitionen in die Fabriken und in eine neue Technik, auf die ASML große Stücke setzt.

Reinraum-Produktion eines Wafer Tables bei ASML
Reinraum-Produktion eines Wafer Tables bei ASML
Foto: ASML

Dabei geht es um die sogenannte Extreme-Ultraviolet-Lithographie (EUV), mit der sich die Niederländer auch den Markt für die Produktion von billigeren Chips für Handys und Tablets stärker erschließen wollen. Der designierte Chef hofft, dass die Kunden ab 2015 die neue Technik einsetzen, dazu müssten sie ab dem laufenden Jahr dann auch bestellen. Um die Entwicklung dieser Technologie zu beschleunigen, hatten die Niederländer im Oktober die Übernahme des US-Laserherstellers Cymer für 1,95 Milliarden Euro angekündigt. Die Transaktion soll bis Ende Juni abgeschlossen sein, lediglich in Japan und Korea müssen die Behörden noch zustimmen.

Den meisten Umsatz macht ASML aber erst mal weiterhin mit seinen etablierten Anlagen. Hier leiden die Niederländer wie auch etwa der weltgrößte Chiphersteller Intel unter rückläufigen PC-Verkäufen. Ein Trend, der laut Wennink zumindest in diesem Jahr anhalten dürfte. Zwar wachse der Tablet- und Smartphoneabsatz, in diesen Geräten steckten aber weniger Chips als in PCs. Hoffnung macht dem Manager indes die wachsende Speicherkapazität und damit der Chiphunger dieser Geräte. Im Laufe des Jahres rechne er mit steigenden Preisen für Speicherchips und es gebe erste vorsichtige Anfragen von Kunden, die ihre Produktionskapazitäten ausbauen wollten, sagte der Manager.

Im zweiten Quartal rechnet ASML dann auch bereits mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden und einer Bruttomarge zwischen 41 und 42 Prozent. Im ersten Jahresviertel war diese noch auf 38,2 Prozent geschrumpft. Diese Kennzahl gibt an, wie viel Prozent vom Umsatz ein Unternehmen nach dem Abzug der Herstellungskosten verdient. Im Gesamtjahr 2013 soll der Umsatz weiterhin zumindest stabil bei rund 4,7 Milliarden Euro gehalten werden.

Im vergangenen Jahr hatten Intel , Samsung und TSMC Anteile an dem Unternehmen für insgesamt 3,85 Milliarden Euro erworben. Fast ein Viertel der Aktien sind damit in Kundenhand. Der Zulieferer wollte sich so die Ausgaben für die Entwicklung der EUV-Technologie sichern - die Investoren erhoffen sich im Gegenzug, einen schnellen Zugriff auf diese zu sichern. (dpa/tc)