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Hackett Group: Komplexe ERP-Systeme treiben Kosten in die Höhe

20.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach wie vor gelingt es den meisten Anwendern nicht, die Komplexität ihrer Enterprise-Ressource-Planning- (ERP-)Projekte zu verringern und damit die Kosten für das eigene Unternehmen zu senken. Zu diesem Ergebnis kommen die Marktforscher der Hackett Group, die mit den Verantwortlichen von über 2000 Firmen gesprochen haben. Die ERP-Kosten für Anwender seien deutlich höher, wenn es nicht gelinge, einen einfachen Ansatz für die Softwaresysteme in den Bereichen Financials und Human Resources (HR) aufrecht zu erhalten. Den Mehraufwand schätzen die Analysten auf 18 bis 30 Prozent.

Als Kostentreiber bezeichnet die Hackett Group in erster Linie den Best-of-Breed-Ansatz. IT-Landschaften, die sich aus Software zahlreicher Hersteller zusammensetzten, seien komplex und damit schwerer zu verwalten. Wer außerdem die Systeme stark an die individuellen Anforderungen im Unternehmen anpasst, bekommt zudem Schwierigkeiten bei Upgrades.

Anwender sollten ihr Applikationsportfolio möglichst einfach halten, rät David Hebert, Analyst des im US-amerikanischen Atlanta beheimateten Marktforschungsinstituts. Dazu sollten sich die IT-Verantwortlichen weitgehend an Standards orientieren und die Zahl ihrer Softwarelieferanten gering halten. Allerdings müssten sich auch diejenigen Anwender vorsehen, die ihr IT-Schicksal eng mit einem Softwarelieferanten verknüpft haben. Gerade die Software-Suiten der großen Hersteller wie SAP und Oracle seien zum Teil sehr komplex. Viele Kunden hätten unterschiedliche Release-Stände im Einsatz, was die Verwaltung erschwere und damit ebenfalls nicht zur Senkung der Kosten beitrage.

Als möglichen Ausweg aus dem ERP-Dilemma sieht Hebert das wachsende Angebot von On-Demand-Software. Damit sei es möglich, auf Basis einer Standardlösung eines einzelnen Anbieters die Komplexität zu verringern.

Jedoch sollten Anwender genau abwägen, welche Anforderungen sie an die Softwarelösung haben. Nicht immer gelingt es den bis dato angebotenen On-Demand-Lösungen, die Bedürfnisse der Kunden zufrieden zu stellen. Erst vor wenigen Wochen kursierten Gerüchte um das Scheitern eines Großprojektes von Cisco (siehe: "Droht das Salesforce-Projekt bei Cisco zu kippen?"). Der Netzausrüster arbeitet seit 2004 mit Salesforce.com daran, einen Großteil seiner Customer-Relationship-Management- (CRM-)Arbeitsplätze auf eine On-Demand-Plattform umzustellen. Bis Juni dieses Jahres sollten 10 000 Mitarbeiter mit dem neuen System arbeiten. Wegen mangelnder Akzeptanz und fehlenden Funktionen sollen derzeit aber gerade einmal 1000 Plätze umgestellt sein. Der weitere Ausbau des Systems ist vorerst verschoben. (ba)