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WM-Stars auch online

"Grüße nach Deutschland, euer Mesut"

30.06.2010
Philipp Lahm hat sich vor der WM noch ein Eis gegönnt, Arne Friedrich streichelte einen Löwen und Cacau war im Cockpit des A380.
Minütlich neue Facebook-Fans - Mesut Özil
Minütlich neue Facebook-Fans - Mesut Özil

Woher Fans das alles wissen? Aus dem Internet, wo die Spieler eifrig selbst geknipste Fotos hochladen und ihre WM-Erlebnisse dokumentieren. "Hallo Leute", schreibt Mesut Özil, "wir sind alle sehr erleichtert, dass wir gewonnen haben. Grüße nach Deutschland, euer Mesut." Deutschland antwortet in Form von fast 2000 Kommentaren: "Das Spiel war der Oberhammer", schreibt Jessica Neubauer aus Zweibrücken, "gebt Gas gegen Argentinien."

Ein virtueller Plausch mit dem Mittelfeld-Star der deutschen Fußball-Nationalmannschaft - das Internet macht es möglich. Fast alle Spieler des Teams von Jogi Löw halten ihre Fans online auf dem Laufenden, ob per Facebook, Twitter oder mit eigener Homepage. "Das ist ein neuer Trend", sagt der Medienpädagoge Thomas Pfeiffer, "noch vor zwei Jahren waren Facebook und Soziale Netzwerke kaum ein Thema. Zunehmend mehr Prominente probieren sich da nun aus. So können sie Nähe zu ihren Fans schaffen."

Und es geht bei weitem nicht nur um Fußball: "Gestern waren wir mit Mannschaft und Betreuern in einem Wildpark. Wir haben viele verschiedene Wildtiere gesehen, aber am schönsten und beeindruckendsten waren die Löwen", schreibt Stürmerstar Cacau auf seiner Facebook-Seite und stellt auch gleich die eigenen Fotos dazu. Ins Cockpit des Riesenfliegers A380 durfte der Spieler beim Flug nach Südafrika auch - und fotografierte sich zusammen mit den zwei Piloten. Verteidiger Arne Friedrich ließ sich mit einem Angestellten des Team-Hotels Velmore Grande vor dem Frühstücksbuffet ablichten und präsentiert das Ergebnis im Netz.

Eine eigene Homepage haben fast alle der 23 deutschen Nationalspieler - bis auf Hans Jörg Butt, Holger Badstuber, Sami Khedira, Toni Kroos und Thomas Müller. Der Stürmerstar des FC Bayern hat Pech: Die Internetseiten mit dem Namen Thomas Müller sind bereits an einen stolzen Hundebesitzer und einen Börsenberater gegangen. Aber der Trend geht sowieso eher zu Facebook, sagt Medienpädagoge Pfeiffer. "Eine klassische Homepage ist relativ starr, quasi der Hochglanzprospekt einer Marke 'Sportler'. Facebook ist der virtuelle Marktplatz, auf dem sich alle tummeln."

Den Beliebtheits-Wettbewerb auf dem virtuellen Marktplatz hat Mesut Özil klar gewonnen. Mehr als 130.000 Menschen bekennen sich bei Facebook als Fans des türkisch-stämmigen Fußballnationalspielers - minütlich kommen neue Anhänger dazu. "Für Deutschland ist das schon ziemlich viel", sagt Jutta Westphal, selbstständige Beraterin für Social Media in Düsseldorf. "Dass es Nationen mit mehr Facebook-Affinität gibt, zeigen die 2.913.886 Fans von David Beckham." Auf Platz zwei bei den deutschen Spielern liegt Lukas Podolski mit rund 65.000 Fans, dann folgen Philipp Lahm, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger. Ganz hinten liegt der zweite Torhüter Tim Wiese mit nur knapp 500 Facebook-"Freunden".

Nicht alle Nationalspieler kümmern sich wirklich selbst um ihre Online-Auftritte, bei vielen erledigt das ein Webmaster. "Es muss zum Typ passen", sagt Medienpädagoge Pfeiffer. "Ist man jemand wie Lahm und hat Spaß daran, kann man das gerne selber machen. Mit einem internetfähigen Telefon geht das auch von unterwegs oder mal schnell nebenbei." Der Spieler vom FC Bayern aktualisiert sein Profil in jeder freien Minute: "Ich komme gerade vom Training und gleich geht es zum Mittagessen", schreibt Lahm, oder: "Heute hat uns der Bundestrainer frei gegeben. So hatte ich die Möglichkeit, ein wenig die Gegend zu erkundigen. Auch ein Tischtennis-Match stand auf dem Programm. Bis bald! Philipp."

Neben Lahm pflegen auch Marko Marin, Özil und Cacau ihre Facebook-Profile selbst. Arne Friedrich aktualisiert regelmäßig seine Homepage: "Was für ein Tag", hat der 31-Jährige beispielsweise nach dem Sieg gegen England geschrieben. "Wir werden uns zerreißen, um diese Feier weiter zu verlängern."

Außerdem schicken einzelne Spieler per Twitter Kurznachrichten ins Netz - unter anderem Lukas Podolski: "Hallo Leute, was soll ich euch noch groß sagen, so was erlebt man nicht alle Tage. Bin einfach überglücklich das wir im Viertelfinale sind, noch schöner natürlich das wir es so überzeugend geschafft haben. Viel Spaß und Grüße, Poldi." (dpa/tc)