Grüner wirds nicht

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.

Eigentlich ist dies nicht der Platz, an dem wir auf Internet-Videos hinweisen. Wir tun es ausnahmsweise trotzdem: http://www.switchnap.com/pages/products/the-supernap-video.php. Hier kann der Internet-Zuschauer sehen, wie Amerikaner ein Rechenzentrum bauen. Und zwar - Hitze hin, Energieverbrauch her - mitten in die Wüste von Nevada. Dahinter steckt die Hosting-Company Switch Communications, hinter der sich wiederum zahlreiche große US-Konzerne verbergen. Sie plant das so genannte SuperNAP.

Das Data Center wird etwa 3,7 Hektar groß sein und rund 30 000 Tonnen an Servern, Speichern und Kühltechnik beherbergen. Es dürfte nicht nur eines der leistungsstärksten RZs werden, sondern auch eines der stromhungrigsten. Internet-Quellen zufolge wird es so viel Energie verbrauchen wie die Las-Vegas-Hotels Bellagio, Venetian und Caesar‚Äòs Palace zusammen.

Die IT-Branche spricht momentan viel von Green IT, doch die Fakten sehen anders aus. Microsoft addiert derzeit monatlich (!) rund 10 000 leistungsstarke Server zu seinem Rechnerbestand - natürlich mit dem Hinweis, die Data Centers nach neuesten ökologischen Standards einzurichten. Das Unternehmen baut aus, weil es vorbereitet sein will, wenn große Konzerne wie Coca-Cola Software wie Exchange künftig nur noch als Online-Service beziehen wollen.

Solche Investitionen sind kein Problem für die Umwelt, könnte man einwenden: Hier wird nur die Infrastruktur für Cloud- beziehungsweise Utility-Computing geschaffen. Was diese Dienstleister aufbauen, werden die Kunden abbauen. Doch das ist Augenwischerei. Rechen- und Speicherkapazität wird jetzt und in Zukunft von Anbietern verschleudert und von Kunden verschwendet. Wer schon mal die Amazon-Dienste Simple Storage Service (S3) oder Elastic Computing Cloud (EC2) in Anspruch genommen hat, oder wer auch nur ein Google-Postfach mit inzwischen 6,7 Gigabyte kostenlosem Speicherplatz besitzt, weiß, wovon die Rede ist.

Nachdenklich in Sachen Green IT stimmen auch die momentan entstehenden Millionen von Kleinstrechenzentren - in den Wohnzimmern von Menschen, die ihre Videos, ihre Musik und ihre Fotos verwalten und über mehrere Endgeräte verteilen möchten, die chatten und an sozialen Netzwerken teilnehmen wollen. Alle Statistiken bestätigen, dass sich der Stromverbrauch in den weltweiten Haushalten seit dem Jahr 2000 aufgrund des Internets und insbesondere des Up- und Downloads von Audio- und Videodateien dramatisch erhöht hat.

Vor diesem Hintergrund können wir uns nur ein bisschen freuen, wenn Forrester Research feststellt, die grüne Botschaft dringe allmählich zu den IT-Verantwortlichen in den Unternehmen durch, es werde bewusster und umweltfreundlicher beschafft. Gegen die Geschäftsmodelle der großen Online-Companies und gegen Youtube wird kein IT-Manager ansparen können - auch wenn er noch so gute Vorsätze hat.