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Schnäppchendienst

Groupon - für viele Firmen nur kurzfristig attraktiv

10.02.2011
Als Gabriele Höft die Gutscheine für ein Frühstück in ihren Berliner Restaurants "Tomasa" ins Internet stellt, hofft sie auf ein paar hundert neue Kunden.
Groupon hat sich mit Citydeal auch im deutschen Markt eingekauft.
Groupon hat sich mit Citydeal auch im deutschen Markt eingekauft.

Einen Tag lang wird ihr Angebot bei der Schnäppchen-Website Groupon beworben - und am Abend kann Gabriele Höft es kaum fassen. 7800 Leute haben zugeschlagen und wollen mit dem Gutschein für fünf statt für zehn Euro bei ihr frühstücken. "An dem Tag war die Hölle los", sagt sie.

Groupon ist mit solchen Massendeals zu einem heiß gehandelten Unternehmen geworden: Börsenexperten schätzen den Gesamtwert der US-Firma auf 15 Milliarden Dollar. Auch viele deutsche Unternehmer sind begeistert von der Idee - längerfristig werben wollen sie damit aber eher nicht. Zu hoch seien die Kosten, auf denen die Firmen durch Rabatte von bis zu 90 Prozent sitzen bleiben könnten, vermuten Experten. Zudem ist fraglich, ob Kunden durch die Aktionen dauerhaft an das Unternehmen gebunden werden können.

Die Grundidee der Webseite ist, dass es einen Vorteilspreis gibt, wenn eine Mindestanzahl von Käufern erreicht wird. Kommen nicht genug interessierte Käufer etwa für einen Restaurant-Gutschein oder ein Wellness-Angebot zusammen, findet der Deal nicht statt. "Die Idee trifft genau den Nerv der Zeit", sagt Tomasa-Geschäftsführerin Höft. "Die Leute wollen ja überall Schnäppchen machen."

Und tatsächlich: Das Geschäft mit Gutscheinen boomt, das Volumen beträgt nach Schätzung der Analysegesellschaft Independent Research derzeit rund 90 Milliarden Dollar. "Dem Markt wird ein großes Potenzial vorausgesagt", sagt Jens Hasselmeier, Analyst bei Independent Research. "Das macht Groupon natürlich interessant."

Der Internetgigant Google hatte den Shopping-Anbieter Ende vergangenen Jahres für sechs Milliarden Dollar schlucken wollen. Doch Groupon-Chef Andrew Mason lehnte ab - und nimmt mit seiner Schnäppchen-Website jetzt selbst Kurs auf die Börse. Investoren reißen sich darum, Anteile an der Firma zu kaufen. In einer rekordverdächtigen Finanzierungsrunde sammelte Groupon 950 Millionen Dollar (umgerechnet 736 Millionen Euro) ein - eine der höchsten Summen, die ein Startup je erhalten hat. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in 35 Ländern aktiv und hat gut zwei Jahre nach dem Start schon mehr als 50 Millionen registrierte Nutzer. "Wir wollen auch künftig so schnell wachsen", sagt Mason.

Einige Firmenkunden von Groupon sagen aber bereits: Einmal ausprobieren reicht. "Viel verdient haben wir dabei nämlich nicht", sagt Rorato Alfio vom Eiscafe "Café e Gelato" in Berlin. Die Preise in seiner Eisdiele seien ohnehin schon knapp bemessen. Wenn er darauf noch Rabatte gäbe, bliebe nicht viel Gewinn übrig. "Ob es sich finanziell lohnt, müssen wir sehen". Er wolle erst einmal abwarten, ob die Kunden auch tatsächlich wiederkommen. "Wenn das nicht der Fall ist, glaube ich nicht, dass Firmen sich dauerhaft an solchen Aktionen beteiligen", sagt Analyst Hasselmeier.

Einer Studie aus den USA zufolge sind die Werbeaktionen bei Groupon für rund 30 Prozent der Firmen nicht profitabel gewesen. Die Rice University's Jones School of Business in Texas fand bei ihrer Befragung von 150 Unternehmen zudem heraus, dass mehr als 40 Prozent der Firmen eine solche Aktion nicht noch einmal machen würden.

Auch Alfio und Höft wollen in der nächsten Zeit nicht wieder bei Groupon werben. "Wir versuchen es über andere Wege im Internet, beispielsweise bei Facebook", sagt der Eisdielen-Chef. Zudem hat er sich - wie auch Gabriele Höft - inzwischen einen eigenen Gutschein ausgedacht, mit dem er auf seiner Homepage wirbt. Damit sparen sich beide den Umweg über Groupon - und die hohe Provision, die das Unternehmen bei den Aktionen verlangt. Laut US-Medienberichten behält Groupon üblicherweise die Hälfte des Gutschein-Preises ein - was die Einnahmen der Firmenkunden nochmals drückt.

In der Einfachheit des Konzepts liegt auch die Gefahr für das Geschäftsmodell der Seite: "Bereits jetzt hat Groupon tausende Wettbewerber - und es werden noch tausende dazukommmen", schreibt der amerikanische IT-Blogger Dave Troy. Groupon prophezeit er ein "nettes, langfristiges Geschäft", das eine gute Dividende abwerfe, aber am Ende sehr langweilig sein werde. "Die Visionen eines extremen Wachstums halte ich aber für sehr übertrieben." (dpa/tc)