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Champions League

Großer Fußball lässt die Welt staunen und treibt die Fans ins Netz

27.05.2013
Die Augen am Fernseher, die Finger am Smartphone: Soziale Netzwerke sind für Fußballfans ein Ventil, um ihrer Aufregung beim Champions-League-Finale Ausdruck zu geben. Auf Twitter staunen auch die Beobachter im Ausland, wie Dortmund und München Fußball spielen.
Foto: Twitter

Ob in den USA oder in Kolumbien, in Südafrika oder in Australien - am Samstagabend kennt das Internet nur ein großes Thema. Beim Finale der Champions League ist der Trend zum "Second Screen", zum zweiten Bildschirm, ein globales Phänomen: Zahllose TV-Zuschauer des Endspiels zwischen Dortmund und München haben gleichzeitig Smartphone oder Tablet-Computer in der Hand, um den Fußballkrimi zu kommentieren - distanziert bis bewundernd die internationalen Beobachter, nervös bis leidenschaftlich die Anhänger der beiden Vereine. Mehr als 4,8 Millionen Einträge verzeichnet der Internet-Dienst Twitter rund um das Finale.

Damit sich die Bayern-Fans nicht über Kommentare der gegnerischen Seite ärgern müssen, haben sie ihren eigenen "Hashtag", ihr eigenes Twitter-Schlagwort eingerichtet: "packmas" - auf Deutsch: "Packen wir's". Die Dortmunder Fans nutzen dies aber prompt, um sich mit diesem Stichwort an den Gegner zu wenden.

Schon die Eröffnungszeremonie mit einer kriegerischen Inszenierung in den Farben der Rivalen löst kontroverse Reaktionen aus. "Die UEFA feiert sich mit bizarren Ritterspielchen. Fans wollen Fußball sehen", twittert ein BVB-Anhänger. Der Düsseldorfer Sozialwissenschaftler Christoph Bieber findet: "schwachsinniges kampfgetümmel in vereinsfarben. komplett unnötig". Viele englischsprachige Beobachter sind hingegen durchaus angetan: "Wow, this is awesome!" (Wow, das ist eindrucksvoll).

Eigens für das Finale haben Fans beider Vereine zwei konkurrierende Twitter-Accounts eingerichtet: "finaleFCB" und "finaleBVB". Nach einer ersten Hälfte mit zwei ganz unterschiedlichen Sturm- und Drangzeiten ist "finaleBVB" leicht enttäuscht: "Halbzeit-Fazit: couragiertes Auftreten des BVB, die Chancen wurden nicht genutzt. Rächt sich das in der zweiten Halbzeit?"

Zuerst sieht es danach aus. "Jetzt werden die Dortmunder abgeschossen", twittert der Wiesbadener Markus Kahl nach dem 1:0 der Bayern in der 60. Minute. Eher lakonisch die Reaktion bei "finaleBVB": "Kackscheiß. Aber das gleichen wir fix aus." Er soll Recht behalten. Acht Minuten dauert es bis zum 1:1, Elfmetertor. Die Fotos zum Torschuss vom Punkt sind sofort bei Instagram zu sehen, der Plattform für die schnellen Smartphone-Schnappschüsse, die am Samstagabend mit Bildern aus dem Wembley-Stadion zugeschüttet wird.

Die Welt staunt: "Jetzt zeigen die Deutschen, warum sie momentan auf dem Gipfel der Fußballwelt stehen", twittert der Kolumbianer Juan Sebastián Durán. So oder ähnlich lauteten die Kommentare auf Spanisch, Englisch, Italienisch und anderen Sprachen.

Bis dann in der 89. Minute die Entscheidung fällt. Die Münchenerin Kerstin Dreßler ist unter dem Twitter-Hashtag "UCLFinale" am schnellsten mit dem Torschrei: "Tooooooooooooooooooor!!!!" Fast genauso viele o-Zeichen packt der Londoner Anthony Adams in seine Enttäuschung: "Noooooooooooooooo." Knapper macht es der ehemalige Bayern-Spieler Mario Basler: "jawoll". Der Name des Siegtorschützen Arjen Robben wird mehr als eine Million Mal im Netz erwähnt. Beim Schlusspfiff kommt es gar zu 117.601 Tweets in der Minute.

Bei den Dortmunder Fans halten sich Trauer über die Niederlage und der Stolz auf die große Leistung die Waage. Der Twitter-Account "finaleBVB" verabschiedet sich von einem großen Fußballabend im Netz: "Vielen Dank, lieber @BVB, für eine tolle CL-Saison. Ich muss jetzt trauern und ne Weile offline gehen." (dpa/tc)