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Verbraucher klicken nicht mehr

Googles Geschäftsmodell in der Krise

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Das Geschäftsmodell von Google zeigt in der Finanzkrise langsam seine Achillesferse.

Findet zumindest das "Wall Street Journal": Lange galt es als großer Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Medien, dass das Geschäftsmodell von Google direkt Consumer-getrieben war. Während die traditionellen Medien eher einer Marketer-getriebenen Ansatz verfolgen - Werbetreibende kaufen Anzeigen im Fernsehen oder Zeitschriften/Zeitungen in der Hoffnung, Verbraucher vom Kauf ihrer Produkte zu überzeugen -, kosten Anzeigen im Umfeld der Internet-Suche nur dann Geld, wenn Konsumenten sie auch anklicken. Und welchen Preis die Werbekunden dafür bezahlen, sollte widerspiegeln, wie oft solche Klicks auch in echte Verkäufe umgewandelt werden.

Marktanteile

Google hat seinen Marktanteil bei den US-amerikanischen Internet-Suchen weiter ausgebaut. Laut Hitwise kam der Internet-Konzern im Oktober auf 71,7 Prozent nach 71,2 Prozent im Vormonat und 64,5 Prozent im Oktober 2007. Im gleichen Zeitraum gingen die Suchen bei Yahoo! auf 17,7 Prozent zurück nach 18,1 Prozent im September 2008 und 21,7 Prozent ein Jahr zuvor.

Microsoft konnte im Oktober sequentiell minimal zulegen von 5,36 auf 5,4 Prozent, musste aber auch Federn lassen im Vergleich zu seinen 7,4 Prozent vor Jahresfrist. Ask.com fiel von 4,8 Prozent im Oktober 2007 und 3,6 Prozent im September 2008 auf aktuell 3,5 Prozent. Alle übrigen Suchanbieter (Hitwise erfasst noch 43) zusammen teilen sich die verbleibenden 1,6 Prozent des Marktes.

Dieser Ansatz stellt sicher, das Google direkt dem Verhalten der Verbraucher ausgesetzt ist. Und das wird nun zum Problem. Denn laut Majestic Research schrauben die (US-)Konsumenten ihre Ausgaben derart zurück, dass sie "weniger Lust haben, nach neuen Produkten zu suchen, geschweige denn sie zu kaufen". IAC, dessen Suchmaschine Ask.com von Google vermarktet wird, stellte bereits in der vergangenen Woche fest, dass die Suchtrends "in den letzten 30 bis 60 Tagen nicht gut waren, insbesondere bei kommerziell orientierten Abfragen".

Dazu kommt laut "WSJ" erschwerend, dass selbst kaufwillige Verbraucher nun vor allem nach Schnäppchen jagen und damit den Erlös aus einzelnen Klicks zusätzlich senken. Das wiederum senkt die Preise, die Marketer für Keywords zu zahlen bereit sind (was IAC ebenfalls konstatierte).

Das Ergebnis dürfte ein signifikanter Einbruch von Googles Wachstum sein. Jefferies erwartet bereits, dass die Einnahmen von Google im Jahr 2009 nur noch um elf Prozent wachsen - vor weniger als einem Monat hatten die Experten noch 19,7 Prozent prognostiziert. Auch andere Einschätzungen dürften zurückgenommen werden und damit den Aktienkurs von Google weiter unter Druck setzen.

Elf Prozent sind nun wahrlich nicht zu verachten, vor allem wenn bei vielen traditionellen Medienfirmen die Umsätze wegbrechen. Sie sind aber auch der Beweis (falls den noch jemand brauchte) dafür, dass nicht einmal Google immun ist gegen die schwächelnde Ökonomie.