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Googles Finanzchef frustriert die Aktionäre

01.03.2006
Nachdem George Reyes, Chief Financial Officer von Google, vor Analysten sagte, das Unternehmen werde die gegenwärtige Wachstumsdynamik nicht dauerhaft halten können, brach der Aktienkurs kräftig ein.

Auf einer Investorenkonferenz, die die Investment-Banker von Merrill Lynch veranstalteten, hatte Reyes eigentlich nur gesagt, was jeder weiß: Das Tempo, mit dem Google Quartal für Quartal bei Umsatz und Ergebnis zulegt, ist auf Dauer nicht zu halten. An der Börse lösten diese Worte am gestrigen Dienstag dennoch einen Kursrutsch von zeitweilig bis zu 13 Prozent (minus 51,87 Dollar) aus. Zum Börsenschluss ging das Papier dann mit einem Minus von lediglich 27,76 Dollar oder sieben Prozent aus dem Handel. Die leichte Erholung trat ein, nachdem das Unternehmen eine Erklärung abgab, man werde auch in Zukunft Wege finden, um substanzielles Wachstum zu erzielen.

Reyes hatte zuvor gesagt, Google sei mit seinem Geschäftsmodell darauf angewiesen, immer neue Wege zu finden, um den Traffic zu steigern. "Es ist eindeutig, dass sich unsere Wachstumsraten verlangsamen. Das kann man in jedem Quartal nachverfolgen." Reyes betonte, deswegen sei man Google nicht "bearish" gestimmt. Es werde weiterhin kräftiges Wachstum geben. Nur werde sich die gegenwärtig hohe Wachstumsquote mit der Zeit abschwächen.

Die Google-Aktie war vor anderthalb Jahren erstmals zum Kurs von 85 Dollar gehandelt worden. Es folgte eine rasante Rallye, die Anfang dieses Jahres mit einem Kurs von 475,11 Dollar ihr vorläufiges Ende nahm. Zum gestrigen Börsenschluss lag der Aktienwert bei 362,62 Dollar. Einen Dämpfer hatte es Ende Januar gegeben, nachdem das Unternehmen mit seinen Geschäftszahlen die Erwartungen der Finanzwelt verfehlt hatte (siehe: Google-Aktie auf Talfahrt...).

Das Google-Papier ist auch deshalb sehr volatile, weil das Unternehmen mit Informationen an Investoren grundsätzlich zurückhaltend ist. Nach Meinung von Robert Sanderson, Analyst bei American Technology Research, führt diese Informationspolitik dazu, dass die Aktie bei positiven wie negativen Nachrichten extrem sensibel reagiert. "Wenn das Unternehmen keine Einschätzungen abgibt, macht das die Leute nervös. Google setzt auf seine eigene, sehr unkonventionelle Informationspolitik. Nun müssen sie mit den Folgen leben." (hv)