Das Internet im Würgegriff der Datenkrake?

Google will eigenes Gigabit-Netz bauen

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Der Suchmaschinen-Konzern Google will in den USA nun auch noch ein eigenes Netz aufbauen. Erfahrungen als Provider hat die Company ja bereits: In Moutain View betreibt sie ein größere WLAN-Installation.
Unter dem Motto "Think big with a gig" wirbt Google für seine Netzpläne.
Unter dem Motto "Think big with a gig" wirbt Google für seine Netzpläne.
Foto: Google

Im Hype um Googles neuen Buzz-Dienst ist eine andere News des Konzerns, die er in seinem Blog veröffentlichte, fast untergegangen: In den USA will Google ein eigenes Gigabit-Netz aufbauen und Glasfaseranschlüsse bis zum Endkunden (FTTH = fibre to the home) verlegen. Offiziell noch als Experimentalnetz tituliert, fordert Google aber in seinem Blog bereits, dass das eigene Netz in den US-amerikanischen "National Broadband Plan" aufgenommen wird. Vorerst will der Konzern 50.000 bis maximal 500.000 Haushalte mit seinem Netz erschließen. In welchen Regionen das Unternehmen seine Infrastruktur aufbaut, ist noch unklar. Interessierte US-Bürger und Kommunen können bis zum 26. März ein so genanntes "Request for Information" ausfüllen.

Auf den ersten Blick scheint Googles Offerte, Glasfaser bis zum Endkunden zu verlegen und den Zugang ins Internet per Gigabit-Tempo zu ermöglichen, bestechend. Zumal der Konzern mit "konkurrenzfähigen Preisen" wirbt, "next generation apps" verspricht, oder einen "open access" anpreist. Beim zweiten Hinsehen haben Googles Gigabit-Pläne aber den schalen Beigeschmack eines Erpressungsversuchs: Die Ankündigung kommt genau zu einem Zeitpunkt, in der unter dem Stichwort "Netzneutralität" wieder darüber diskutiert wird, ob nicht die Verursacher großer Verkehrsvolumen im Internet mit zur Kasse gebeten werden sollen - und das wäre vor allem Google. Aus diesem Blickwinkel liest sich die Ankündigung wie eine Warnung an die Carrier: "Bittet ihr uns zur Kasse, dann machen wir Euch das Geschäft mit Internet-Anschlüssen kaputt". Und aus User-Sicht darf zudem die Frage erlaubt sein, ob es wirklich erstrebenswert ist, dass sich Infrastruktur und Content in einer Hand befinden, denn der Gedanke, den eigenen Content bereits auf Netzebene bevorzugt weiterzutransportieren, erscheint zu verlockend. (hi)