Project Tango

Google und Lenovo bringen Smartphones räumliches Sehen bei

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Google hat auf der CES in Las Vegas angekündigt, Lenovo sei beauftragt worden, ein erstes Smartphone zu bauen, das auf dem "Project Tango" aufsetzt. Das Gerät soll mit Hilfe spezieller Hard- und Software Objekte auch in geschlossenen Räumen erkennen - was eine Vielfalt neuer Anwendungsmöglichkeiten eröffnen könnte.

Lenovo hat auf der Consumer Electronic Show (CES) noch keinen Namen für das Gerät genannt. Immerhin soll es bereits im Sommer dieses Jahres ausgeliefert werden und weniger als 500 Dollar kosten. Qualcomm steht demnach als erster Lieferant des Prozessors fest.

Lenovos Vice President Jeff Meredith stellte auf der CES das erste Phone mit "Tango-Features" vor.
Lenovos Vice President Jeff Meredith stellte auf der CES das erste Phone mit "Tango-Features" vor.

Google hatte Project Tango schon vor Jahren ins Leben gerufen und sich dabei auf die Dienste von Johnny Lee gestützt, der zuvor im "Kinect"-Team von Microsoft aktiv gewesen war. Erste Prototypen waren schon vor zwei Jahren erschienen - mit dem "Peanut Phone" und dem Tablet "Yellowstone". Im vergangenen Sommer brachten dann die Chipriesen Intel und Qualcomm weitere Prototypen mit speziellen Chipsets für Entwickler heraus, damit diese an Anwendungen arbeiten konnten.

Vielzahl an Sensoren erfasst nähere Umgebung

Tango kombiniert Inputs aus einer Reihe unterschiedlicher Sensoren und verarbeitet diese Umgebungsparameter sehr schnell zu nützlichen Informationen. Dabei kann es sich etwa um eine Infrarotkamera handeln, die reflektierendes Licht aufnimmt, eine Weitwinkelkamera, die visuelle Hinweise aus der Umgebung hinzufügt sowie um bekannte Sensoren wie Akzeleratoren, Gyroskope und Barometer.

Jeff Meredith, Vice President von Lenovo und Johnny Lee von Google (rechts) standen den CES-Besuchern Rede und Antwort.
Jeff Meredith, Vice President von Lenovo und Johnny Lee von Google (rechts) standen den CES-Besuchern Rede und Antwort.

Google bietet drei Programmierschnittstellen (APIs) an - eine für Spieleentwickler, eine um Tango mit Hilfe von Java in vorhandene Apps zu integrieren und eine für Apps mit einer eigenen Visualisierungs-Engine. Der Suchmaschinen-Gigant hat all das akribisch vorbereitet, Entwickler und Hardwarebauer müssen die technologische Basis nur unterstützen.

Wohnung einrichten im Tango-Schritt

Mit Smartphones, die Tango unterstützen, können Anwender exakt Räumlichkeiten ausmessen und dabei Böden, Wände, Zimmerdecken, aber auch Gegenstände zentimetergenau lokalisieren und darstellen. So lassen sich in Echtzeit dreidimensionale Karten der näheren Umgebung erstellen, die dann via Augmented Reality mit passenden Informationen zu den realen Objekten gefüllt werden können.

Quiz zum Arbeitsplatz der Zukunft

Die Möglichkeiten für neue Apps sind vielfältig. Augenfällig ist etwa die Chance herauszufinden, ob bestimmte Möbel in die Wohnung passen oder wie eine veränderte Einrichtung in einem Zimmer aussähe. Bislang hat Google nur eine limitierte Zahl an Tango-Prototypen an Entwickler herausgegeben. Sie sollen testen und sich Gedanken über mögliche Anwendungen machen. Auf der CES zeigte Johnny Lee erste Anwendungen und Spiele für die neuen Phones. Lenovo ist als Partner wohl auch deshalb im Rennen, weil das Unternehmen Google die Motorola-Handysparte abgekauft hatte.

Jeff Meredith, Vice President von Lenovo, bekannte auf der CES, dass es durchaus noch Schwierigkeiten beim Tango-Projekt gäbe. So bräuchten die Geräte nicht nur Sensoren, sondern auch zusätzliche Kameras, um Motive räumlich möglichst komplett zu erfassen. Das führe zu Zugeständnissen bezüglich Ästhetik und Design. Dennoch sei man bei Lenovo sehr zuversichtlich. "Das soll keine Nischentechnologie werden, wir wollen wirklich, dass die Geräte in der Breite erfolgreich sind."