"Froyo"

Google präsentiert die nächste Android-Generation

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Auf der Entwicklerkonferenz I/O 2010 hat Google das SDK für die nächste Android-Generation 2.2 "Froyo" veröffentlicht.

Seit Erscheinen des ersten Android-Telefons T-Mobile G1 im Oktober 2008 hat das von Google initiierte Open-Source-Betriebssystem erheblich Fahrt aufgenommen. Mittlerweile werden laut Google jeden Tag mehr als 100.000 Android-Smartphones verkauft. Und über 180.000 aktive Android-Entwickler haben die Anzahl der Applikationen im Android Market auf mehr als 50.000 getrieben - allein im vergangenen Monat kamen 12.000 neue Apps hinzu (da im Market allerdings jeder ohne Qualitätskontrolle veröffentlichen kann, was er will, ist jede Menge Müll dabei, Anm. d. Red. mit Google Nexus One).

Für Entwickler nicht einfach: Die vielen Versionen von Android "da draußen" im Markt
Für Entwickler nicht einfach: Die vielen Versionen von Android "da draußen" im Markt

Mit Android 2.2 "Froyo" erscheint nun das mittlerweile siebte Update für die Android-Plattform, was deren Problem der Fragmentierung nicht unbedingt einfacher machen wird. Das zugehörige Software Development Kit (SDK) und Details präsentierte Google in der zweiten Keynote seiner Entwicklerkonferenz I/O 2010. Android-Enwickler und -Endnutzer bekommen mit Froyo jede Menge neuer Funktionen. Google-Manager Vic Gundotra verteilte auf der Bühne des Moscone Center West auch ordentlich Seitenhiebe gegen Apple, das mit seinem iPhone den Smartphone-Markt aufgemischt hatte, mittlerweile aber deutlich sichtbar auf Distanz zu Google gegangen ist.

Bessere Enterprise-Integration

Für COMPUTERWOCHE-Leser von besonderem Interesse dürften die erweiterten Möglichkeiten von Android 2.2 hinsichtlich der Integration in die Unternehmens-IT sein. Insbesondere die Integration mit Microsoft Exchange wurde deutlich ausgebaut. Froyo unterstützt nun die Absicherung von Geräten über numerische PINs oder alphanumerische Passwörter (Exchange-Admins können eine Passwort-Policy über Firmentelefone durchsetzen), Remote Wipe = Zurücksetzen eines Telefons auf Werkseinstellungen, falls das Gerät verloren oder gestohlen wird, Integration von Exchange-Kalendern in den Kalender des Telefons, automatische Einrichtung von Exchange-Konten nach Eingabe von Benutzer und Passwort (ab Exchange 2007) sowie die Suche im globalen Exchange-Adressbuch aus dem Mail-Programm von Android.

Neben der Exchange-Integration bietet Android 2.2 auch neue Möglichkeiten im Bereich Device Management. Über neue APIs können Entwickler nun Anwendungen schreiben, die Sicherheitsfunktionen des Smartphones wie Remote Wipe, Minimum-Passwort, Lockscreen-Timeout und ähnliches kontrollieren.

Mehr Speed

Für Firmen- wie Privatnutzer gleichermaßen interessant sein sollten die deutlichen Geschwindigkeitssteigerungen von Froyo. Android 2.2 enthält den "Davlik JIT Compiler", der CPU-gebundenen Code gegenüber dem aktuellen Android 2.1 um den Faktor 2 bis 5 beschleunigen soll. Der Android-Browser bekommt mit "V8" die gleiche JavaScript-Engine wie Chrome auf dem Desktop und soll damit im JavaScript-Bereich zwei- bis dreimal so schnell laufen wie der 2.1-Browser.

Außerdem liefert Google in Android 2.2 den neuen Flash Player 10.1 von Adobe mit - und beweist damit, dass man (anders als Apple) sehr wohl sowohl HTML5 vorantreiben als auch Flash unterstützen kann.

Für Nutzer enthält Froyo noch eine Menge weiterer interessanter Neuerungen. Als da zum Beispiel wären:

  • Auf dem Startbildschirm gibt es nun dedizierte Shortcuts für Telefon, Launcher und Browser, die von jeder der weiterhin fünf HomeScreen-Seiten direkt zugänglich sind.

  • Apps lassen sich künftig aus dem Speicher des Geräts auf die SD-Speicherkarte verschieben, wenn man sie gerade nicht braucht. Das ist besonders für Nutzer interessant, die sehr viele Apps installiert haben und denen der Speicher ausgeht.

  • Mit entsprechender Hardware (zum Beispiel Nexus One) kann Android 2.2 das Telefon in einen portablen Wi-Fi-HotSpot verwandeln, über den bis zu acht Geräte mobil via 3G ins Internet gehen können.

  • Froyo unterstützt nun die Installation mehrere Sprachen auf seiner virtuellen Tastatur und das Umschalten zwischen diesen während der Eingabe. Auch das Wörterbuch für die Korrekturvorschläge ändert sich dabei entsprechend.

  • Die Kamera-Anwendung bekommt neue On-Screen-Einstellungen für Zoom, Blitz, Weißabgleich, Geo-Tagging, Fokus und Belichtung. Bei Videoaufnahmen gibt es Presets für Größe und Qualität für YouTube und MMS und die Möglichkeit, den LED-"Blitz" zuzuschalten; in der Galerie kann man nun per Zoom-Geste die Vorschau eines Bilderstapels sehen.

Neue APIs und Dienste

Ein Adroid-Maskottchen auf der Golden Gate Bridge dieser Tage
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Android 2.2 enthält neue Programmierschnittstellen (APIs) für das Backup von Anwendungsdaten in der Cloud. Beim Wechsel auf ein anderes Android-Handy oder nach einem Reset mit Datenverlust lassen sich die Daten dann leicht wiederherstellen. Spannend ist auch das neue "Cloud to Device Messaging", das Android-Anwendungen für mobile Benachrichtigungen, Send to phone und bidirektionales Push verwenden können.

Was den Android Market angeht, können Endnutzer künftig mehrere Programme auf einmal aktualisieren und es einzelnen Apps auch gestatten, sich automatisch auf dem stets aktuellsten Stand zu halten. Entwickler erhalten die Möglichkeit, über den Markt auf Fehlerberichte (Crash- und Freeze-Reports) von Nutzern zuzugreifen.

Und wann kommt Froyo aufs Telefon?

Das Froyo-SDK steht bereits zum Download bereit. Smartphone-Besitzer mit kompatibler Hardware müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden, bevor sie Android 2.2 auf ihr Gerät bekommen. Dem Vernehmen nach sollen zumindest das Google-eigene Nexus One sowie das Motorola Droid noch im Juni das Update erhalten. Bei anderen Telefonen, zum Beispiel denen von HTC mit "Sense"-Oberfläche, dürfte erfahrungsgemäß einige Zeit ins Land gehen.