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Etappensieg gegen Zensur

Google darf in China weitermachen

12.07.2010
Die Zeit des Zitterns ist für Google in China vorerst vorbei.
Nutzer von google.cn müssen nun selbst auf den Link zu google.com.hk klicken.
Nutzer von google.cn müssen nun selbst auf den Link zu google.com.hk klicken.

"Wir bieten unseren Nutzern in China weiterhin die Websuche und lokale Produkte an", teilte der US-Konzern am Freitag in einem Firmenblog mit. Die Betreiberlizenz, die jährlich verlängert werden muss, hing seit Ende Juni in der Schwebe. Die Behörden ließen Google gut eine Woche zappeln, bis sie der Erneuerung schließlich zustimmten.

Für Google ist es ein Erfolg. Der US-Konzern liegt mit Peking wegen der Internetzensur im Streit. Das Unternehmen beugt sich nach einer Hackerattacke nicht mehr den üblichen Bestimmungen. Dadurch stand Googles Schicksal im der boomenden Volksrepublik auf dem Spiel. Die Regierung ist eigentlich bekannt dafür, hart durchzugreifen.

Seit März leitete Google die Suchanfragen auf seiner chinesischen Website google.cn automatisch auf die unzensierte Hongkonger Adresse google.com.hk weiter. Dort sehen die chinesischen Nutzer immerhin die Überschriften aller Suchergebnisse, auch wenn die Behörden unliebsame Inhalte wie Informationen über Tibet oder das Blutvergießen auf dem Platz des Himmlischen Friedens weiterhin blockieren. Die Chinesen hätten dadurch immerhin ein besseres Bild darüber, was ihnen vorenthalten werde, rechtfertigte man bei Google den Kurs.

Vergangene Woche beendete Google diese automatische Weiterleitung - wohl ein Entgegenkommen, um die Lizenz zu retten. Einige Beobachter hatten jedoch angezweifelt, dass dies ausreichen würde, um Peking zu besänftigen. Denn letztlich ändert sich für die Nutzer fast nichts: Die Chinesen müssen jetzt nur selbst auf einen Link klicken, um zur Hongkong-Website zu gelangen.

Zwischenzeitliche Blockaden der Suchmaschine heizten die Spekulationen an, dass Google den Bogen überspannt haben könnte. Gleichzeitig fragten sich viele Beobachter, wie weit der Konzern noch gehen würde, um seine Lizenz zu retten. Google hatte stets darauf gepocht, seine Prinzipien nicht zu verraten.

Google-Mitbegründer Sergei Brin hatte hatte den Kampf gegen die Zensur zu seinem persönlichen Feldzug gemacht. Er, der 1979 im Alter von sechs Jahren aus der Sowjetunion in die USA übersiedelte, sah sich bei der Volksrepublik an das totalitäre Regime seiner alten Heimat erinnert.

Die Google-Lizenz für China läuft im Prinzip bis 2012, sie muss aber jedes Jahr erneuert werden. Auch wenn die Amerikaner in dem Riesenland bislang nur einen geringen Teil ihres Umsatzes einfahren, gilt der Markt doch als Muss für internationale Konzerne. Der Streit mit der Regierung hat Google bereits Marktanteile gekostet. Der chinesische Rivale Baidu konnte den Vorsprung deutlich ausbauen.

Die Auseinandersetzung war im März nach Hackerangriffen auf Google und andere US-Unternehmen eskaliert. In den USA wurde vermutet, dass die chinesische Regierung hinter den Attacken stecken könnte. Unter anderem hatten die Hacker versucht, die E-Mail-Konten von Regimegegnern zu knacken. (dpa/tc)