Mobility-as-a-Service

Google, Apple und Co. fordern Automobilkonzerne heraus

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
IT krempelt die Automobilbranche um, gefragt sind künftig intelligente und ganzheitliche Mobilitätslösungen. Die klassischen Autobauer werden dabei durch Internetkonzerne massiv herausgefordert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine IDG-Studie in Kooperation mit Capgemini.

"Mobilität ist eine Dienstleistung. Kunden erwarten verstärkt, dass ihnen nicht nur ein Automobil, sondern eine komplette 'Mobilitäts-Dienstleistung' angeboten wird." Dieser Aussage stimmt eine große Mehrheit der 321 befragten IT- und Business-Verantwortlichen aus Unternehmen der DACH-Region zu. Ebenso deutlich fällt die Zustimmung zur These aus, dass sich mit dem sogenannten "Connected Car" die Bedürfnisse des Automobilnutzers besser erfüllen lassen.

Inwieweit davon allerdings die klassischen Autobauer profitieren werden, steht auf einem anderen Blatt. Denn durch neue Akteure wie Tesla, Google oder Apple verändert sich der Markt und damit der Konkurrenzdruck: "Die traditionellen Automobilkonzerne sind gefordert, adäquate Antworten auf die (zukünftigen) Angebote neuer Wettbewerber zu finden." Auch dieses Statement halten die meisten Teilnehmer der Online-Befragung für realistisch.

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Car Sharing, ÖPNV und Location-based Services

Doch was macht eigentlich eine "Mobilitätslösung" aus? Für fast zwei Drittel der Interviewten gehört dazu die individuelle Mobilität mit dem eigenen PKW. Noch etwas mehr nennen aber auch die Nutzung von Car-Sharing-Diensten wie DriveNow, Flinkster oder Car2Go. Fast ebenso viele erhoffen sich eine Integration von Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs oder anderer Verkehrsträger wie etwa Fluggesellschaften. Immerhin 58 Prozent wünschen sich standortbasierte Services, die beispielsweise am Reiseziel anzeigen, wo sich der nächste Arzt oder die nächste Apotheke befinden. Das Interesse an derartigen Lösungen sei jedenfalls groß, so die allgemeine Einschätzung.

Mobilitätslösungen - wer macht das Rennen?

Wer macht das Rennen, wenn es darum geht, solche Mobilitätslösungen "aus einer Hand" anzubieten? Am ehesten trauen die Befragten dies Internetkonzernen wie Google oder Apple zu. Gut ein Drittel nennt diese Unternehmensgattung. Klassische Automobilhersteller aus Deutschland werden in diesem Kontext nur von 19 Prozent genannt, dicht gefolgt von "neuen" Automobilherstellern wie Tesla. Einige Teilnehmer vertreten indes die Ansicht, es müssten gänzlich neue Dienstleister oder Kooperationen entstehen, beispielsweise "Mobilitäts-Aggregatoren".

Ganz anders fallen die Antworten auf die Frage aus, welcher Serviceanbieter den Interviewten persönlich am liebsten wäre, wenn es um Kriterien wie Sicherheit, Verlässlichkeit und Verfügbarkeit der Dienstleistungen gehe. Hier würde eine Mehrheit dann doch lieber einem klassischen Automobilhersteller vertrauen, vorzugsweise aus Deutschland.

Das eigene Auto verliert an Bedeutung

Für junge Menschen, die heute im Alter von 15 bis 20 Jahren sind, wird es mittelfristig selbstverständlich sein, derartige Mobilitätsdienste zu nutzen. Auch in diesem Punkt sind sich die Befragten einig. Viele erwarten zudem, dass es für diese Zielgruppe künftig wichtiger sein wird, auf bestimmte Mobilitätsdienste zugreifen zu können, anstatt ein eigenes Auto zu besitzen.

Dass Informationstechnologie generell für die Automobilindustrie stark an Bedeutung gewinnen wird, ist für die große Mehrheit klar erkennbar. Damit, so die breite Einschätzung, würden im IT-Bereich der Automobilhersteller auch viele neue Jobs entstehen.

VW-Abgasskandal und die Folgen

Getrübt wird die allgemeine Aufbruchstimmung allerdings durch den VW-Abgasskandal. So glauben 47 Prozent der Befragten, dass dieser sich auch auf die Geschäftsentwicklung anderer Automobilkonzerne auswirken werde. Fast 50 Prozent sehen darin "einen Weckruf für die Automobilindustrie für mehr Innovation". Einen dauerhaften Imageschaden für die deutsche Automobilwirtschaft erwartet dennoch nur gut ein Drittel der Studienteilnehmer. Mehr als 60 Prozent geben sich optimistisch.

Studiensteckbrief "Mobility-as-a-Service"

Grundgesamtheit: IT- und Business-Verantwortliche aus Geschäftsführung und Vorstand sowie in leitender Funktion aus dem IT- sowie weiteren Fachbereichen in Unternehmen der DACH-Region.

Methode: Online-Befragung
Stichprobe: 321 Umfrageteilnehmer
Untersuchungszeitraum: 26. Oktober bis 6. November 2015
Studienpartner: Capgemini
Durchführung: IDG Business Research Services