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Google ärgert Provider mit WLAN-Plänen

04.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Suchmaschinenanbieter hat sich an einer Ausschreibung beteiligt, bei der es um die Errichtung eines flächendeckenden drahtlosen Internet-Zugangsnetzes für San Francisco geht. Neben Google bietet eine ganze Reihe von Firmen mit, unter anderem der Internet-Service-Provider Earthlink. Letzterer hatte unlängst eine Ausschreibung für ein ähnliches Netz in der amerikanischen Metropole Philadelphia gewonnen.

Das WLAN-Projekt der kalifornischen Stadt sieht kostenlose Netzzugänge für alle Bürger vor. Sie könnten dann natürlich nicht nur surfen, sondern auch via IP-Netz telefonieren.

Wer den Zuschlag erhält, steht zwar noch nicht fest. Ferner ist noch nicht bekannt, ob und wie viel die Stadt für den Dienst zu zahlen hat. Doch machen die Ambitionen des Search-Engine-Betreibers deutlich, dass Internet-Firmen die klassischen Telekommunikationsfirmen angreifen wollen. So verwundert es nicht, dass Telefonunternehmen wie SBC Communications und Verizon sowie Kabelnetzbetreiber wie Comcast gegen die Ausschreibung wettern.

An WLAN-Angeboten arbeitet Google schon länger. Unlängst sickerten Informationen über Tests eines Dienstes namens "Google WiFi" durch (siehe Plant Google einen WLAN-Dienst?).

Kostenlose Dienste anzubieten, für die andere Firmen Gebühren erheben, gehört zu Googles Geschäftsmodell. Die Firma hatte mit "Gmail" einen kostenfreien E-Mail-Service ins Netz gestellt, der Anwendern bis zu zwei Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung stellt. Konkurrenten verlangen für soviel Platz noch immer Geld.

Doch ähnlich wie bei Gmail agiert Google auch beim kostenfreien WLAN-Netz für die kalifornische Stadt nicht aus reiner Nächstenliebe. Manager des Unternehmens hoffen, über die Netzzugänge noch mehr Werbung verkaufen zu können. Zudem könnten auf diese Weise Location-based Services in Verbindung mit dem Kartendienst "Google Maps" vermarktet werden.

Ein weiterer kostenloser Service, "Google Talk", gestattet es Anwendern, via Web sowohl zu chatten als auch zu telefonieren. Damit trat der Suchmaschinenanbieter in Konkurrenz zum Voice-over-IP-Anbieter Skype (siehe Google will Skype Konkurrenz machen). Auch andere Internet-Firmen suchen nach Wegen, in den Telefonmarkt einzusteigen. Das Auktionshaus Ebay hatte vor einigen Wochen Skype übernommen (siehe Ebay schluckt Skype).

Für Google ist das Suchmaschinengeschäft der Ausgangspunkt für weitere Internet-Aktivitäten (siehe den Hintergrundartikel Googles Strategie gibt Anlass zu Spekulationen). (fn)