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Gefeuerter Mandriva-Gründer wehrt sich

17.03.2006
Gael Duval will gerichtlich gegen seine Kündigung vorgehen. Es habe keine ökonomischen Gründe für die Entlassung gegeben.

Die Entlassung von Gael Duval bei Mandriva (Hintergrundbericht hier) dürfte ein Fall für das Arbeitsgericht werden. Der Initiator der Linux-Variante Mandrake und Mitbegründer des Pariser Distributors Mandrakesoft, aus denen nach dem Zusammenschluss mit Conectiva Mandriva hervorgegangen ist, kündigte in seinem Blog juristische Schritte an: "Ich werde Mandriva wegen unberechtigter Kündigung (abusive lay-off) verklagen; denn ich bezweifle, dass der Grund der Kündigung in meinem Fall ökonomischer Art war."

Das französische Linux-Unternehmen hatte die Kündigung von Duval und einigen anderen Mitarbeitern mit schlechten wirtschaftlichen Ergebnissen begründet. Duval ist hingegen der Ansicht, dass die Personalpolitik des Managements unter CEO Francois Bancilhon falsch war. So habe man trotz der sich abzeichnenden schlechten Zahlen 2005 und 2006 Personal eingestellt, sich von diesen allerdings jetzt nicht getrennt.

Als wahren Grund für seine Entlassung sieht Duval ein Zerwürfnis mit Bancilhon. "Meine Beziehungen zu dem gegenwärtigen CEO waren nicht exzellent." Bancilhon hatte ihn schon im vergangenen Jahr zum Rückzug aus dem Unternehmen aufgefordert. Als Kompromiss musste Duval seinen Job als Communications-Chef aufgeben. Seither kümmerte er sich als Leiter des neu geschaffenen Bereichs Community um die Beziehungen zu den unabhängigen Entwicklern. Duval: "Ich hätte meine Entlassung vorhersehen sollen, denn der Wechsel meiner Aktivitäten bei Mandriva untergrub meine Position."

Duval zeigt sich tief enttäuscht darüber, dass ihm sein Lebenswerk genommen wurde: "Mehr als sieben Jahre, nachdem ich Mandrake-Linux und später Mandrakesoft geschaffen habe, dankt mir der gegenwärtige Boss von Mandriva - und ich bin draußen mit der Standardabfindung von zwei Monatsgehältern."

Enttäuscht zeigt sich auch die Mandriva-Community. Sie hat nicht nur zur Weiterentwicklung von Mandriva beigetragen, sondern in dem von Duval organisierten "Mandriva Club" durch Zahlung von Subskriptionsgebühren dem Distributor auch erhebliche Einnahmen beschert. Die Entlassung Duvals kann als Abkehr Mandrivas von der Community verstanden werden. Ein Mitglied kommentiert, daraus lasse sich schließen, dass der Support durch die Community "als unnötig aufgegeben" wurde. "Was nun? Wahrscheinlich weitere Kommerzialisierung: Anteilseigner brauchen im Allgemeinen keine Community und andere nicht an Profit orientierten Dinge; die sind ihnen egal."

Duval bestätigt diese Befürchtung. Der Mandriva Club sei im Unternehmen nicht "main policy" gewesen. "Die Schließung der Community-Abteilung sagt meines Erachtens viel über die gegenwärtige Politik aus." Er habe das Gefühl, Mandriva fokussiere "mehr und mehr auf Firmenkunden" und würde dabei "die Wurzeln aufgeben". Gleichzeitig sei das Unternehmen aber von den Codebeiträgen der Entwickler-Community abhängig. Alles in Allem sei dies "eine unscharfe Strategie".

Der Mandrake-Initiator will sich jetzt mehr um "Ulteo" kümmern. Dies ist ein Projekt zur Schaffung eines Open-Source-Betriebssystems, das sehr einfach zu benutzen sein soll. Eine Betaversion ist für "bald" angekündigt. Schon während seiner Zeit bei Mandriva hatte Duval in seiner Freizeit an dem Projekt mitgearbeitet. (ls)