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Gebühren für US-Web-Radiosender stehen fest

21.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - James Billington, der Librarian of Congress der USA, hat gestern die endgültigen Gebühren festgesetzt, die Web-Radiosender für die Wiedergabe von Musikstücken an Plattenlabels und Künstler zahlen sollen. Ursprünglich waren für reine Internet-Sender hier 14 Cent pro Song und Hörer vorgesehen, dies war aber nach massiven Protesten der Sender gescheitert (Computerwoche online berichtete). Insbesondere kleinere Anbieter sahen sich in ihrer Existenz bedroht.

Billington setzte als neuen Preis nun sieben Cent fest. Diese Gebühr soll für reine Internet-Radios ebenso gelten wie für traditionelle Broadcaster, die ihr Programm zusätzlich über das Netz verbreiten. Jonathan Potter von der Digital Media Association geht davon aus, dass auch die auf die Hälfte reduzierte Gebühr noch einen "signifikanten Shakeout" unter den Webcasting-Firmen nach sich ziehen wird. Rob Glaser, CEO von Real Networks, begrüßte die Senkung prinzipiell. Er sieht allerdings strukturelle Probleme bei der Regelung, die er lieber umsatzgebunden gehabt hätte.

Die National Association of Broadcasters erklärte, die Gebühr belege das Radio-Streaming im Internet mit einer "prohibitiven finanziellen Last" und bedeute wahrscheinlich das Ende dieses gerade flügge werdenden Dienstes für die Hörer. Die Recording Industry Association of America (RIAA) sieht das naturgemäß anders. Künstler und Plattenfirmen würden nun das Webcasting-Geschäft großer Internet- und Radiofirmen unterstützen, und die Gebühr spiegele noch keineswegs den fairen Marktwert der Musik wider, wie er vom Gesetz versprochen sei. Die Musikindustrie hatte eine noch höhere Gebühr gefordert als die im Februar von einer Schlichtungskommission angesetzten 14 Cent.

Nach Erhebungen von Arbitron and Edison Media Research haben 28 Prozent aller US-Bürger ab zwölf Jahren schon einmal Radio-Streams im Internet gelauscht. (tc)