14,3 Prozent Wachstum 2010

Gartner senkt seine Prognose für den PC-Markt

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Die Marktforschungs- und Beratungsfirma Gartner hat ihre Prognose für das Wachstum des PC-Markts 2010 auf 14,3 Prozent gesenkt.

Noch Ende September hatten die Auguren ein Plus von 17,9 Prozent in Aussicht gestellt. Gartner geht nun aktuell noch davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt 352,4 Millionen PCs verkauft werden.

Auch für das kommende Jahr 2011 haben die Experten ihre Prognose für den PC-Markt zurückgenommen. Sie erwarten nun 409 Millionen verkaufte Rechner, das wären 15,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die vorige Prognose lag bei 18,1 Prozent Wachstum.

"Die gesenkten Erwartungen für die kurzfristige Verbrauchernachfrage sind nicht zuletzt durch das wachsende Nutzerinteresse an Media Tablets wie dem iPad begründet", kommentiert Ranjit Atwal, Research Director bei Gartner. "Auf längere Sicht dürften Media Tablets bis zum Jahr 2014 rund zehn Prozent der PC-Stückzahlen ersetzen."

Der Trend zum Tablet ist aber nicht das einzige Problem im PC-Markt, so Gartner weiter. "PCs werden weiterhin als Notwendigkeit betrachtet. Jedoch schlagen sich die Unfähigkeit der Industrie zu signifikanter Innovation (wir werfen als Stichworte mal Intel und USB 3.0 ein, Anm. d. Red.) und ihre übermäßige Abhängigkeit von einem Geschäftsmodell, das Volumen nur durch Preisverfall treibt, nun doch auf die Fähigkeit der Branche nieder, immer neue Austauschzyklen anzuschieben", konstatiert Gartners Research Director George Shiffler.

Mit dem Abflauen des PC-Markts werden aus Sicht des Experten eher die Hersteller die Zukunft diktieren, die sich durch Services und technische Innovation von Wettbewerb differenzieren, als nur Stückzahl und Preis. Aber selbst dann stünden auch führende Hersteller noch vor dem Problem, den "Glanz" des PC zu retten vor innovativeren Produkten, die bessere dedizierte Fähigkeiten mitbringen, resümiert Shiffler.

Gartner hat fünf Dynamiken ausgemacht, die der PC-Branche zu schaffen machen:

  • Das Geschäft verlagert sich immer stärker in Schwellenmärkte. Dort sind nicht nur die Preise niedrig, sondern auch die Chancen hoch, das Consumer den PC einfach auslassen und gleich auf alternative Geräte setzen.

  • Die Verbraucher haben weniger Geld und sind angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit vorsichtiger mit Ausgaben. Als größere Gefahr sieht Gartner indes, dass die Consumer aktuell und womöglich sogar längerfristiger lieber zum Media Tablet als zum PC greifen.

  • Media Tablets nähern sich in ihren Möglichkeiten stärker herkömmlichen PCs an. Entsprechend steigt ihr "Verdrängungspotenzial", speziell mit Blick auf Mini-Notebooks / Netbooks.

  • Mit dem Aufkommen der "Emerging Devices" à la iPad verlängern sich die durchschnittlichen PC-Lebenszyklen. Traditionelle PC-Fähigkeiten werden über mehr Geräte verteilt, und PCs müssen weniger häufig ersetzt werden als bisher.

  • Die Neubeschaffung im Unternehmensumfeld sieht Gartner durch ein stärkeres Aufkommen von Thin Clients - das können auch "refurbished" ältere PCs sein- für den Zugriff auf Hosted Virtual Desktops (HVD) bedroht. HVDs dürften sich aber frühestens 2010 auf breiterer Front etablieren, also ein eher mittelfristiger Trend.