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Websites aufwerten

Friend Connect: Data Portability à la Google

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Zunächst nur für ausgewählte Nutzer hat Google seinen neuen Service "Friend Connect" gestartet.

Friend Connect ist eine praxisorientierte Umsetzung der Programmierschnittstelle (API) OpenSocial. Betreiber einer Website, die per se kein trendiges Social Network ist, können damit ihre Web-Präsenz ohne Programmierkenntnisse um soziale Funktionen ergänzen. Ein YouTube-Video sagt dazu wieder einmal mehr als tausend Worte.

Google bietet über Friend Connect Dutzende sogenannter Gadgets (von Google und auch anderen OpenSocial-Entwicklern) an, die Site-Betreiber in ihr Angebot übernehmen können. Sie müssen dazu lediglich die von Google bereitgestellten Code-Schnipsel ("snippets") in den Quellcode ihrer Seiten einfügen.

Das Angebot umfasst beispielsweise Mitgliederverwaltung, ein "schwarzes Brett" für Nachrichten, Rezensionen oder Bilder-Sharing. Das wichtigste Gadget ist dabei laut Google das "Members"-Gadget. Dieses ermöglicht unter anderem die Anmeldung mit vorhandenen Konten (Google, Yahoo!, AIM, OpenID), das Einladen und Anzeigen von Aktivitäten für vorhandene Freunde aus sozialen Netzen wie Facebook, Google Talk, hi5, orkut, Plaxo oder LinkedIn, das Durchsuchen von Mitgliederprofilen über Social Networks hinweg sowie Verbindungen mit neuen Freunden über die eigene Site.

Die Verbindung des Members-Gadgets mit ergänzenden sozialen Applikationen soll dem Site-Betreiber unter anderem mehr Traffic bescheren. Angemeldete Besucher können ihre Bekannten in anderen Netzen einladen oder durch ihre Aktivitäts-Feeds anlocken, Google stellt die nötige Infrastruktur bereit, um sowohl Website-Besitzern als auch deren Besuchern das soziale Leben im Netz möglichst einfach zu machen.

Interessierte Website-Betreiber können sich auf eine Warteliste für die Nutzung von Friend Connect setzen lassen (das Formular funktioniert derzeit aber offenbar nicht). Im Laufe der kommenden Monate soll der neue Service dann allgemein verfügbar gemacht werden.

"Soziale Fähigkeiten werden Teil der Infrastruktur des Web", sagte David Glazer, Director of Engineering bei Google, zur Vorstellung vor Friend Connect. "Sie sind nicht länger an bestimmte Websites, Freundeskreise oder Anwendungsarten gebunden. Das Web bewegt sich in Richtung eines Endzustandes, wo Menschen beliebige Applikationen auf beliebigen Sites mit all ihren Freunden benutzen können."

Die in den USA führenden Social Networks MySpace und Facebook hatten in der vergangenen Wochen ebenfalls Ankündigungen in Richtung Data Portability gemacht. Die Nutzer sind es auch einfach Leid, ihre Daten, Inhalte und Verbindungen auf jeder Site neu einzugeben.

Ein einfaches "Mitnehmen" der Informationen ist aus Sicht des Gartner-Analysten Ray Valdes allerdings noch ein Stück Zukunftsmusik. Noch gebe es schwerwiegende technische und operationale Hürden, die unter anderem die Data-Portability-Arbgeitsgruppe aus dem Weg zu räumen versuche, sagt der Experte.

Derzeit offerierten die verschiedene Social-Networking-Anbieter primär sogenannte Data Availability - sie ließen ihre Nutzer zwar auf ihre Daten zugreifen und diese auch anderswo bereitstellen, hielten sie aber weiterhin auf ihren eigenen Servern vor. "Das ist für den Moment der pragmatischste Ansatz", so der Gartner-Mann.

Ein ideales Data-Portability-Szenarion hingegen würde dem Nutzer die volle Kontrolle über seine sozialen Profildaten geben, unabhängig von irgendeiner bestimmten Website. (tc)