Badische Großstadt baut WLAN-Hotspot in Eigenregie

Freies WLAN für Pforzheim

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Das badische Pforzheim gehört mit zu den ersten deutschen Großstädten, die in ihrer City ein kostenloses WLAN offerieren können. Der offizielle Startschuss zum Betrieb des Funknetzes fällt heute.
In Eigeninitiative haben neun Firmen in Pforzheim ein "Freies WLAN" aufgebaut.
In Eigeninitiative haben neun Firmen in Pforzheim ein "Freies WLAN" aufgebaut.
Foto: PF-WLAN.de

Mit einem kostenlosen WLAN in der City und ausgewählten Randbezirken will Pforzheim seine Attraktivität steigern. Die vor allem für ihre Schmuckindustrie bekannte Stadt am Rande des Nordschwarzwaldes hat nämlich ein Problem: An der Grenze zwischen Baden und Schwaben locken sowohl Karlsruhe als auch Stuttgart mit Arbeitsplätzen für Fachkräfte. Zudem gehört Pforzheim städtebaulichh nicht unbedingt zu den Vorzeigekommunen, nachdem 98 Prozent des Stadtgebiets im zweiten Weltkrieg durch ein Bombardement zerstört wurden.

Bis zu 300 MB Datenvolumen pro Monat stehen den Nutzern nach der Registrierung kostenlos zur Verfügung.
Bis zu 300 MB Datenvolumen pro Monat stehen den Nutzern nach der Registrierung kostenlos zur Verfügung.
Foto: PF-WLAN

Dass die Stadt zumindest in Sachen Internet und Mobility an Attraktivität gewonnen hat, verdankt sie letztlich neun ortsansässigen Firmen. Diese schlossen sich im Jahr 2011 zur "Medien-/IT-Initiative Pforzheim" zusammen. Die Initiative versteht sich eigenen Angaben zufolge als ein Verbund mittelständischer "Hidden Champions", die in ihrem Fach zur Weltspitze zählen und sich dabei klar zur Region bekennen. Auch die "Pforzheimer Zeitung", das bekannteste Unternehmen der Region, gehört dem Verbund an. Mit dem Projekt "Freies WLAN" (kurz PF-WLAN) wollen die Initiatoren auch zeigen, welches Potenzial in der Stadt steckt, um so Fachkräfte zu gewinnen beziehungsweise in der Stadt zu halten.

Im Gegensatz zu anderen WLAN-Hotspot-Projekten ist das Vorhaben in Pforzheim ein Non-Profit-Projekt. "Wir verbinden kein wirtschaftliches Ziel damit - allenfalls das, mit PF-WLAN für Pforzheim zu werben und so in den Standort und seine Attraktivität zu investieren", erklärt Carsten Kraus, Geschäftsführer von Omikron und Mitglied im Beirat des Vereins PF-WLAN e.V. Zum Betrieb des WLANs haben die Pforzheimer nämlich den Verein PF-WLAN e.V. gegründet. In dessen Vorstand und Beirat sind Repräsentanten der öffentlichen Hand wie auch der regionalen Wirtschaft vertreten. Der Verein selbst hat die Firma Skytron, einen regionalen Internet-Anbieter, mit dem Aufbau und Betrieb des WLAN-Netzes beauftragt. Skytron übernimmt auch die Betreiberhaftung. Der Ausbau von PF-WLAN setzt auf dem bestehenden Skytron-Grundnetz in Pforzheim auf. Das zusätzliche WLAN-Equipment wurde als Investition von den Gründungsmitgliedern selbst gestemmt, wobei sie Unterstützung von der Sparkasse Pforzheim Calw und der Stadt Pforzheim erhielten. Auch die Betriebskosten für die ersten drei Jahre sind bereits gedeckt. Später will man den Betrieb mit Hilfe von Sponsoren finanzieren.

Zu Beginn deckt der Hotspot primär die City ab. Die Technik ist aber für eine einfache Erweiterung ausgelegt.
Zu Beginn deckt der Hotspot primär die City ab. Die Technik ist aber für eine einfache Erweiterung ausgelegt.
Foto: PF-WLAN.de

Wer das öffentliche WLAN nutzen will, muss sich per E-Mail-Adresse und Handynummer registrieren. Via SMS erhält der User dann den Zugangscode. Bis zum Aufbrauchen des monatlichen Freikontingents von 300 MB kann der User dann mit bis zu 300 Mbit/s je nach Gerät und Empfangssituation surfen. Ist das Volumen verbraucht können Poweruser bei 1GB für 8,99 Euro kaufen oder eine unlimitierte Flatrate für 19,99 Euro pro Monat erwerben. Entscheidet sich der User für keine dieser Optionen, wird seine Geschwindigkeit nach dem Verbrauch des Volumens gedrosselt.

Beim PF-WLAN-Verein ist man noch auf eine Besonderheit stolz: Das Konzept ist skalierbar angelegt. So sei die Technik später in der Lage, eine unbegrenzte Anzahl von zusätzlichen Hotspot/Access-Point-Betreibern aufzunehmen. Damit könnten dann Gaststätten, Friseure oder Cafés, aber auch Arztpraxen, Krankenhäuser oder Verkehrsbetriebe an dem PF-WLAN mitmachen und so die Abdeckung vergrößern.