Freiberufler sind verstärkt gefragt

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Ob als Programmierer, in SAP-Projekten oder als Datenbank-Profis – Unternehmen setzen zunehmend auf Freiberufler, um Engpässe zu überbücken oder um Kosten zu senken.

Der Einsatz flexibler Arbeitskräfte wird in den Unternehmen offenbar immer beliebter. Laut der aktuellen Studie zum Einsatz externer Mitarbeiter, die der Personaldienstleister Hays AG jüngst in Auftrag gab, setzt bereits jedes dritte Unternehmen in Deutschland über zehn Prozent Externe ein – Tendenz steigend. Eine Vorreiterrolle beim Einsatz von Freiberuflern spielen Unternehmen aus der IT-, Automobil- und Maschinenbau-Branche. Vor allem die Entscheider aus der ITK-Branche sind mit dem Einsatz Externer sehr zufrieden (75 Prozent). Freiberufliche IT-Profis sollen helfen, Engpässe zu überbrücken und ihr Spezialistenwissen, wo immer es benötigt wird, zur Verfügung zu stellen. Hays-Chef Dieter Dürr: „Externe Mitarbeiter ergänzen oft das bereits im Unternehmen vorhandene Wissen durch ihre Erfahrungen. Dadurch entsteht eine gesunde Balance.“

In der IT gehören Freiberufler zum beruflichen Alltag. Laut Hays-Studie befinden sich in der Gesamtbelegschaft von nahezu jedem dritten IT-Unternehmen mehr als 20 Prozent flexible Arbeitskräfte. Da sich dieser Anteil in den letzten zwölf Monaten bei 39 Prozent der befragten Unternehmen aus der ITK-Branche deutlich erhöht hat, glaubt der Personaldienstleister an eine weiter steigende Tendenz. Dürr: „IT-Profis werden zurzeit von Anwenderunternehmen und Beratungshäusern gleichermaßen dringend gesucht. Davon profitieren naturgemäß auch externe Spezialisten.“ Besonders benötigt werden Spezialisten in der Programmierung (78 Prozent), in der Entwicklung von Standardsoftware (78 Prozent), im Bereich Datenbanken (55 Prozent) sowie Java (50 Prozent). Ganz oben bei den inhaltlichen Schwerpunkten steht die Implementierung beziehungsweise Umsetzung der einzelnen Projekte (90 Prozent). An zweiter Stelle nannten die befragten IT-Verantwortlichen die Konzeption, gefolgt vom Projekt-Management.

Dass SAP-Spezialisten als Freiberufler sehr begehrt sind, verwundert nicht. Schließlich stehen sie auch als Festangestellte auf der Prioritätenliste der Unternehmen ganz weit oben. 57 Prozent der Befragten der Hays-Untersuchung gaben an, IT-Projekte im Bereich SAP mit Hilfe flexibler Ressourcen abzuwickeln. Vorrangig werden die selbständigen SAP-Experten in der Entwicklung (47 Prozent) und in der Administration (35 Prozent) eingesetzt.

Ob sich auch die Stundensätze der flexiblen Arbeitskräfte verbessern werden, bleibt laut Hays ungewiss. Nur zehn Prozent der ITK-Unternehmen verzeichneten in den vergangenen zwölf Monaten eine Steigerung von über fünf Prozent, die Hälfte stellte keine Veränderung fest. In einem Punkt sind sich die 175 befragten Entscheider größerer Unternehmen aus den zentralen Branchen indes einig: Gesucht werden vor allem qualifizierte Fachkräfte mit Hochschulabschluss. Ein Ergebnis, das sich mit den Anforderungen an die Festangestellten durchaus deckt.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: Die deutliche Mehrheit der befragten IT-Entscheider glaubt, dass flexible Arbeitskräfte feste Beschäftigungsverhältnisse nicht verdrängen werden. Hier hat die ITK-Branche im Vergleich zu anderen Branchen, wie beispielsweise Banken oder Automobilunternehmen, mit weitem Abstand den höchsten Wert. Diese Aussage stimmt mit den Antworten überein, dass nur ein Viertel der Entscheider plant, mit dem Einsatz flexibler Arbeitskräfte Kosten zu senken. Um Externe zu akquirieren, nutzen die Entscheider vorrangig externe Personaldienstleister. Nicht nur die große Auswahl an Externen spielt hierbei eine Rolle, sondern auch die Rechtssicherheit, die diese Dienstleister bieten können.