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France Télécom macht Mobilcom-Chef ein Angebot

25.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - France Télécom hat Mobilcom-Chef Gerhard Schmid überraschend ein Angebot für einen Großteil seiner Aktien unterbreitet. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" soll Schmid für jeden Mobilcom-Anteil 2,75 Aktien von France Télécoms Mobilfunktochter Orange erhalten. Dies entspricht einem Kaufpreis von rund 22 Euro pro Aktie, neun Euro über dem Kurswert am Freitag. Die Offerte wurde unter Mithilfe von Banken unterbreitet, die das Mobilcom-Paket halten und erst später an den französischen TK-Konzern weiterverkaufen könnten. Somit würde die mit mehr als 60 Milliarden Euro verschuldete France Télécom zunächst nicht weiter belastet, könnte aber beim geplanten Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland nach eigenem

Gutdünken vorgehen. Die beiden Kooperationspartner streiten seit Monaten über die erforderliche Höhe der Investitionen: Während Schmid den Netzaufbau zügig vorantreiben will und von seinem Partner eine Finanzspritze von 1,3 Milliarden Euro fordert, rechnet France Télécom mit einer Marktbereinigung und will bis Ende 2003 höchstens 500 Millionen Euro investieren. Außerdem soll Mobilcom mit einem anderen Mobilfunkanbieter kooperieren.

Schmid setzte seinen Counterpart Michel Bon am Donnerstag unter Druck, als er ihm öffentlich zum Kauf seiner 33-prozentigen Beteiligung aufforderte. Der Mobilcom-Chef übte damit frühzeitig seine Option aus, ab November 2003 seine Mobilcom-Aktien an France Télécom zu verkaufen. Schmid begründete den Schritt mit unüberwindbaren Differenzen zwischen den beiden Unternehmen und drohte mit rechtlichen Schritten, falls France Télécom nicht auf das Angebot eingeht. Eine direkte Übernahme hatte Bon jedoch abgelehnt, Finanzvorstand Jean-Louis Vinciguerra schloss dagegen den Erwerb der Beteiligung über ein Bankenkonsortium nicht aus.

Nach dem Bekanntwerden des Übernahmeangebots kletterte der Kurs der Mobilcom-Aktie bis Mittag um über 16 Prozent auf 15,68 Euro. Der Wert des France-Télécom-Papiers fiel dagegen um zwei Prozent. (mb)