Diversifizierung

Foxconn schaut verstärkt über den Apple-Tellerrand

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Der Auftragsfertiger Hon Hai Precision Industry, bekannter als Foxconn, will sich aus seiner starken Abhängigkeit von Apple befreien.
Parade auf dem Sportplatz einer Foxconn-Schlafstadt in China
Parade auf dem Sportplatz einer Foxconn-Schlafstadt in China
Foto: Foxconn

In den vergangenen Jahren hat der taiwanische Konzern mit dem Zusammenbau von iPhones und iPads für Apple ein Vermögen verdient. Jetzt bekommt Foxconn aber zu spüren, dass Apple unter wachsenden Konkurrenzdruck gerät. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge bemüht sich Hon Hai deswegen aggressiv um neue Kunden und hält nach Möglichkeiten Ausschau, über das Contract Manufacturing hinaus zu diversifizieren.

Dazu plant Foxconn unter anderem Investitionen in Medien-Inhalte und Software. Außerdem prüfe das Unternehmen ein Sortiment von Elektronikzubehör unter eigener Marke, um seine Gewinnmargen zu erhöhen, zitiert das Blatt mit den Details vertraute Manager.

Hon Hai betreibt die meisten seiner Fabriken in Festland-China. Seinen Umsatz bricht das Unternehmen nicht nach Kunden herunter; Analysten schätzen aber den Anteil von Apple daran - im vergangenen Jahr waren das rund 130 Milliarden US-Dollar - auf rund 50 Prozent. Das Umsatzplus fiel 2012 mit 13 Prozent deutlich geringer aus als die 53 Prozent aus dem Jahr 2010 (damals kam das erste iPad auf den Markt).

"Weil unsere Produktionskapazität so massiv gewachsen und mit bestehenden großen Markenkunden nicht viel Auftragswachstum zu machen ist, müssen wir unsere Kundenbasis aktiv erweitern, um unser Fertigungsvolumen zu steigern", erklärte ein Hon-Hai-Manager gegenüber dem "WSJ". Neben Apple baut Foxconn unter anderem PCs für Hewlett-Packard (HP), Playstations für Sony und Mobiltelefone für Nokia zusammen. Bei vielen dieser Kunden ist der Absatz in den vergangenen Quartalen zurückgegangen; vom starken mobilen Wachstum bei Samsung konnten die Taiwaner nicht profitieren, weil Samsung nicht an sie auslagert.

"Der Contract-Manufacturing-Gigant stößt an Wachstumsgrenzen", sagt der Yuanta-Research-Analyst Vincent Chen. "Er fühlt definitiv einen starken Druck, sein Geschäft und seine Kunden zu diversifizieren, weil das Wachstumsmoment seines Schlüsselabnehmers Apple nachlässt." Apple hatte im Ende März abgeschlossenen zweiten Fiskalquartal seinen ersten Gewinnrückgang seit zehn Jahren ausgewiesen.