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Forrester: Offshore-Nachzügler werden zu Übernahmekandidaten

19.08.2004
Forrester erwartet, dass bis zum Jahr 2015 in Europa 1,2 Millionen IT- und Dienstleistungs-Arbeitsplätze durch Offshoring verloren gehen.

Das Marktforschungsinstitut Forrester Research hat gestern die Studie "Two speed Europe: Why one million jobs will move offshore" veröffentlicht und postuliert darin, das in Europa bis zum Jahr 2015 rund 1,2 Millionen IT- und Dienstleistungs-Jobs durch Verlagerung ins kostengünstigere Ausland wegfallen werden. Darunter sollen 150.000 klassische IT-Positionen, 100.000 IT-verwandte Bürojobs (Dateneingabe etc.) sowie 74.000 Management-Funktionen sein.

Dabei, so erwartet Forrester, werde Großbritannien eine Vorreiterrolle einnehmen und in der Folge auch als erstes Land voll die Vorteile des Offshoring ausnutzen können. 760.000 Arbeitsplätze, drei Prozent aller Stellen insgesamt, sollen bis 2015 Großbritannien ins Ausland abwandern. Es folgen Deutschland mit 140.000 und Jobs sowie Frankreich und Italien mit "ungefähr parallelen" Zahlen. Die geringsten Offshoring-Auswirkungen erwartet Forrester für Irland, Griechenland, Spanien und Portugal.

Unternehmen aus Ländern, die mit dem Offshoring zu lange warteten - hier nennt der Studienautor Andrew Parker explizit Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande - setzten ihre Profitabilität aufs Spiel, speziell in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Automobil- und Luft/Raumfahrtindustrie. Solche "Nachzügler" würden dann verwundbar für Übernahmen aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Für gefährdet hält Parker beispielsweise die Deutsche Bank, Crédit Agricole oder die Allianz.

Parker erwartet, dass Deutschland und Frankreich ihr Offshoring erst ab dem Jahr 2007 intensivieren werden. Damit verpassten sie das optimale Timing zur Verlagerung der Arbeitsplätze nach Indien und könnten nicht mehr von dem dort zurzeit noch günstigen Kosteniveau und vorhandenen Expertise profitieren. Um trotzdem Kosteneffekte zu erzielen, müssten sie dann nach China und in andere Länder ausweichen.

Für den IT-Dienstleistungssektor prognostiziert Parker weitere Übernahmen und Fusionen. Dazu trage insbesondere die schwächelnde Konjunktur bei, die die Aktienkurse der IT-Serviceanbieter drücke. Diese bekämen überdies immer stärker den Konkurrenzdruck aus Indien zu spüren. Mit der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit würden dann auch Unternehmen wie IDS Scheer oder die französische Altran zu Übernahmekandidaten. (tc)