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Flexible Personalkosten durch softwaregenerierte Arbeitspläne

03.01.2007
In einigen US-Handelsketten bestimmt ein Scheduling-System, wann welche Mitarbeiter wo gebraucht werden.

Noch in diesem Jahr will der Handelsriese Wal-Mart mit Hauptsitz in Bentonville, Arkansas, die Arbeitspläne seiner Angestellten flächendeckend durch ein softwaregestütztes Scheduling-Optimization-System erstellen lassen. Er eifert damit anderen Handelsunternehmen wie Radio-Shack Corp., Mervyns LLC und Payless Shoesource Inc. nach.

Wie die heutige Ausgabe des Börsenblatts "The Wall Street Journal" meldet, will Payless sein System Ende Januar in 300 seiner 4000 Läden installiert haben. Entworfen wurde es von dem auf Workforce-Management spezialisierten Softwareunternehmen Kronos Inc. aus Chelmsford, Massachusetts. Mit Hilfe der Kronos-Software lassen sich die Verkäufe, Transaktionen und Kundenkontakte jedes einzelnen Ladens im Abstand von 15 Minuten kontinuierlich erfassen; über sieben Wochen gemessen und mit den Daten aus dem Vorjahr abgeglichen, bilden diese Informationen die Basis für die Berechnung der Arbeitspläne.

"Wir wollen bessere Voraussagen darüber bekommen, wann die Kunden in unseren Läden sind", erläuterte Larry Leibach, Projekt-Management-Direktor bei Payless, gegenüber dem "Wall Street Journal". Denn mit Hilfe eines Arbeitszeitoptimierungs-Werkzeugs lässt sich die Mitarbeiterstärke dem prognostizierten Kundenaufkommen anpassen. In der Regel reicht in den frühen Morgenstunden eine kleine Belegschaft, während zur Mittagszeit und vor allem zur Rush-hour am frühen Abend deutlich mehr Mitarbeiter benötigt werden. Aber diese Daumenregel variiert je nach Lage des Marktes und Sozialstruktur der Kundschaft.

Es leuchtet ein, dass die Handelsunternehmen immer genau so viele Mitarbeiter an Bord haben wollen, wie tatsächlich gebraucht werden. Scheduling-Optimization-Software, die neben Kronos beispielsweise auch von Cybershift und Workbrain angeboten wird, stellt für sie ein Mittel dar, ihren Angestellten flexible Arbeitszeiten zu verordnen, also aus Fixkosten variable Ausgaben zu machen.

Bei den Betroffenen stößt dieses Ansinnen jedoch auf Widerstand. Die Mitarbeiter befürchten, dass auf diese Weise ihre Gesamtarbeitszeit verringert, also ihr Einkommen geschmälert werden soll. Zudem könnten sich die Wochenstunden auf mehr Arbeitstage verteilen als bisher, was unter anderem mehr Fahrzeit zu und von der Arbeit bedeuten würde. Vor allem aber wird die Arbeitszeit beinahe unplanbar. Besonders hart trifft es diejenigen, von denen verlangt wird, sich zu bestimmten Zeiten einsatzbereit zu halten, ohne dass sie für diese Wartezeit bezahlt zu würden.

Paul Blank, Kampagnendirektor der gewerkschaftsfinanzierten Initiative "WakeUpWalMart.com", attestiert dem neuen Scheduling-System "verheerende Folgen" für die 1,3 Millionen Wal-Mart-Angestellten: "Der Computer versucht, möglichst viele Teilzeit- und möglichst wenig Vollzeitmitarbeiter zu erzeugen. Er legt dabei das Augenmerk auf die niedrigsten Arbeitskosten, ohne irgendwelche Rücksicht auf die Lebensqualität der Mitarbeiter zu nehmen." (qua)