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Fiscus-Manager legen Rettungsplan vor

31.08.2005
Ein Management Buy-Out-Team hat sein Konzept zur Rettung des IT-Dienstleisters Fiscus vorgestellt. Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neustart zieht das Team aus Auftragszusagen von der Steuerverwaltung.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein Management Buy-Out-Team hat am Dienstag in Bonn sein Konzept zur Rettung der 150 Arbeitsplätze bei dem IT-Dienstleister Fiscus vorgestellt. Das Bonner Unternehmen war 2001 als der strategische Softwareentwickler der deutschen Steuerbehörde gegründet worden. Am 23. Juni dieses Jahres beschlossen die Finanzminister der Bundesländer jedoch, das Gemeinschaftsunternehmen aufzulösen und sozialverträglich abzuwickeln (siehe auch: "Finanzminister wollen Fiscus abwickeln").

Nun wollen Christoph Herr, Franz Walch, Andreas Winkelmann und José-Luis Uzquiano die Fiscus GmbH zum 1. Oktober 2005 vollständig und mit allen Rechten und Pflichten übernehmen. Die vier Mitglieder des Fiscus-Führungskreises werden von den Bonner Finanzinvestoren Jörg Haas und Rüdiger Wilbert unterstützt. Beide hatten im vergangenen November die von ihnen gegründete GWI AG, einen Hersteller von Krankenhaussoftware, für 265 Millionen Euro an Agfa Gevaert verkauft.

Haas und Wilbert wollen 74,9 Prozent der neuen Fiscus AG halten, während das Management-Quartett 25,1 Prozent übernehmen wollen. Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neustart zieht das Team aus Auftragszusagen von der Steuerverwaltung: rund 5000 Personentage für das vierte Quartal 2005 und zirka 3000 Personentage für das erste Quartal 2006 wurden dem Unternehmen garantiert. Auch für die Zeit danach ist den potenziellen Fiscus-Bossen nicht bange: Im gesamten Markt der öffentlichen Verwaltung sei mit einem deutlichen Anstieg der Ausgaben für IT-Dienstleistungen zu rechnen, da aufgrund der Zurückhaltung in den vergangenen Jahren ein großer Reformdruck entstanden ist. Allein in diesem Jahr soll das Marktvolumen für die Softwareentwicklung dort 3,8 Milliarden Euro betragen. Um ein dickes Stück von diesem Kuchen abzubekommen, plant die Fiscus AG, ihre Dienste auch anderen Segmenten der öffentlichen Verwaltung anzubieten, etwa der Bundeswehr, den Kommunen, dem Zoll, der Polizei oder den Steuerverwaltungen im Ausland.

Die rund 50 Fiscus-Mitarbeiter, die heute noch im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, erhalten eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende März 2006. Entlassungen soll es im Falle der Privatisierung nicht geben. Im Gegenteil: Die Manager wollen mittelfristig wieder 250 Arbeitsplätze schaffen, so viele wie in der Anfangszeit der Fiscus GmbH.

Zunächst muss das Konzept jedoch abgesegnet werden: Der Aufsichtsrat des IT-Dienstleisters will am kommenden Montag darüber beraten. Am 16. September trifft sich die Gesellschafterversammlung. (mb)