Razzien auch in Europa

FBI nimmt 14 Anonymous-Verdächtige fest

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Die US-Bundespolizei FBI hat gestern ihre bislang größte Aktion gegen die Hacktivisten von Anonymous gestartet.
Anonymous-Aktivisten protestieren in Los Angeles gegen Scientology
Anonymous-Aktivisten protestieren in Los Angeles gegen Scientology
Foto: Wikimedia Commons

Dabei wurden in den USA insgesamt 16 Verdächtige verhaftet und Dutzende von Wohnungen durchsucht, laut einem Bericht des "Wall Street Journal" zumeist im Zusammenhang mit den DDoS-Angriffen (Distributed Denial-of-Service) auf die eBay-Bezahltochter PayPal im vergangenen Jahr. Weitere fünf Verdächtige wurden demnach in Großbritannien und den Niederlanden verhaftet. Bei den US-Verdächtigen handelt es sich Gerichtsunterlagen zufolge zumeist um Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren, die unter Pseudonymen wie "Toxic", "Absolem" oder "Reaper" im Netz unterwegs waren.

Mitglieder und Sympathisanten von Anonymous und deren möglicherweise Splittergruppe Lulz Security hatten in den vergangenen Monaten die Verantwortung für eine ganze Reihe von DoS-Attacken und Einbrüchen in Firmennetze bei unter anderem Sony und dem US-Rüstungsdienstleister Booz Allen Hamilton übernommen. Erst am Montag hatte LulzSec überdies die Website des britischen Boulevard-Blatts "The Sun" verändert und dort eine Falschmeldung über den Tod von Medienmogul Rupert Murdoch platziert.

Gegen Anonymous, das anfänglich mit Online-Aktionen gegen Scientology aktiv und bekannt geworden war, gehen derzeit Behörden rund um den Globus vor. Schon früher in diesem Monat hatten Ermittler in Italien und der Schweiz mehr als 30 Wohnungen durchsucht. In Großbritannien, den Niederlanden, Spanien und der Türkei wurden bereits über 40 Verdächtige inhaftiert.

Anonymous-Flyer zur "Operation Payback"
Anonymous-Flyer zur "Operation Payback"
Foto: Wikimedia Commons

Weltweit in die Schlagzeilen geraten war Anonymous im vergangenen Jahr mit Unterstützungsaktionen für das Whistleblower-Portal Wikileaks, nachdem dieses etliche Depeschen von US-Diplomaten veröffentlicht hatte. Die Netzaktivisten legten daraufhin zeitweise die Webseiten von Finanzdienstleistern wie PayPal, Visa und MasterCard lahm, die sich geweigert hatten, noch Spenden an Wiikileaks weiterzuleiten. Auch Amazon.com geriet ins Visier von Anonymous, nachdem es auf AWS gehostete Wikileaks-Daten von seinen Servern verbannte.

Diese "Operation Avenge Assange" (nach Wikileaks-Gründer Julian Assange) koordinierte die lose via Internet - meist in der relativen Anonymität des Internet Relay Chat (IRC) - verbandelte Anonymous-Gruppe. Für die DDoS-Angriffe kam dabei das Software-Tool "Low Orbit Ion Cannon" zum Einsatz, das Anonymous öffentlich zum Download anbot.

Den 14 vom FBI verhafteten mutmaßlichen Anonymous-Mitgliedern (den zwei anderen Verhafteten werden andere Cyber-Missetaten vorgeworfen) werden laut "IDG News Service" Verschwörung sowie die absichtliche Beschädigung geschützter Computer zur Last gelegt. Dafür drohen ihnen nach Angaben der Bundespolizei maximal fünf Jahre Gefängnis plus 250.000 Dollar Geldstrafe beziehungsweise zehn Jahre / 500.000 Dollar.

FBI: Dienstmarke und Glock-Dienstpistole
FBI: Dienstmarke und Glock-Dienstpistole
Foto: FBI

Der US-amerikanische Sicherheitsexperte Josh Shaul, CTO bei Application Security Inc., äußerte sich verwundert darüber, dass die vom FBI verhafteten Anonymous-Verdächtigen sich zum Teil offenbar nur wenig Mühe gemacht hatte, ihre Spuren zu verwischen. Anonymous wie auch Lulz Security gehe es scheinbar zumeist darum, ihre Opfer zu blamieren und bloßzustellen und weniger um Datenklau oder Sabotage. Trotzdem versuchten die Behörden aber "ein Exempel an jedem zu statuieren, dessen sie habhaft werden können", so Shaul weiter. In den USA hat es im Zuge der Ermittlungen gegen die Hacker bis dato mehr als 75 Durchsuchungen gegeben.