Beweise gefälscht?

Facebook wirft Zuckerberg-Kläger Betrug vor

03.06.2011
Das wäre mal ein wirklich dreister Betrug: Der Mann, der Anspruch auf die Hälfte an Facebook erhebt, soll dem weltgrößten Online-Netzwerk zufolge alle seine Beweise gefälscht haben.

Der ehemalige Holzpellethändler Paul Ceglia hält an seiner Darstellung fest und behauptet, 2003 mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einen Online-Dienst mit dem Namen thefacebook.com geplant zu haben. Zuckerberg habe ihn jedoch schließlich ausgebootet und Facebook allein auf die Beine gestellt. Ceglia untermauerte seine Version der Geschichte mit der Kopie eines Vertrages sowie mehrerer E-Mails.

Paul Ceglia hat alles nur erfunden, sagt Facebook-Chef Mark Zuckerberg - unter Eid.
Paul Ceglia hat alles nur erfunden, sagt Facebook-Chef Mark Zuckerberg - unter Eid.

Zuckerberg erklärte jetzt aber unter Eid, er habe nie den von Ceglia präsentierten Vertrag unterzeichnet und auch nie die vorgelegten E-Mails geschrieben oder erhalten. "Der Vertrag ist mit der 'Ausschneiden-Reinkleben' -Technik erstellt worden, die E-Mails sind komplette Fälschungen und diese ganze Klage ein Betrug", hieß es in einem Gerichtsdokument von Facebook am Donnerstag.

Ein Dokumentenexperte habe festgestellt, dass es zwischen den Seiten 1 und 2 des angeblichen Vertrages erhebliche Unterschiede gebe, was auf eine Fälschung hinweise. Zudem habe eine Auswertung der E-Mail-Server von Harvard, wo Zuckerberg zu der Zeit studierte, ergeben, dass dort nie solche E-Mails umgeschlagen worden seien. Stattdessen seien aber 175 Mails der beiden Männer gefunden worden, in denen der Name Facebook nicht vorkomme.

Zuckerberg sei seinerzeit zwar tatsächlich von Ceglia angeheuert worden - es sei aber nur um Programmiererarbeiten für dessen Website StreetFax gegangen, einen Dienst mit Fotos von Straßenkreuzungen für Versicherungsfirmen. Von Facebook oder einem ähnlichen Namen sei nie die Rede gewesen, schließlich sei Zuckerberg der Name erst Ende 2003 eingefallen und der angebliche Vertrag stammt von April des Jahres.

Ceglia behauptete zunächst, er habe ein Anrecht auf die Hälfte an Facebook sowie weitere 34 Prozent als Vertragsstrafe dafür, dass Zuckerberg die vereinbarten Arbeiten nicht erledigt habe. Später reduzierte er seine Forderung auf "nur" 50 Prozent. Angesichts des heutigen geschätzten Wertes von bis zu 80 Milliarden Dollar für Facebook wäre Ceglias damalige Investition von 2000 Dollar ein phänomenales Geschäft.

Der Mann, der in seinem Holzpelletgeschäft Probleme wegen Kundenbetrugs hatte, war zunächst als Spinner aufgenommen worden. Allein schon die Erklärung, er habe sich erst vor kurzem wieder an den Vertrag erinnert, wirkte wenig überzeugend. Dann aber heuerte Ceglia eine renommierte Anwaltsfirma an und präsentierte die E-Mails, in denen es angeblich um den Aufbau eines Online-Netzwerks und die Registrierung des Namens "The Face Book" ging. Aus den Mails entstand der Eindruck, Zuckerberg habe Ceglia hingehalten und ihm einen Misserfolg vorgegaukelt, während Facebook in Wirklichkeit ein Hit war. Schließlich zahlte Zuckerberg in dieser Version der Geschichte Ceglia die 2000 Dollar zurück und löste die Partnerschaft auf.

Facebook will jetzt Zugriff auf Ceglias Computer haben und forderte ihn zudem auf, das Original des angeblichen Vertrages vorzulegen. Laut Facebook unterschrieb Zuckerberg nur den Vertrag zur Entwicklung von StreetFax. Von diesem Dokument stamme auch die erste Seite des angeblichen "Face Book"-Vertrages. Die zweite sei von Ceglia "amateurhaft" gefälscht worden, behauptete das Online-Netzwerk. Ein Experte habe Unterschiede unter anderem bei Schriftgrößen und anderen Details festgestellt.

Ceglias Anwalt sagte laut "New York Times", sein Mandant widerspreche den Facebook-Vorwürfen und werde seine Beweise vorlegen.

Ceglia ist nicht der einzige, der ein Stück von Facebook haben will. So gehen die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss seit Jahren gegen Zuckerberg vor. Sie behaupteten, er habe ihnen die Idee für Facebook geklaut. Einen Vergleich mit dem Online-Netzwerk wollen sie jetzt aufkündigen, weil Facebook sie dabei angeblich über den Tisch gezogen habe. (dpa/tc)