Web

Parental Control

Facebook arbeitet an Zugang für jüngere Kinder

05.06.2012
Bei Facebook darf man sich offiziell nur ab 13 Jahren anmelden.

Doch viele jüngere Kinder machen schon mit, weil sie bei der Anmeldung beim Alter schummeln. Dem "Wall Street Journal" zufolge sucht Facebook nun nach einem Weg, auch Kinder unter 13 sicher einzubinden.

Bislang darf man sich bei Facebook offiziell erst ab 13 Jahren anmelden - viele Kinder tricksen hier aber.
Bislang darf man sich bei Facebook offiziell erst ab 13 Jahren anmelden - viele Kinder tricksen hier aber.

Facebook denkt darüber nach, auch Kinder unter 13 Jahren in das Online-Netzwerk aufzunehmen. Das berichtete das "Wall Street Journal" am Montag. Bereits jetzt sind mehrere Millionen jüngerer Kinder in dem weltgrößten Online-Netzwerk unterwegs, weil sie bei der Frage nach dem Geburtsdatum geschummelt und sich älter gemacht haben. Facebook erwägt nun, die Konten der Kinder mit den Account ihrer Eltern zu verknüpfen, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag. Die Erwachsenen könnten dann entscheiden, mit wem sich ihre Kinder bei Facebook anfreunden und welche Apps sie nutzen dürfen.

Die Pläne von Facebook dürften auf kontroverse Reaktionen stoßen. Am Dienstag reagierte bereits das Haus von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), die als scharfe Facebook-Kritikerin bekannt ist: Das Ministerium forderte Facebook auf, den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.

Facebook ist von Politikern und Jugendschützern auch in Deutschland bereits immer wieder dafür kritisiert worden, dass auch Kinder im Alter unter 13 Jahren relativ mühelos in das Netzwerk durchschlüpfen können. Es gibt zwar einen Mechanismus, der Schummeleien bei der Altersangabe verhindern soll. Wenn ein Kind unter 13 Jahren zunächst seinen richtigen Geburtstag angibt und sich dann versucht, gegenüber Facebook älter zu machen, wird ein erneuter Anmeldeversuch unterbunden. Dafür wird ein sogenanntes Cookie eingesetzt, eine Software-Datei, die auf dem Computer abgelegt wird. Das Verfahren ist jedoch nutzlos, wenn ein Kind gleich im ersten Anlauf ein falsches Alter angibt. Außerdem kann das Cookie gelöscht und ein neuer Anmeldeversuch unternommen werden.

Facebook sehe sich gezwungen, eine sichere Nutzung durch Kinder zu ermöglichen, weil schon so viele von ihnen in dem Netzwerk seien, schrieb das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Zugleich würde das Unternehmen sich damit eine große neue Zielgruppe für App-Angebote wie Spiele erschließen. Facebook hatte zuletzt gewarnt, dass der Umsatz langsamer als erwartet steigen könnte, weil so viele Mitglieder die bisher werbefreien Smartphone- und Tablet-Apps nutzen. Das dürfte zu der katastrophalen Entwicklung der Facebook-Aktie beigetragen haben, die in zwei Wochen nach dem Börsengang um mehr als ein Viertel absackte.

Facebook entwickelt allerdings auch oft Technologien, die nie eingeführt werden. Daher sei es völlig unklar, ob die Überlegungen umgesetzt werden, heißt es in dem Bericht. Deutlich wurde aber auch, dass die Pläne für eine Aufnahme von jüngeren Kindern schon länger gären. So habe Facebook bereits im vergangenen Sommer mit Anbietern von Diensten zu Identitätsbestätigung darüber gesprochen, wie man eine nachweislich echte Einverständniserklärung von Eltern bekommen könne. Auch habe es Kontakte zu Anbietern von Unterhaltungsinhalten für Kinder wie Disney gegeben.

Die Zeitung berief sich auf mehrere US-Studien, die belegen, dass dennoch viele junge Kinder bereits bei dem Online-Netzwerk angemeldet sind. So habe eine von Microsoft finanzierte Erhebung ergeben, dass 36 Prozent der Eltern wussten, dass ihre Kinder Facebook schon ansteuerten, bevor sie 13 wurden - und viele hätten sie dabei sogar unterstützt. Das amerikanische Verbraucherschutzmagazin "Consumer Reports" erklärte im vergangenen Jahr, rund 7,5 Millionen Kinder im Alter unter 13 Jahren seien bei Facebook, davon fünf Millionen jünger als zehn Jahre.

Facebook äußerte sich ausweichend zu dem Artikel. "Jüngste Berichte haben verdeutlicht, wie schwierig es ist, im Internet Altersbeschränkungen durchzusetzen - insbesondere wenn Eltern wollen, dass ihre Kinder Zugang zu Online-Diensten und -Inhalten haben", erklärte das Unternehmen der dpa. "Wir sind in einem laufenden Dialog mit Beteiligten, Regulierern und anderen politischen Entscheidungsträgern darüber, wie wir Eltern am besten dabei unterstützen können, ihre Kinder in einer sich wandelnden Online-Umgebung zu schützen." Facebook hat nach jüngsten Angaben von Ende März insgesamt gut 900 Millionen aktive Nutzer weltweit.

Aigners Sprecher Holger Eichele betonte: "Es ist unstrittig, dass Facebook größere Anstrengungen unternehmen muss, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern." Facebook habe in der Vergangenheit wiederholt angekündigt, die Standards verbessern zu wollen, diesen Ankündigungen aber keine Taten folgen lassen. Dies gelte insbesondere für die Grundeinstellungen, in denen der Verteilerkreis eingeschränkt sein müsse. Das Ministerium würde es begrüßen, wenn der Datenschutz gerade für junge Nutzer erhöht würde.

Das Online-Netzwerk weist Eltern und Lehrer ausdrücklich darauf hin, dass man gegen die Regeln verstößt, wenn sich Kinder im Alter unter 13 Jahren bei Facebook anmelden oder von Erwachsenen angemeldet werden. In Spanien und Südkorea liegt diese Grenze bei 14 Jahren. Zugleich gibt es für Minderjährige schärfere Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre. So können sie zum Beispiel ihre Fotos maximal mit Freunden ihrer Freunde teilen, aber nicht ganz öffentlich machen. (dpa/tc)