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Extrawünsche willkommen: Beim Social Commerce redet der Kunde mit

19.07.2007
Monique Baumann mag Extrawünsche. "Das hilft mir herauszufinden, was die Kunden gut finden", sagt sie.

Ein anderer Stoff für das Wickelkleid, ein anderer Schnitt für den Kapuzenpulli - alles kein Problem, eine E-Mail reicht. Den direkten Draht zur Modedesignerin können Kunden über den Internet-Marktplatz DaWanda.com aufnehmen: In ihrem Shop "Mydearlove" verkauft die 24-Jährige ausgefallene Mode - "alles Unikate", wie sie auf ihrer Seite wirbt.

DaWanda ist Teil eines Trends: Immer mehr E-Commerce-Portale bringen die Hersteller von Mode, Kunst und Kitsch direkt mit den Käufern zusammen. Die Kunden können bei der konkreten Gestaltung mitreden, das Endprodukt loben oder tadeln und ihren Freunden weiterempfehlen. "Social Commerce" heißt diese neue Form des elektronischen Handels.

Die kleinen Marktplätze setzen sich bewusst von der großen Konkurrenz ab. "Wir bieten eine Plattform für Unikate und Besonderes", sagt Claudia Helming, die mit ihrem Geschäftspartner Michael Pütz DaWanda gegründet hat. "Solche Dinge gehen bei eBay vollkommen unter." Zwischen Häkel-Bikinis, getöpferten Teekannen und bedruckten Postkarten ist Stöbern die Devise. Rund 3000 Verkäufer haben sich seit Herbst 2006 mit ihren Shops registriert.

Die Kunden von DaWanda schätzen den Unikat-Charakter der zum Festpreis angebotenen Ware.
Die Kunden von DaWanda schätzen den Unikat-Charakter der zum Festpreis angebotenen Ware.

DaWanda richtet sich bewusst nicht an Schnäppchenjäger. "Die Produkte sind mit Herzblut gefertigt". Das solle auch wertgeschätzt werden, sagt Helming. Daher werden die Produkte nicht versteigert, sondern zu einem Festpreis verkauft. Das gefällt auch Monique Baumann. Mit dem neuen Portal erreiche sie zwar weniger Kunden als etwa bei eBay. "Aber die meisten schätzen den Unikat-Charakter der Ware. Hier feilscht niemand um den Preis." Ein weiteres, wichtiges Argument: Die Verkaufsgebühren seien niedriger als bei dem Auktionshaus.

Mit Plattformen wie DaWanda ist der Social-Commerce-Gedanke noch nicht ausgereizt. Junge Unternehmen wie Dealjaeger.de oder Edelight.de fordern Nutzer auf, Listen mit ihren Lieblingsprodukten anzulegen und diese in ihr Weblog zu integrieren. Wenn ein Leser den Link klickt und etwas kauft, verdient der Blogger mit.

Trendsetter des Social Commerce sind zwar Portale aus den USA wie Etsy.com oder Threadless.com, doch auch in Deutschland haben Anbieter nachhaltigen Erfolg. Das hiesige Musterbeispiel heißt Spreadshirt. Die Leipziger Firma, 2001 gegründet, lässt Nutzer ihr T-Shirt selbst gestalten. Spreadshirt verdient Geld damit, die Textilien zu bedrucken und auszuliefern. 300 000 Kunden haben einen eigenen Shop, nach eigenen Angaben schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen.

Doch längst nicht alle Portale erreichen eine so breite Kundschaft wie der Modeanbieter. Reichen die Nischen aus, um nicht nur eine treue Fangemeinde zu gewinnen, sondern auch geschäftlichen Erfolg zu haben? Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski hat für sich diese Frage beantwortet, er ist bei einigen Start-ups wie DaWanda als Risikokapitalgeber eingestiegen. "Die Nischen müssen groß genug sein", sagt er. Daher sei es das Ziel, die Bekanntheit der Portale weiter zu steigern.

Unabhängig vom Erfolg einzelner Anbieter: Social Commerce hat den Handel im Internet bereits verändert. So hat mit eBay einer der Platzhirsche kürzlich angekündigt, "Commerce und Community" - Handel und Gemeinschaft - stärker miteinander zu verbinden. Bereits jetzt können Kunden ein umfangreiches Profil anlegen oder ein Blog führen. Weitere Veränderungen sind für die nächsten Wochen und Monate geplant. Der Kunde bekommt mehr Mitspracherecht - nicht nur bei DaWanda und Co. (dpa/tc)