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Ex-Worldcom-Chef Ebbers muss vor Gericht

03.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das US-Justizministerium hat nach fast zwei Jahren Untersuchung Anklage gegen den früheren Worldcom-CEO und Gründer Bernard Ebbers erhoben. Dem 62-jährigen Topmanager werden Verschwörung und Betrug im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Bilanzskandal des US-Carriers vorgeworfen. Ermöglicht wurde die Anklage erst nach einem Deal mit dem Ex-Finanzchef Scott Sullivan. Dieser hatte bereits zugegeben, dass er zusammen mit anderen die Worldcom-Bilanzen gefälscht hatte, indem er Umsätze zu hoch ausgewiesen und Ausgaben nicht korrekt verbuchte. Nachdem er mit weiteren Vorwürfen konfrontiert wurde, erklärte sich der Ex-Finanzchef am vergangenen Dienstag bereit, gegen seinen früheren Chef auszusagen. Sullivan und Ebbers drohen Haftstrafen von bis zu 25 Jahren.

Die US-Justiz hatte sich bereits öffentliche Kritik eingehandelt, da sie trotz langer Ermittlungen keine stichhaltigen Beweise gegen Ebbers vorweisen konnte. So vermied der Selfmade-Millionär jeglichen E-Mail-Verkehr und wickelte seine Korrespondenz über seine Sekretärin ab. Selbst von wichtigen Gesprächen existieren keine Aufzeichnungen.

Voraussichtlich muss der ehemalige Wordcom-Chef bereits am heutigen Mittwoch vor dem US-Bezirksgericht in New York erscheinen. Ebbers Anwalt pocht nach wie vor auf der Unschuld seines Mandanten. In einer Stellungnahme erklärte er, eine unparteiische Jury werde Ebbers frei sprechen: "Es war niemals Ebbers' Plan, die Investoren zu betrügen, die Worldcom-Bilanzen zu manipulieren, zu Unrecht Geld anzunehmen oder der Company anderweitig zu schaden". (mb)