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ERP-Problem verhagelt Agilent die Bilanz

20.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Probleme mit einem im Laufe des Quartals installierten neuen ERP-System (Enterprise Resource Planning) haben HPs Test- und Messgeräte-Spinoff Agilent einen deutlich höheren Quartalsverlust beschert als erwartet. Durch die neue Software habe man rund 105 Millionen Dollar Umsatz und 70 Millionen Dollar operativen Gewinn verloren, so Agilent - das entspreche einer normalen Wochenproduktion.

In der Folge wies Agilent gestern für sein Ende Juli abgeschlossenes drittes Fiskalquartal einen Nettoverlust von 228 Millionen Dollar oder 49 Cent pro Aktie aus nach 225 Millionen Dollar oder ebenfalls 49 Cent je Anteilschein im Vorjahreszeitraum. Im aktuellen Ergebnis sind Sonderbelastungen von 95 Millionen Dollar für Wertabschreibungen sowie 78 Millionen Dollar für Restrukturierung enthalten. Abzüglich dieser ergibt sich ein Proforma-Fehlbetrag von 143 Millionen Dollar oder 31 Cent pro Aktie nach minus 101 Millionen Dollar oder 22 Cent je Anteilschein im Vorjahresquartal. Analysten hatten hier laut First Call/Thomson minus 15 Cent pro Aktie erwartet. Die Quartalseinnahmen fielen im Jahresvergleich von 1,82 auf 1,39 Milliarden Dollar, die Wall Street hatte mit 1,5 Milliarden Dollar gerechnet. Im Mai hatte Agilent selbst Einnahmen zwischen 1,5 und 1,6 Milliarden Dollar sowie zehn bis 20 Cent Proforma-Verlust je Anteilschein in Aussicht gestellt.

Bei der von Agilent eingeführten Software handelt es sich übrigens um Oracle Applications. Probleme gab es nach Angaben von Agilent-Sprecherin Michele Drake bei der Übernahme von Kunden- und Finanzdaten aus Altsystemen. Außerdem habe das System bei der Eingabe von Aufträgen zu langsam reagiert, diese Probleme seien aber inzwischen behoben. Eine direkte Schuld will Agilent Oracle deshalb auch nicht geben. "Egal welchen Hersteller wir gewählt hätten, wir hätten diese Probleme auf jeden Fall gehabt, weil der Umstieg von unseren Legacy-Systemen so komplex war", so Drake. Agilent betrieb vor der Oracle-Einführung, die unter anderem der Konsolidierung diente, rund 2200 verschiedene Computer-Systeme. (tc)