Transformation zum Digital Business

Erfolg durch adaptives Sourcing

08.09.2015
Frank Ridder ist Managing VP bei Gartner Research und leitet ein globales Analysten-Team im Bereich IT-Services-Sourcing. Als Analyst unterstützt er zudem Gartners Kunden in allen Phasen des Sourcing-Zyklus für IT-Dienstleistungen, einschließlich der Bereiche Rechenzentrum, Endanwender-Services und Sourcing sowie übergreifende Themen wie Cloud, Industrie 4.0 und Service-Integration. Herr Ridder ist zudem Research-Leiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Industrie 4.0 bedeutet für Unternehmen oft eine weitreichende Transformation. Eine Transformation hin zum Digital Business, einem Business, das durch die Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse, Partnerschaften und Produkte Ihr Geschäftsmodell – oft radikal – verändert.

Doch auch das Wettbewerbsumfeld verändert sich und somit ist es unerlässlich, die Transformation schnell voran zu treiben. Die interne Governance ist dabei ebenso wichtig wie die nahtlose Zusammenarbeit mit Anbietern von Produkten und Dienstleistungen.

Unternehmen müssen dafür ihre vorhandenen Governance-Modelle überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Dabei können sie auf Best Practice-Modelle wie die Gartner "Industrie 4.0 Program Governance" zurückgreifen.

Industrie 4.0 Program Governance
Industrie 4.0 Program Governance
Foto: Gartner

Das Governance-Modell beschreibt fünf Kernbereiche, die durch eine Kommunikationsfunktion miteinander verbunden sind: Geschäftsnutzen (Business Outcome), Projektmanagement, Kulturmanagement, Architekturmanagement und Sourcing-Management:

  • Geschäftsnutzen: Mit Industrie 4.0 (I40) müssen Unternehmen ihr Erfolgsmesssystem umstellen - von Technologie-basierenden Metriken hin zu Metriken, die den Geschäftsnutzen darstellen.

  • Projektmanagement: Dieser Bereich muss mit der Möglichkeit angereichert werden, Programme und Projekte unternehmensübergreifend zu steuern, zu messen und zu managen.

  • Kulturmanagement: I40-Initiativen brauchen Innovation und Kreativität. Es ist wichtig, dass Unternehmen ihre oftmals auf Risikomanagement optimierte Unternehmenskultur anpassen.

  • Architekturmanagement: I40-Architekturen müssen offen gestaltet sein, damit sie unternehmensübergreifende Zusammenarbeit ermöglichen, zum Beispiel beim Informationsaustausch.

  • Sourcing-Management: Unternehmen arbeiten für Innovation zunehmend mit externen Dienstleistern zusammen. Dieser Trend wird sich mit I40 auch in Deutschland verstärken.

Dies bedeutet nicht notwendigerweise mehr Geschäft für die traditionellen Anbieter. Gerade wenn schnell gehandelt werden muss, bedienen sich Unternehmen innovativer Startup-Unternehmen oder sie experimentieren viel. Laut unserer diesjährigen CIO-Umfrage experimentieren zurzeit 15 Prozent aller Unternehmen mit neuen, disruptiven, digitalen Technologien. Unternehmen wollen für ihre Projekte schnelle Prototypen zum Testen haben - eine Kompetenz, die eher den kleinen, agilen Unternehmen zugesprochen wird.

Die richtige Geschwindigkeit

Die Herausforderung für Unternehmen ist nun, den Spagat zu managen. Auf der einen Seite die IT der Innovation - schnell und immer aufs Neue aus. Und auf der anderen Seite die traditionelle IT, die das vorhandene pflegt und auf Sicherheit und Effizienz bedacht ist. Gartner spricht in diesem Zusammenhang von der IT der zwei Geschwindigkeiten (Bi-Modal IT). Für die Sourcing-Abteilungen bedeutet dies, dass der traditionelle Ansatz, "eine Strategie für Alles", nicht mehr funktioniert. Deswegen brauchen Unternehmen jetzt ein adaptives Sourcing-Modell. Dabei sind drei Ebenen wichtig:

Adaptive Sourcing
Adaptive Sourcing
Foto: Gartner

Die unterschiedlichen Ebenen erlauben der Sourcing-Abteilung Geschäftsanforderungen in der Sourcing-Strategie unterschiedlich zu behandeln. Entscheider, Fokus und Liefermodell sind weitere Unterscheidungsmerkmale. Im I40-Umfeld ist die Differenzierung wichtig:

  • Innovation: I40 bedeutet neue Geschäftsmodelle, basierend auf innovativen Lösungen, Produkten und Dienstleistungen.

  • Differenzierung: Die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit, die für I40-Initiativen notwendig ist, erfordert Differenzierungsmöglichkeiten für die beteiligten Unternehmen.

  • Regelbetrieb: Die vorhandene IT in Unternehmen darf durch I40-Initiativen nicht beeinträchtigt oder gestört werden.

In Gartners CIO-Umfrage im Jahr 2014 haben 70 prozent der teilnehmenden CIOs bestätigt, dass sie ihren Sourcing-Mix in den nächsten zwei bis drei Jahren verändern werden.

Meine Empfehlung: Sourcing-Manager sollten nicht nur die Wichtigkeit einer ordentlichen Programm-Governance für I40-Initiativen berücksichtigen, sondern auch ihr Sourcing-Ökosystem überdenken, so dass die geschäftlichen Anforderungen an Agilität, Innovation und Nutzen auch in Zukunft abgebildet werden können. (bw)